schaut hat, gesagt: Das ist mein neuer Held! – Heute in der Früh hat sie gesagt, sie wollte mich nur ärgern. Das war wichtig für mich. (Heiterkeit.)
Aber natürlich ist so etwas wie viel Hoffnung im Raum. Und, Herr Bundeskanzler, das beschreibt auch ein bisschen den Zustand: Die Sehnsucht nach Neuem ist unendlich groß, die Sehnsucht nach Veränderung ist groß – und die bedienen Sie im Moment. Sie wissen auch, dass am Ende des Tages nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt. Daran werden Sie gemessen werden. Das heißt, Sie müssen liefern. Das ist wichtig: Sie müssen liefern.
Und ich habe jetzt zweimal gehört, von Ihnen und vom Herrn Vizekanzler: Ich will. – Ich habe von Ihnen beiden nicht gehört, was Sie wollen. Sie werden aber noch genügend Gelegenheit haben, das nachzureichen, was Sie wollen. Also ich will da nicht ungeduldig sein. Wir müssen aber, wenn wir jetzt nüchtern auf diesen Hype draufschauen, auch die eine oder andere Skepsis anmelden. Den Hype gab es auch bei Herrn Grasser, den gab es bei Josef Pröll, den gab es auch beim Beginn von Herrn Mitterlehner, von Herrn Schelling. Das heißt, wir kennen die Hypes – auch die NEOS haben einen Hype hinter sich –, und die Frage ist: Kann man dann auch liefern? Kann man halten?
Wir wissen, wie schwierig der Weg ist. Wir sind mit knapp 5 Prozent in dieses Haus gekommen, haben uns jetzt in den zweieinhalb Jahren auf gut 7 Prozent hochgearbeitet. Also den Hype zu halten, wird nicht möglich sein, sondern Sie müssen liefern – und ich denke auch, dass jene, die einen Messias suchen, besser in einem Gotteshaus aufgehoben sind als in einer Bundesregierung.
Wenn ich das Phänomen Kern bisher vermesse, Herr Bundeskanzler, dann funktionieren Sie bisher eigentlich über die Analyse. Das ist gut so, aber das kann natürlich nur der erste Teil sein. Sie werden in drei Monaten nicht mehr über die Analyse alleine funktionieren, sondern Sie müssen Lösungen bringen. Allerdings – und das ist wichtig –: Wenn man Veränderung in die Welt bringen will, dann muss man einen klaren Blick für den Status quo haben – denn wenn man den Status quo negiert, dann kann man keine Veränderung bringen. Insofern schätze ich Ihre analytische Fähigkeit.
Dann werden Sie natürlich auch feststellen, dass wir auch an einem Wendepunkt der österreichischen Geschichte sind. Ich verhehle nicht, dass ich eben glaube – und das ist keine Geringschätzung der Personen, ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute, allen neuen Ministern und auch den Regierungsmitgliedern insgesamt –, dass diese Konstellation, diese Bundesregierung, diese große Koalition falsch für Österreich ist. Ich denke, dass sie eben nicht diese Veränderung bringen kann, und deswegen bin ich auch sehr skeptisch bei diesem Neuanfang.
Wir hatten 2008 schon Plakate, auf denen es geheißen hat: „Genug gestritten“. Das war von Herrn Faymann. Wir haben viele Versuche von Neustarts gehabt. Ich habe einige herausgeschrieben:
2013: „Vertrauensvolle Arbeit und nicht Konfrontation“. – Das war der Wunsch von Herrn Spindelegger.
2014: „Ich bin ein Befürworter des Miteinander. Ich glaube, es muss in der neuen Regierung mehr Gemeinsamkeit geben.“ – Das war Mitterlehner.
Faymann, 2014: „Jawohl, wir ändern den Stil in Richtung einer wahrnehmbar teamorientierten Mannschaft.“
Also solche Bekundungen gab es viele, und deswegen erlauben Sie mir auch, dass ich einfach ehrlich bin und sage, ich bin da skeptisch. Ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute und ich glaube auch, dass Sie hier mit viel Hoffnung hereinkommen – und das Prinzip Hoffnung alleine zählt auch schon viel. Aber ich halte die Konstellation dieser
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