Kollegen haben kein klares Konzept oder keine klaren Richtlinien, wie die jungen Kollegen auszubilden sind.
Was aber im Rechnungshofbericht nicht zur Sprache kommt, ist das Gesetz betreffend Ärztearbeitszeit. Das halte ich aus Sicht eines langjährigen Spitaldirektors und Primararztes für hoch problematisch. Mit einer sukzessiven Beschränkung der Ärztearbeitszeit wird die Ärzteausbildung sukzessive schlechter werden, denn für den Arzt, für jeden Facharzt, ist es extrem wichtig, möglichst lange möglichst viele Patienten zu sehen. (Zwischenruf des Abg. Loacker.) Wenn die Arbeitszeiten der Ärzte reduziert werden, dann wird die Ausbildungsqualität automatisch schlechter werden. In Wien kommt das Verbot der Überstunden jetzt auch noch dazu; da wird die Anwesenheitszeit immer mehr reduziert, und dann muss man noch Ausgleichszeiten nehmen, und das noch dazu in jungen Jahren, wenn man ohnehin in der Lage wäre, gut Nachtdienst machen zu können.
Nur eine Vergleichszahl: In den USA liegt die Ärztearbeitszeit bei maximal 80 Stunden pro Woche. Bei uns soll sie jetzt sukzessive auf 48 Stunden pro Woche gesenkt werden. Um zu erkennen, dass sich das mit der Ausbildungsqualität nicht ausgehen wird, braucht man kein studierter Mediziner zu sein, sondern das wird man leider Gottes am eigenen Leib verspüren.
Ich bin sicher, dass wir dieses Gesetz in absehbarer Zeit anpassen müssen – nämlich auch von der EU her, denn diese aus meiner Sicht unsinnige Verordnung kommt ja aus Brüssel. Wir werden in Österreich mit Sicherheit neue Lösungen finden müssen, Betriebsvereinbarungen et cetera. Das wird sich nicht ausgehen, zumal auch der Ärztemangel schlagend wird.
Noch ein paar Worte zur Gendergesundheit: Ich gebe Kollegin Lintl völlig recht, Gender-Mainstreaming ist ein Unsinn. Das kann man mit dem Wort Unsinn zusammenfassen. (Abg. Lichtenecker: Keine Ahnung, was …!) Was kein Unsinn ist, ist die Gendergesundheit, wenn ich sie als geschlechtsspezifische Medizin für Männer und Frauen sehe. Es gibt ja schon lange Frauengesundheitsspezialisten, das sind die Gynäkologen. Es gibt Männergesundheitsspezialisten, das sind die Urologen. Es gibt die Internisten, die fächerübergreifend betreuend eingreifen.
Ich darf Ihnen jetzt erklären, warum wir so eine männerspezifische Medizin haben: Das liegt an den Studien der frühen Jahrzehnte. Als in den sechziger und siebziger Jahren die medizinischen Studien wissenschaftlich ausgerollt wurden, hat man rein auf Männer abgestellt, auf freiwillige junge Probanden. Das waren meistens Soldaten oder Sträflinge, die sich freiwillig für Studien zur Verfügung stellten. Da waren keine Frauen dabei. Warum? – Man hatte seitens der Institute und der Pharmaindustrie Angst, dass man Frühschwangerschaften übersieht und es bei Medikamentenversuchen zu Schäden im Embryonalbereich kommt. Das ist der einfache Hintergrund. Das hat nichts mit Chauvinismus der Medizin zu tun, sondern es sind einfach enorme medizinische Datenberge mit Daten von Männern da.
Jetzt müssen wir das alles langsam, aber sicher sozusagen „umforschen“, um neue Daten zu gewinnen. Das wird man aber nicht per Genderverordnung machen können, sondern das braucht einfach seine fünf bis zehn Jahre. Dass Frauen in ihrer gesamthormonellen Situation komplexer sind, ist bitte auch keine böse chauvinistische Feststellung, sondern das ist einfach so, und die Forschung wird deswegen aufwendiger werden. Natürlich müssen wir uns darauf konzentrieren.
Wenn Frauen angeblich schlechter behandelt werden, dann liegt das an der medizinischen Datenlage und nicht daran, dass Ärzte oder Ärztinnen Frauen einfach anders sehen, sie anders oder schlechter behandeln wollen. Das liegt an der Datenlage. Das ist einfach ein wissenschaftliches Faktum.
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