beiten. (Der Redner hält ein Glas mit Maiskölbchen in die Höhe.) Es ist keine Neuigkeit, solche Maiskölbchen, die wir täglich oder wöchentlich zu Hause auf dem Jausentisch stehen haben, kommen natürlich frisch geerntet aus China. (Zwischenruf des Abg. Rädler.) Das ist einmal ein kleiner Einwand betreffend Regionalität.
Ich bedanke mich beim VKI, beim Verein für Konsumenteninformation, der sich mit dem frischen Fischspieß beschäftigt hat, frisch serviert in österreichischen Geschäften. (Der Redner hält eine Packung Fischfilet in die Höhe.) Man sieht schon an der Farbe, der Fisch dürfte nicht ganz so frisch sein. Wenn man das Kleingedruckte liest, dann wird es spannend. Da steht zu lesen: Tiefgekühlt im Ursprungsland, aufgetaut in Österreich. – Leute, das hat doch bitte mit Fairness nichts zu tun! (Beifall beim Team Stronach. – Zwischenruf des Abg. Heinzl.)
Das ist doch eine Peinlichkeit gegenüber unseren Konsumenten. Wir können sie doch nicht mit der Lupe einkaufen schicken, dass sie wirklich schauen, wo das Lebensmittel, soweit man es als solches bezeichnen kann, herkommt. Da im Ausschuss über Quecksilber in Fischen gesprochen wurde: Wer weiß, in welcher Brühe, in welcher Antibiotika-Brühe, im Mekong-Delta das Pangasiusfilet geschwommen ist, der weiß, dass man dazu nicht mehr „Lebensmittel“ sagen sollte.
Das sind die wesentlichen Punkte: Was heute wirklich mit den Lebensmitteln zusammen konsumiert wird, das geht bis zu den Pestiziden im Wasser, aber wir dürfen auch Obst und Gemüse nicht ausnehmen. Natürlich ist alles regional und kommt von ausgewählten Lieferanten! Das hören wir ja täglich im Radio und im Fernsehen. Dann kommt die Mango aus Peru, hundertprozentig Bio-Qualität; dann kommen die frischen ägyptischen Erdäpfel, die Heurigen aus Ägypten haben keinen Transportweg hinter sich. Ist ja alles traumhaft!
Ich möchte es ein bisschen herunterbrechen, weil jetzt bereits von der gesunden Schuljause gesprochen wurde. (Der Redner stellt eine große Tafel vor sich auf das Rednerpult, auf der auf der einen Seite eine Wurstsemmel mit Gurkerl abgebildet ist und auf der anderen Seite Lebensmittelinhaltsstoffe aufgelistet sind.) Gott sei Dank gibt es noch Kinder, Schulkinder, die manches Mal statt dem Müsliriegel ganz aus der Nähe aus der Industriefabrik eine Wurstsemmel mithaben. Und dank der viel kritisierten Allergen-Richtlinie für Wirte – eine Wirtin in Oberösterreich hat es ganz intelligent gemacht, sie hat eine Tafel hinausgehängt: „Essen auf eigene Gefahr“; das kann sich ein Supermarkt nicht leisten – müssen wir heute 21 Zeilen Beschreibung bei einer Wurstsemmel über die Gefahr der Allergene haben. Jeder wird sagen (Bundesministerin Oberhauser: Das sind Lebensmittelkennzeichnungen! Das hat mit Allergenen nichts zu tun!) – Das ist ganz aktuell, Frau Minister, aus dem heutigen Supermarkt, frisch vom Supermarkt. (Bundesministerin Oberhauser: aus dem heutigen Facebook, aber es ist eine alte !)
Jetzt darf ich noch sagen – und das ist das Tragische –, jeder würde sagen: Um Gottes willen, eine Wurstsemmel, die schädliche Semmel, die schädliche Wurst, gefährlich, Butter ist auch noch drinnen! (Ruf bei der SPÖ: Ein Gurkerl!) – Oder ein Gurkerl. Danke. – Jetzt kommt es! Dann wird es tragisch, dann lesen Sie die kleine Aufschrift mit den Allergenkennzeichnungen. Und dann wissen wir auf einmal, dass da Regenwald drinnen ist (Abg. Rädler: Na geh!), nämlich nicht nur in Form von künstlichen Streichfetten, sondern in Form von Palmfett. Wir genießen Regenwald in unseren Lebensmitteln – nicht nur in den Waschmitteln, in der Kosmetik, in den Lebensmittelsubstituten bis hin zu den Blockheizwerken. Wir vernichten mit unserer Lebensweise täglich Regenwald. (Abg. Rädler: Wo kommt das her?)
Aber dann geht es weiter: Über 20 chemische Zusätze sind drinnen, von Emulgatoren über Speisefettsäuren, Ascorbinsäure, Natriumnitrit bis hin zu Gewürzextrakten, also chemischen Ersatzgewürzen. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Rädler.) – Herr Kolle-
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