Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll130. Sitzung / Seite 170

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ich zwar neun Jahre in diesem Gremium, aber eigentlich weiß ich über diesen Men­schen relativ wenig. Ich glaube, ich war nicht die Einzige von den 8,5 Millionen Men­schen in Österreich, die so gedacht hat. Wir wussten wenig über die Vita des Herrn Kern, wir wussten wenig über seine privaten Seiten oder gar darüber, wie er tickt.

Heute bei dieser Rede, die er in der Früh gehalten hat, habe ich mir, muss ich ehrlich gestanden sagen, gedacht: Wow, da ist ein Denker, ein Mensch, der ergebnisoffen diskutiert, unterwegs! Ich habe seine Rede anschließend auf Facebook gepostet, und ich möchte ein Zitat eines Users vorlesen, denn es ist ein Kompliment und bedeutet Vorschusslorbeeren für den neuen Bundeskanzler. Der User schreibt:

Charakter kann man nicht beim Diskonter kaufen, auch gibt es keine Charakterschulen oder Coachings. Die wenigsten wissen damit etwas anzufangen oder können das beschreiben, und dennoch gibt es ihn. – Zitatende.

Der Herr Bundeskanzler hat uns auch erzählt, dass er Journalist war, und im selben Atemzug hat er erwähnt, dass er nicht hinter jedem Mikrofon herlaufen will. Ich denke, wenn man die Machtstruktur kennt und wenn man weiß, dass Medien Menschen und Politiker machen und zerstören können, dann, muss ich sagen, ist das eine sehr gewagte Aussage. Ich hoffe aber nur eines, nämlich dass er kein Schweigekanzler 2.0 wird, denn es wäre schade um seine Ideen und seine Gedanken. (Beifall der Abg. Königsberger-Ludwig.)

Bei den Problemfeldern, die er aufgezeigt hat und die sich für ihn in unserer Republik ergeben, war zuallererst das Schlagwort: Problem der Geburt im Gegensatz zu Privileg der Geburt. Was mir umgehend dazu eingefallen ist, ist die Milieutheorie. Ich denke, dass da noch sehr viel getan werden muss, um Gerechtigkeit, Gleichheit und eine Wertschätzung aller Menschen zu erreichen. Das ist ein Programm, das sicher vieler Initiativen bedarf.

Jobs schaffen, von denen man leben kann: In diesem Zusammenhang ist mir sofort die NINJA-Generation eingefallen, die vermutlich kein Einkommen, keine Wohnung und keinen Job haben wird. Auch das ist eine Lebensaufgabe, würde ich meinen.

Das Wort stimmungshebend beziehungsweise die Gedanken in der Republik umzu­drehen, um damit das Wachstum zu fördern, das ist ein Gedanke, der aus „Psycho­logie der Massen“ kommt, und ich habe mich gefreut, wie ich das gehört habe.

Besonders erfreut war ich allerdings – und vor meinem geistigen Auge ist Hans-Werner Sinn erschienen –, als der Bundeskanzler sagte: so viel Staat wie nötig und so viel Markt wie möglich. – Natürlich hat er in diesem Zusammenhang auch erwähnt, dass aufgrund der Technologisierung und Industrialisierung in Zukunft weniger Arbeitskräfte benötigt werden und die Arbeit, die vorhanden ist, eben gerecht verteilt werden soll.

Gesagt hat er einen Satz, den ich gerne hinterfragt hätte, aber ich glaube, wir werden sicher noch dahinterkommen. Er meinte in diesem Zusammenhang, es müsse das Wirtschaftssystem umgestellt werden. Was er tatsächlich damit meint, das, glaube ich, ist eine Sache, die uns sehr interessieren sollte.

Es ist ein großes Arbeitsprogramm, das es da gibt und das er sich vorgenommen hat. Ich möchte ein Wort dazu sagen, das ihn daran erinnern soll, wie groß das Arbeitsprogramm ist. Man sagt doch: Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen! – Ich glaube, dass Herr Bundeskanzler Kern ein Mensch ist, der erkannt hat, dass man ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen kann, die zur Entstehung dieses Problems geführt haben; das ist ein großer und wichtiger Satz. (Abg. Pirklhuber: Das ist ein Zitat von Einstein, das Sie abgewandelt haben!)

 


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