Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll117. Sitzung / Seite 32

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

lich nur ein Schein. Das ist kein Faktum, das ist ein Artefaktum, und es ist eigentlich nicht einmal ein Artefaktum, es ist ein Antifaktum. Es ist die perpetuierte Verdrehung von Korrelation und Kausalität, wobei diese in dem Fall nicht einmal vorliegt. (Beifall bei NEOS und Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ. Abg. Kickl: … was in den Kaffee getan!)

Da ist es einmal mehr notwendig, das Phänomen der Scheinkorrelation aufzuzeigen. Sie stehen ja so auf Studien, deswegen habe ich Ihnen ein bisschen etwas mitgebracht und erkläre Ihnen, wie das funktioniert, wenn zwei Variablen ohne zugrunde liegende Kausalität eine Korrelation bilden. (Der Redner hält ein Blatt Papier in die Höhe, auf das mit Filzstift ein Koordinatensystem gezeichnet ist, in dem ein Pfeil von links unten nach rechts oben zeigt.) Das Beispiel hier zeigt die Entwicklung der Erderwärmung im Lauf der Jahrhunderte: Es wird immer wärmer, der Pfeil geht nach oben.

Gleichzeitig (der Redner hält ein Blatt Papier in die Höhe, auf das mit Filzstift ein Koordinatensystem gezeichnet ist, in dem ein Pfeil von links oben nach rechts unten zeigt) nimmt die Zahl der Piraten auf den Weltmeeren ab. (Heiterkeit bei NEOS und Grünen.)

Das Team Stronach würde sofort den Schluss ziehen, dass die Abnahme der Anzahl der Piraten für die Erderwärmung verantwortlich ist. (Beifall bei NEOS, SPÖ und Grünen sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)

Genau so passiert es natürlich mit Flüchtlingspolitik und Sicherheitsnotstand: Die Zahl der Asylwerbenden nimmt zu (der Redner zeigt nochmals das Koordinatensystem mit dem Pfeil, der nach oben zeigt), die Sicherheit nimmt angeblich ab (der Redner zeigt nochmals das Koordinatensystem mit dem Pfeil, der nach unten zeigt), bis zum Not-stand, nur dass hier nicht einmal mehr eine Scheinkausalität vorliegt, denn die Sicher­heit bleibt eigentlich gleich (der Redner hält ein Blatt Papier in die Höhe, auf das mit Filzstift ein Koordinatensystem gezeichnet ist, in dem ein Pfeil parallel zur x-Achse von links nach rechts zeigt), wie uns auch die Frau Ministerin vorhin schon erzählt hat. (Abg. Lugar: Bei Ihnen daheim vielleicht! Bei Ihnen daheim bleibt sie gleich!) Ja, bei mir zu Hause bleibt sie auf jeden Fall gleich. (Abg. Lugar: Ja! – Abg. Deimek: Im Wohnzimmer!)

Dieser faktenfreie Zugang zu einer Stimmungspolitik bringt keine Lösungen, sondern weitere Probleme, und das ist nicht der erste Versuch des Teams Stronach, die Kriminalitätsentwicklung mit der Flüchtlingssituation zu verknüpfen. Das ist ein gefährlicher Versuch in einer emotionalen Debatte, der natürlich die wirklich sicher­heitsrelevanten Forderungen ausblendet und weiter Ängste verstärkt. (Zwischenruf des Abg. Steinbichler.)

Besonders gefährlich wird es dann, wenn auf Basis von Einzelfällen pauschale Aus­sagen getroffen werden, und dazu nenne ich Ihnen ein paar Fakten:

Erstens: Straftaten werden von Individuen begangen und nicht von Volksgruppen, und wenn wir schon in der Logik der Partei Frank Stronachs bleiben: Die Top-5-Herkunfts­länder von nichtösterreichischen Tatverdächtigen sind Rumänien, Serbien, Deutsch­land, die Türkei und Bosnien-Herzegowina – keines davon ist ein klassisches Her­kunftsland von Flüchtlingen.

Zweitens ein Blick auf die Gesamtstatistik: Der Vorbericht der Polizei zur Kriminal­statistik zeigt uns – Frau Ministerin Mikl-Leitner hat es vorhin auch schon gesagt –, dass es, was die Anzeigenstatistik betrifft, zu einem Sinken der Zahlen gekommen ist, dass es also weniger Anzeigen gibt als 2014.

Drittens: Die Flüchtenden lösen auch keine Welle der Kriminalität aus. Es ist zwar so, dass tatsächlich die Zahl der Strafanzeigen gestiegen ist, und das ist natürlich ein


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite