Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll130. Sitzung / Seite 83

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Die Gegend Österreichs, die ich am besten kenne, die Obersteiermark, ist ein gutes Beispiel dafür. Die Obersteiermark ist derzeit das metallurgische Kompetenzzentrum Europas. Das ist nicht zufällig passiert, das ist passiert, weil politische Voraussetzun­gen geschaffen wurden, weil Menschen sich angestrengt haben, weil nachgedacht wurde, weil erfolgreiche Unternehmer tätig waren, und das hat dazu geführt, dass diese Gegend derzeit beispielsweise eine der höchsten Exportquoten Österreichs hat, dass dort Weltmarktführer gerade im metallurgischen Bereich sind. Der Grund dafür war es, nicht auf Masse, sondern auf Innovation zu setzen, auf Nachdenken, auf Hirn­schmalz, wie wir Steirer und Steirerinnen manchmal sagen. Das war unglaublich wichtig, da muss man weitermachen, und es ist wichtig, denke ich, dafür Anreize zu schaffen und Investitionen zu tätigen.

Aber es gibt noch eine zweite Seite dieser Entwicklung, und diese zweite Seite konnte ich vor Kurzem bei der Voest in Leoben im neuen Drahtwerk sehr gut sehen: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sozusagen an der vordersten Front sind hervorragend ausgebildete Facharbeiter und Facharbeiterinnen. Dahinter sitzen Ingenieure und Ingenieurinnen, und in der dritten Reihe sind Diplomingenieure und Diplomingenieurin­nen – die sind notwendig, um Industrie 4.0 auch wirklich machen zu können.

Aber was ist mit den Menschen, die diese Ausbildung nicht haben? Was ist mit den Menschen, die nicht in der Lage sind, mit diesen Technologien umzugehen? Das ist etwas, was man immer mit bedenken muss. Wir müssen die Menschen für diese Herausforderung teilweise fit machen, aber andererseits auch dafür sorgen, dass die, die das nicht können, auch alle Lebenschancen haben. Das ist schwierig, aber das ist genauso eine große Herausforderung, die zu bewältigen ist, geschätzte Damen und Herren! (Beifall bei SPÖ, ÖVP und Grünen.)

Wir dürfen in dieser Situation nicht nur an den Arbeitsmarkt denken. Schauen Sie sich das an (ein Smartphone in die Höhe haltend) – das ist heute schon angesprochen wor­den. Ich in meinem Alter kann so halbwegs damit umgehen. Mein Opa kann das nicht, der wird jetzt 90 Jahre alt und hat ein klassisches Pensionistentelefon, wie man das so sagt. (Heiterkeit.)

Mein Sohn sieht das nicht mehr als Telefon. Das Telefonieren ist schon egal, man macht alles Mögliche andere damit. Das ist eine Situation, die man auch immer im Kopf haben muss: Es wird immer eine Generation von Menschen geben, die mit den neuesten Entwicklungen, gerade in diesem Bereich, nicht mithalten kann. Wir müssen daher überlegen, wie wir damit umgehen, sodass die die gleichen Lebenschancen haben. Was ist, wenn es nur noch Online-Banking gibt? Was ist dann? (Abg. Moser: Das ist ja beim Finanzamt schon ein Problem!) Das ist eine Situation, um die man sich auch als Staat, als Republik kümmern muss. Man muss dafür sorgen, dass diese Menschen nicht alleingelassen werden. (Beifall der Abg. Aubauer.)

Geschätzte Damen und Herren! Ich möchte meine Redezeit nicht überstrapazieren, deshalb komme ich zum Ende. Sie wissen, die meisten wissen, dass ich sehr lange Abgeordneter war, und gerade im Bereich Verkehr und Technologie habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht so sehr falsche und richtige Vorschläge gibt, sondern einfach andere Vorschläge.

Ich möchte Ihnen das Angebot machen, über diese Dinge sehr intensiv zu diskutieren, andere Vorschläge anzuhören, zuzuhören, teilweise auch umzusetzen, denn ich denke, das ist die beste Art und Weise, Parlamentarismus zu leben. Ich bedanke mich schon jetzt für Ihre gute Zusammenarbeit. – Danke schön. (Beifall bei SPÖ, ÖVP, Grünen, NEOS und Team Stronach.)

12.57

 


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