Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll128. Sitzung / Seite 292

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quotenregelung vergangen, und die Landwirtschaft befindet sich leider in einer exis­tenzbedrohenden Krise. Die Preise für einen Liter Milch befinden sich in einem Preis­segment, das es vielen Betrieben nicht mehr ermöglicht, kostendeckend zu arbeiten, und schon gar nicht, gewinnorientiert zu arbeiten.

Mich stimmt es sehr nachdenklich, wenn ich durch das Land fahre und sehr, sehr viele Höfe beobachten muss, wo gerade investiert wurde, wo Bäuerinnen und Bauern ihr Geld in Ausbauten von Ställen investiert haben in der Hoffnung auf eine bessere Zu­kunft. Derzeit liegt der Milchpreis, wie schon gehört, bei 25 Cent, leider mit der Ten­denz, weiter zu fallen. Da muss ich schon klar festhalten: Verantwortungsvolle Politik muss einfach anders aussehen, so darf es nicht weitergehen.

Aus dieser Verantwortung heraus werde ich – im Gegensatz zum Kollegen Jannach – es jetzt unterlassen, hier einen politischen Schlagabtausch zu starten, ganz einfach des­wegen, weil es in der jetzigen Situation nichts nützt und weil wir uns den Tatsachen so rasch wie möglich und sofort stellen müssen. Die Bäuerinnen und Bauern haben eine Lösung verdient und keinen Streit. Und daher lade ich jetzt alle in diesem Saal ein: Lasst uns hier zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden. (Abg. Pirklhuber – auf sein „Milch-Manifest“-Plakat deutend –: Gibt Vorschläge!)

Also werde ich heute und hier und jetzt das Verbindende über das Trennende stellen und möchte einige lösungsorientierte Punkte vorschlagen, die mir persönlich wichtig sind. Die Bäuerinnen und Bauern brauchen rasche Hilfe. Die Hilfe muss zielorientiert sein und eine langfristige Perspektive bieten. Auch kleinere Betriebe müssen die Chan­ce zum Überleben haben, und nicht nur zum Überleben, sondern sie sollen gut leben. Wir haben jetzt das fünfte Jahr in Folge, wo es einen Rückgang der Einkünfte gibt. Da­mit muss ganz einfach Schluss sein.

Bio funktioniert, und das sage ich nicht, weil ich selber beruflich in diesem Segment tätig bin, das sage ich auch als Salzburger Abgeordnete, wo wir die größte Dichte an Biobauern und Biobäuerinnen vorfinden (Abg. Pirklhuber: Über 40 Prozent!) – stimmt, über 40 Prozent, Kollege Pirklhuber –, das sage ich wirklich aus tiefster Überzeugung und weil ich hier auch diese tollen Erfolge sehe. (Zwischenruf des Abg. Steinbichler.) Der Preis von Biomilch hält sich bei knapp 50 Cent, was den Forderungen der IG-Milch nahekommt.

Das, was es weiterhin braucht, ist eine zielgerechte Unterstützung. Damit tun wir nicht nur den Menschen einen Gefallen, sondern vor allem auch der Natur. Wir brauchen al­so eine klare Strategie zur Diversifizierung besonders auch im Vertrieb. Und der Fokus kann nicht auf Massenproduktion liegen, der Fokus muss in Richtung Bio- und Heu­milch gehen, denn dort funktioniert es bereits. (Beifall bei der SPÖ.)

Vor allem aber fordere ich eine landwirtschaftliche Ausbildung in den Schulen, die an diesen Rahmenbedingungen zeitgerecht orientiert ist, wo auch eine biologisch-dynami­sche Wirtschaftsweise klar im Lehrplan verankert ist, also weg von den Mengen- und hin zu Qualitätsoptimierungen. Ich würde es begrüßen, wenn alle NGOs eingeladen werden, um hier weiterzukommen, wiewohl ich es auch begrüße – wie im letzten Land­wirtschaftsausschuss vereinbart –, einen Milchdialog zu führen, das ist ganz, ganz wich­tig.

Wie gesagt, es geht um eine klare und langfristige Perspektive für unsere Landwirtin­nen und Landwirte, und das alsbald und möglichst rasch. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)

21.39


Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Schellhorn. – Bitte.

 


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