Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll128. Sitzung / Seite 189

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Potenzial, sind unter anderen auch Sonneneinstrahlung und Holzstaub. Das heißt, ich kann so lange in der Sonne sein, bis es mir schadet, aber es schädigt mich nicht zwin­gend, wenn ich in die Sonne komme. Es wäre keine neue Erkenntnis, zu sagen: Es kommt immer auf die Dosis an, ob etwas giftig ist oder nicht.

Wenn man zum Beispiel eine Ratte umbringen will, dann braucht man eine geringere Menge Salz als Glyphosat. Kollege Riemer hat gesagt: Das Glyphosat kommt auch ins Wasser, und dann trinken wir es auch. Sie haben ja sicher auch verfolgt, dass die Deut­schen diese Debatte um das Bier geführt haben. Sie müssen an einem Tag 1 000 Liter Bier trinken, damit das gesundheitsschädlich wird. (Abg. Pirklhuber: Dann trinken Sie es einmal! Ob das nicht giftiger ist als Salz, schauen wir uns an!)

Was man in den Studien der IARC auch lesen kann: Die Mengen, mit denen die Tier­versuche gemacht worden sind, entsprachen einer sehr hohen Glyphosatkonzentra­tion, und zwar einer so hohen, die in der Praxis nicht realistisch eingesetzt wird. (Abg. Pirklhuber: Das ist Lobbyismus der übelsten Art!) Und dadurch ist die Aussagekraft der Studien begrenzt.

Das Bundesamt für Risikobewertung untersucht nicht das Potenzial, sondern das Bun­desamt für Risikobewertung untersucht eben das Risiko. Und die sagen: „Die Analyse der zahlreichen neuen Dokumente ergibt keine Hinweise auf eine krebserzeugende, re­produktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei den Ver­suchstieren.“ Und dem schließt sich die EFSA, die Europäische Lebensmittelsicherheits­behörde, an.

Also: Glyphosat kann bei einem Experiment Schäden hervorrufen, allerdings ruft es sol­che Schäden erst bei einer so hohen Konzentration hervor, wie sie in der Landwirt­schaft – bei vernünftigem Einsatz – normalerweise nicht vorkommt. Wer also jetzt ein Totalverbot von Glyphosat fordert, der muss sich auch überlegen: Was ist denn die Alternative? Was ist das Substitutionsprodukt, das stattdessen eingesetzt wird?

Die konventionelle Landwirtschaft wird weiterhin mit synthetischen Pflanzenschutzmit­teln arbeiten, ob uns das jetzt freut oder nicht. Von den Produkten, die da im Einsatz sind, gibt es einige, die viel bedenklicher als Glyphosat sind. (Zwischenruf des Abg. Pirklhuber.) Sinnvoll allerdings ist die Einschränkung im privaten Bereich, da es kei­nen Sinn ergibt, dass ich im landwirtschaftlichen Bereich Beschränkungen auferlege und der Private in den Baumarkt geht, sich Roundup kauft und es in einer beliebigen Menge dorthin, wo er gerade will, schüttet. Da könnte Österreich dem holländischen Beispiel folgen und für den Privatbereich enge Beschränkungen vorsehen, aber für den landwirtschaftlichen Bereich eine andere Regelung vorsehen. (Ruf bei den Grünen: … wenn du es trinken kannst, dann ist es ungefährlich!)

Was auch ein schlechtes Bild auf die Geschichte wirft, ist, wenn die Firma Monsanto in die Debatte hineingezogen wird, es gibt nämlich Hundert Hersteller dieses Produktes. (Abg. Pirklhuber: Aber Monsanto hat schon Institutionen bezahlt, damit sie Studien fälschen!) Das heißt auch, dass mit der Gleichsetzung von Glyphosat und Monsanto keine Sachdebatte, sondern eine Kampagne gefahren wird – und das schädigt die sach­liche Auseinandersetzung.

Herr Bundesminister, Sie haben diese unsachliche Auseinandersetzung nicht verur­sacht, aber Sie könnten einen Beitrag zur Versachlichung liefern, indem Sie in die Aus­schüsse für Gesundheit und für Landwirtschaft Experten für ein Hearing einladen. Ich glaube, dass das der unsachlichen Kritik viel Wind aus den Segeln nehmen und uns in­haltlich weiterbringen würde. – Danke schön. (Beifall bei den NEOS sowie bei Abge­ordneten der ÖVP.)

15.41

 


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