Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll53. Sitzung / Seite 197

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bringe gleich ein aktuelles Beispiel aus meiner Heimatgemeinde oder aus jeder Land­gemeinde in diesem Bundesland:

Wenn wir heute zur örtlichen Wild-, Braten- oder Entenpartie gehen, dann haben wir auf dem Teller einen Hirsch aus Neuseeland, dann haben wir auf dem Teller, ge­schätzte Kolleginnen und Kollegen, Rindfleisch aus Argentinien – nur 12 000 Kilometer entfernt, der Hirsch aus Neuseeland 18 600 Kilometer entfernt oder 25 Tage Fahrzeit –, dann haben wir natürlich ganz regional vom Bauern ums Eck eine polnische Ente. Und die Landwirtschaftskammer jammert gerade bei der Welser Messe, dass wir den Be­darf an Geflügel nicht mehr decken können und die Inlandsproduktion nicht mehr ha­ben. Na, warum nicht? Und dann haben wir einen Kalbsbraten aus Norddeutschland. (Vizekanzler Mitterlehner: Und Schweinshaxen aus China!)

Herr Vizekanzler, ich lade dich herzlich ein. Die Zeche bezahle ich, das ist keine Be­stechung. Wir werden dieses Menü degustieren, und ich gebe dir die Garantie, das ist die Wahrheit.

Ich habe es einfach satt, dass wir die Bäuerinnen und Bauern fürs Plakat verkaufen, dass wir sagen: Schaut her, da schuften sie, so klar und so schön und so wunderbar ist unsere Landwirtschaft!, und die Produkte auf dem Teller haben mit dieser Produktion nichts zu tun (Zwischenruf des Abg. Rädler), sie sind bei diesen Bauern vorbeige­fahren worden. Herr Kollege, hör dir das bitte an! Ich darf dazu Folgendes sagen: Auch trotz dieser so wichtigen Kammer haben wir das Problem der Gelder, der Bauerngelder (Zwischenruf bei der ÖVP), der Verteilung von 80 : 20; wir erleben es gerade wieder bei der Russlandkrise.

Jetzt gibt es angeblich sofort Interventionen, und da wird geholfen, weil ja der Russ­landexport zusammengebrochen ist. – Bitte, wie viele Euro von diesem Geld kommen in ein Bauernhaus (neuerlicher Zwischenruf bei der ÖVP), und wie viele Euro von die­sem Geld aus dem Agrarbudget kommen zu den Industriellen, zur Lebensmittelindus­trie und werden mit dem Federl „Bauerngeld“ vermarktet? (Zwischenruf des Abg. Räd­ler.) Und genauso ist das bei den Ausgleichszahlungen, Herr Kollege! (Abg. Höfinger: Wie ist denn das ?)

80 : 20 – nur 20 Prozent der Gelder kommen in ein Bauernhaus, der Rest kommt zur Lebensmittelindustrie, der Rest kommt zu den Kammern, zu den Ministerien und na­türlich auch zur Agrarmarkt Austria, denn diese muss ja ihre Marke auch bewerben. Lassen wir die Kirche einfach im Dorf! Reden wir darüber, wie es ausschaut! (Abg. Hö­finger: Leo, was ist mit ?)

Zuletzt noch ein Beispiel: Wenn dann mit Bauerngeld in der Kammerzeitung (Zwischen­ruf des Abg. Rädler– nicht in der Parteizeitung, das ist mir wurscht, Herr Kollege – in­seriert wird: Das Beste fürs Land kommt aus unserer Hand!, und dann ist das vorwie­gend ausländische Ware, dann ist das politisch gedeckter Betrug. (Zwischenruf des Abg. Höfinger.) Schaut euch das an, denn das werden die Antworten sein, die Sie, Herr Kollege, bei der Kammerwahl geben werden müssen! (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Höfinger.)

Ich darf noch ein Beispiel nennen: Meine Heimatgemeinde Aurach am Hongar, eine Bauerngemeinde, hat 25  (Abg. Höfinger: Erzähl das Beispiel !) – Herr Kollege, reg dich nicht so auf! Schau, das sind die Fakten, das ist ja das Problem. (Zwischen­rufe der Abgeordneten Pendl und Rädler.) Die Wahrheit ist unangenehm, das wissen wir eh – ganz einfach, Herr Kollege! Ich wollte ja nur etwas zum Kammerwahlrecht sa­gen. Aurach am Hongar hat 25 aktive Bauern (Vizekanzler Mitterlehner: Waldbesitz, Stift Schlägl, gell!), inklusive – richtig, Herr Minister – Waldbesitz, und sogar einen Schlägler haben wir dabei, mit 1 000 Hektar, es sei ihm gegönnt! (Abg. Höfinger: Er­zähl das, was du mir erzählt hast!)

 


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