Für mich als selbst noch praktizierenden Wirt hat dieses Thema viel Inhalt. Es wurde zuvor gesagt, dass es eigentlich schade ist, dass wir drei Stunden damit verbringen. Gemeint war damit vielleicht nicht der Inhalt, denn es hat sehr wohl Sinn und auch Berechtigung, das Thema Wirtshauskultur und Wirte, so wie in der Überschrift des Antrages formuliert, hier im Parlament zu behandeln. (Beifall beim Team Stronach sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)
Es wäre aber viel zu einfach, zu sagen, dass die kommende Registrierkassenpflicht das Problem im Gastgewerbe ist. Ich kenne kaum einen echten Wirten, der nicht schon jetzt eine Registrierkasse hat. Etwas anderes sind die kleinen Beiseln, das Kleingewerbe in diesem Bereich. Aber die Wirte sind heute schon zu 90 Prozent mit Registrierkassen ausgerüstet. Das ist nicht das Problem, sondern es ist die Summe der Vorschriften, die damit daherkommen.
Der Herr Bundeskanzler – es steht mir nicht zu, jetzt zu korrigieren – hat sicherlich recht mit der Aussage, dass im Gastgewerbe die Zahl der Gewerbeberechtigungen nicht zurückgegangen ist. (Zwischenruf bei der FPÖ.) Das ist richtig, diese ist eher angestiegen. Aber die Zahl der typischen Wirte auf dem Land ist rückläufig. Und warum ist diese Zahl rückläufig? – Da dürfen wir auch nicht nur der Gesetzgebung die Schuld geben.
Ich komme aus dem Lesachtal: 30 Kilometer lang, 1 500 Einwohner, vier Hauptortschaften. Maria Luggau, der Ort, in dem ich wohne und mein Sohn jetzt das Gasthaus betreibt, hat 300 Einwohner. Ihr könnt mir glauben: Ich habe als Wirt mit einem Vater-Mutter-Sohn-Betrieb angefangen, habe eine tüchtige Frau, tüchtige Kinder, die führen jetzt zwei größere Betriebe mit fast 60 Mitarbeitern. Auch das ist möglich! Und wie ist das möglich? – Es ist möglich, wenn man zusammensteht und zusammenarbeitet, was ich mir in der Politik manchmal auch mehr wünschen würde. (Beifall bei der ÖVP.)
Wie kann ein Wirt, ein richtiger Wirt, draußen auf dem Land eigentlich überleben? – Nur wenn die Familie zusammenhält. Wir kennen das Geschäft: In der Früh um 7 Uhr oder um 8 Uhr wird aufgesperrt, in der Nacht um 24 Uhr oder um 2 Uhr wird zugesperrt, der Umsatz ist zum Teil 200 €, 300 €, das andere Mal, bei Festlichkeiten, mehr. Was will ich damit sagen? – Wenn in einem typischen Wirtshaus nicht die Familie selbst die schwache Geschäftszeit – wir sagen: die tote Zeit – abdeckt und nicht die Möglichkeit hat, die Spitzengeschäfte abzudecken, ist es nicht existenzfähig.
Jetzt müssen wir schauen: Was können wir für diese Wirte von der Gesetzgebung her tun, dass sie legal in der Lage sind, das Wirtshaus auf dem Land draußen zu betreiben? Die vielen Vereinshäuser – die Vereine sind wichtig, wir sind ein Vereinstal – haben auch alle ihre Berechtigung, und die meisten Vereine haben auch das Gefühl, dass die Zusammenarbeit zwischen Vereinshaus und Wirt funktioniert. Aber es gibt viele Dörfer, wo sich das Dorfleben nur mehr in den Vereinshäusern abspielt und der Wirt zusperren muss. Daran ist nicht der Gesetzgeber schuld.
Jetzt kommen wir zu einem Thema, das wir schon lange auf dem Tisch haben: die freiwillige Mithilfe durch Mitglieder des Familienverbandes zu Hause im Gasthof. (Abg. Walter Rosenkranz: Richtig!) Da habe ich folgende Bitte: Setzen wir jetzt endlich einmal um (Beifall der Abg. Dietrich), dass ich als Vater – ich bin als Nationalrat inzwischen als Beamter gemeldet –, wenn ich am Wochenende einmal zufällig zu Hause bin und zu uns drei Busse kommen und ich mich hinter die Theke stelle, wie ich es 30 Jahre lang gemacht habe, und das Bier zapfe oder ein paar Teller abräume, nicht angezeigt werde, wenn eine Kontrolle kommt, und mein Sohn nicht bestraft wird, weil ihm der Vater ein paar Stunden ausgeholfen hat. (Zwischenrufe der Abgeordneten Walter Rosenkranz und Peter Wurm.)
HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite