Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll59. Sitzung / Seite 212

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getüms enorm und liegt gefühlt bei deutlich über 90 Prozent. Und was da vor allem noch dazukommt, ist jenes: Der Grund, warum es zu diesem Binnen-I gekommen ist, ist ja ideologisch geprägt, es soll uns quasi vermitteln, dass dadurch das Rollenbild der Frau beziehungsweise auch die Wahrnehmung der Frauen wesentlich mehr in den Mittelpunkt gerückt wird. Damit kann aber keiner von den Bürgern etwas anfangen, weil die Reaktionen, die ich wahrnehmen konnte, waren jene, dass sich eben eine Frau nicht über eine Schreibweise definiert, sondern über ganz andere Umstände und dass so ein Großbuchstabe mitten in einem Wort, der sozusagen eine Verhunzung der Spra­che darstellt, nicht unbedingt frauenwürdig ist und eher das Gegenteil bewirkt. (Beifall bei der FPÖ.)

Besonders wenn man mit Eltern von Schülern spricht, wird thematisiert, wie es heute in den Schulbüchern ausschaut. Und ich möchte da jetzt ein Beispiel bringen, das Sie viel­leicht kennen, aber es ist egal, es soll verbildlichen, was ich meine. In einem Volks­schulbuch ist als Arbeitsauftrag Folgendes zu lesen:

Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen. Der/die Vorleser/in muss angeben, ob die Zu­sammenfassung richtig war. (Abg. Walter Rosenkranz: Der arme Stenographische Dienst! Da bricht man sich ja die Finger!) – Ja, Sie (zum Stenographen) können das dann von mir abschreiben, Sie müssen das nicht mitschreiben. (Heiterkeit.)

Wenn man sich dann vergegenwärtigt, dass man in unseren Breiten immer wieder von sinnerfassendem Lesen hört und spricht und so einen Text einem Volksschüler vorlegt, der daraufhin eine Aufgabe zu bewältigen hat, na ja, dann würde ich einmal sagen: Es soll jeder selber einmal an sich ausprobieren, ob er weiß, wenn er das hört, was ge­meint ist. Ich glaube, die wenigsten werden da mithalten können.

Also ich hätte jetzt ganz gerne von jenen, die unseren Antrag ablehnen, Argumente da­für, was dies mit leichter Lesbarkeit und Verständlichkeit zu tun hat. (Beifall bei der FPÖ.)

Man muss sich auch vergegenwärtigen, dass wir in unseren Schulen nicht mehr nur rein deutschsprachige Kinder haben, sondern sehr viele mit Migrationshintergrund und nichtdeutscher Muttersprache, die diese unsere Sprache quasi als Fremdsprache ler­nen. Natürlich ein hehres Ziel, ist die deutsche Sprache ohnehin schon schwer genug im internationalen Vergleich zu erlernen, und da machen es solche Konstrukte nicht unbedingt leichter. Ich glaube, wir sollten da einmal Vernunft walten lassen und solche Dinge zumindest in Schulbüchern oder dort, wo es wirklich zu mangelndem Verständ­nis führt, weglassen.

Ich will jetzt angesichts der knappen Redezeit gar nicht mehr darauf eingehen, welche Ungerechtigkeiten dieses Binnen-I hervorruft. Ich denke nur an die höheren Bildungs­einrichtungen, wo man eben schlechter bewertet wird, wenn man in seiner Arbeit nicht gendert, et cetera.

Uns geht es jetzt einmal darum, Texte in der Verwaltung und in den Gesetzen, die un­lesbar geworden sind, oder eben in den Schulbüchern von diesen Ungetümen zu be­freien. Ich kann es nur so sagen, es tut mir leid, es soll jetzt keine Minderstellung von Ihnen, den Frauen sein, die Frauen sollen sich da bitte nicht angegriffen fühlen, aber da geht es wirklich um etwas, was mit Hausverstand zu betrachten ist. Ich befürchte, Sie werden es ablehnen, wir wissen es ohnehin. Aber versuchen wir doch vielleicht einmal zu einer Diskussion zu kommen, wo man das mit Hausverstand betrachtet, und schauen wir, dass wir im Sinne unserer wunderschönen deutschen Sprache solche un­lesbaren Texte für die Bürger wieder verständlich machen! – Danke. (Beifall bei der FPÖ.)

20.11

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