Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll49. Sitzung / Seite 120

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dieses dicke Buch, den Grünen Bericht, in 4 Minuten abzuhandeln. Wir haben aber ei­nen sehr rührigen Minister, und dank seines Auftritts im Landwirtschaftsausschuss bin ich jetzt dazu in der Lage.

Ich blende zurück zur Sitzung des Landwirtschaftsausschusses von vergangener Wo­che. Es war kurz vor dem „Tag des Apfels“. Der Minister hat stolz erzählt, dass seine Aktion, nämlich dass die Österreicherinnen und Österreicher viele Äpfel essen sollen, weil diese gesund und ein Protest seien, weil Putin Sanktionen verhängt hat, ein Erfolg war, weil sie zu stärkerem inländischen Apfelabsatz geführt habe. (Zwischenruf des Abg. Neubauer.)

Herr Minister, Ihre Apfelaktion war ein voller Erfolg. Sie haben auch zu Recht darauf hingewiesen, dass das ein Beispiel für regionale Wege, für regionale Landwirtschaft, für kurze Wege ist. Kurzum, das ist die Vorstellung von Landwirtschaft, die Sie haben. (Demonstrativer Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)

Dann kommt der Schwenk, dann hat der Herr Minister berichtet, er sei in China und in Korea gewesen und habe Folgendes erreicht: eine Exportoffensive Neu. (Bundesminis­ter Rupprechter: Grüne Exportoffensive!) – Grüne Exportoffensive Neu, sagt er. Und was ist das? – Wir dürfen jetzt endlich Schweinefleisch aus Österreich nach China, nach Korea und demnächst auch auf die Philippinen exportieren. Das hat er erreicht.

Ich habe mir schon gedacht, wir haben nicht nur einen Landwirtschaftsminister Rupp­rechter, nein, wir haben offensichtlich auch einen Handelsminister Rupprechter.

Dann habe ich eingewendet: Ja, aber, Herr Minister, ist es gescheit, in Zeiten der Kli­makatastrophe Schweinefleisch aus Österreich bis ans andere Ende der Welt zu schi­cken? (Zwischenruf des Abg. Steinbichler.) Seine Antwort war: Ja, denn die Schweine in Österreich werden nachhaltig erzeugt (Ruf bei der FPÖ: „Erzeugt“?!), und es ist bes­ser, als würden diese woanders nicht-nachhaltig erzeugt und diese nicht-nachhaltigen Schweine dann nach Korea oder China geschickt. (Abg. Steinbichler: Das ist eine Kompensation !)

Wir alle wissen, Herr Minister, Sie sind in einem Monat in Lima bei der Weltklimakon­ferenz. Wissen Sie, wie die österreichischen Bauern Schweine produzieren? – Öster­reich importiert 600 000 Tonnen Sojaschrot aus Argentinien, primär aus Brasilien, 90 Pro­zent davon gentechnisch verändert. Das karren wir also um die halbe Welt in unser Land. Dann züchten unsere Bauern brav Schweine. Und wenn das Schweinderl dann das Schlachtgewicht hat, was, glaubt ihr, kostet dann 1 Kilo Schweinefleisch? (Der Red­ner packt aus einer Stofftasche ein Stück Fleisch aus und hält es in die Höhe.) Dafür kriegt der Bauer – das steht im Bericht drinnen, Seite 50 – im Durchschnitt 1,75 €. (Abg. Auer: Derzeit nicht!) – Noch weniger. (Zwischenruf des Abg. Steinbichler.) Und der Deckungsbeitrag von einem Schwein für den Bauern sind laut Grünem Bericht 18 €. Das heißt, der Bauer füttert und macht alles und bekommt dafür 18 €.

Da haben wir also dieses Schweinefleisch mit Sojaschrot, gentechnisch verändert, aus Brasilien produziert und exportieren es dann dank unseres Ministers nach China und Korea. Das ergibt einen ökologischen Fußabdruck, das ist ein Wahnsinn! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten des Teams Stronach.)

Und Sie sagen dann, das sei eine tolle, innovative Agrarpolitik. – Herr Minister, Sie be­leidigen Ihre Intelligenz, Sie beleidigen meine Intelligenz, wenn Sie glauben, das sei ei­ne Landwirtschaftspolitik der Zukunft.

Wir haben heute Früh hier herinnen Vizekanzler Mitterlehner erlebt, der in Richtung der Grünen gesagt hat: Ihr sagt uns nicht, wo es langgeht, das wissen wir selbst, denn wir sind die Vertreter der ökosozialen Marktwirtschaft! (Demonstrativer Beifall bei Abgeord­neten der ÖVP.) Wo ist die ökosoziale Marktwirtschaft? Was ist daran ökologisch,


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