der Bundesregierung herrscht, auf dem besten Wege sind, dieses Asset, also diesen Vorteil, sozusagen dieses Juwel zu verspielen.
Wie komme ich darauf? – Zahlen lügen bekanntlich selten – es kommt darauf an, wer sie zusammenstellt –, aber, sagen wir es einmal so, Zahlen lügen nicht. Die Zahlen sind besorgniserregend. Wenn wir uns die Zahlen der Entwicklung seit 2008 anschauen, so ist festzustellen, dass die Zahl der Lehrlinge im Zeitraum von 2008 bis 2015 um über 20 Prozent zurückgegangen ist, also von 137 000 auf 110 000 Lehrlinge. Noch besorgniserregender ist die Tatsache, dass die Zahl der Lehrbetriebe, also jener Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, um über 26 Prozent zurückgegangen ist. Wir haben nur mehr 29 000 Lehrbetriebe in Österreich, Tendenz weiter fallend. Das ist wahrlich besorgniserregend; dieser Trend, diese Entwicklung muss jetzt schnell gestoppt und umgekehrt werden.
Dass dies möglich ist und diese Aufgabenstellungen lösbar sind, beweist die Tatsache, dass das Institut für Bildungsforschung und Wirtschaft zum Beispiel sagt, in den Jahren 2004 bis 2008 war eine genau gegenteilige Entwicklung feststellbar, dass eben die Zahl der Lehrbetriebe und die Zahl der Lehrlinge gestiegen sind. Das ibw führt dazu aus, diese Entwicklung sei „vermutlich auch mitbedingt durch verschiedenste politische Maßnahmen zur Förderung der Lehrlingsausbildung“ zustande gekommen. – Davon sehen wir momentan leider nichts.
Was sind die großen Aufgabenstellungen und Probleme? – Das ist erstens das schlechte Image der Lehre, und zweitens ist es die Überregulierung. Eine Überregulierung haben wir in vielen Bereichen, auch hier. Es ist zum Beispiel doch zu hinterfragen, warum ein Dachdeckerlehrling erst nach einem Jahr auf das Dach darf – im ersten Jahr darf er nicht auf das Dach. Das verstehen die wenigsten. (Ruf bei der SPÖ: Das versteht jeder!) – Das versteht jeder? – Gut, Sie verstehen es.
Dritter Punkt: Wir haben eine überbetriebliche Lehrlingsausbildung, die alles andere als eine Erfolgsgeschichte ist. Da muss man einmal ehrlich in den Spiegel schauen und feststellen: Da werden Millionen ausgegeben, obwohl der Erfolg auf der Output-Seite sehr, sehr überschaubar ist.
Ich nenne nur eine Kennzahl: Die Zahl der Abbrecher der Lehrlingsausbildung in den überbetrieblichen Lehrlingsausbildungsstätten beträgt über 40 Prozent, wohingegen in der betrieblichen Lehrlingsausbildung der Anteil der Abbrecher bei 17 Prozent liegt. Das heißt, diese Zahl ist in überbetrieblichen Lehrlingsausbildungsstätten mehr als doppelt so hoch. Da kann man doch nicht von einer Erfolgsgeschichte sprechen!
Viertens: Wir haben seitens der Regierung nichts anzubieten, was in Richtung effizientes Anreizsystem für die Unternehmen geht.
Fünftens: Das größte Problem, über das auch die Industrie und alle Betriebe, die Lehrlinge ausbilden sollen, klagen, ist, dass wir mittlerweile, was die sogenannten Grundkompetenzen, also das Lesen, das Rechnen, das Schreiben, betrifft, desaströse Zustände haben. Da ist auch das Bildungsministerium gefordert. Auch da lügen die Zahlen nicht. Wir hören aus der Wirtschaft immer wieder, dass es wahnsinnig schwierig ist, diese Nachteile, die im Schulsystem aufgebaut wurden, zu kompensieren.
Das heißt im Umkehrschluss: Was wäre zu tun? – Erstens: Das Image der Lehre muss verbessert werden. Es muss allgemein vermittelt werden, dass die Lehre eine sehr, sehr attraktive Ausbildungsform ist, insbesondere im Vergleich zu einer Ausbildung an einer allgemeinbildenden höheren Schule, wobei man sehr in die Breite geht.
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