Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll134. Sitzung / Seite 127

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diesen Änderungen tatsächlich das von mir artikulierte Ziel, nämlich die Grundfertigkei­ten zu vermitteln, weil das der springende Punkt ist?

Geschätzte Damen und Herren! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Fernsehzuseher! Wie schaut denn die Situation aus? – Wir stecken allein über den Bund 8,2 Milliarden € jähr­lich in das Schulsystem. Das ist unglaublich viel Geld. Das kann sich niemand vorstel­len, wie viel das ist: 8,2 Milliarden €. Aber das zahlt nur der Bund! Dazu kommen Län­derbeiträge, dazu kommen Gemeindebeiträge. Die Gemeinden sind ja Schulerhalter, die separat noch Geld in die Hand zu nehmen haben. Und wir haben laut aktuellen Studien über eine Million funktionale Analphabeten. Das sind Personen, die nicht in der Lage sind, Informationen aufzunehmen. Die sind nicht in der Lage, am gesellschaftlichen Le­ben teilzunehmen, weil sie nicht sinnerfassend lesen können. Das muss man sich ein­mal vorstellen: über eine Million Personen!

Dieser Anteil ist weit höher als der Durchschnitt in den OECD-Ländern. Interessant ist, dass im Jahr 2013 bei der Erhebung dieser Studie 100 000 Personen mangels Lese- und Schreibfähigkeiten gar nicht teilnehmen konnten. Das ist beängstigend, wenn ich mir diese Zahl auf der Zunge zergehen lasse.

Deswegen meine eingangs gestellte Frage: Ist man in der Lage, mit diesen Änderun­gen tatsächlich an der Wurzel anzupacken und hier wirklich etwas weiterzubringen? Weil, noch einmal, der Punkt ist der: Man muss lesen können, sinnerfassend lesen können, damit man am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, damit man im Arbeitsprozess überhaupt integriert werden kann. Sonst funktioniert das Ganze nicht.

Und wenn ich hier in einem ganz aktuellen „Kurier“-Artikel „Die verlorene Generation“ lese: Jeder dritte Schüler wird nie einen Job finden, so ist das für mich absolut beängs­tigend. Eine Direktorin berichtet hier aktuell, wie es an ihrer Neuen Mittelschule aus­schaut. Ein Drittel der Schüler, sagt sie, wird wohl weiterführende höhere Schulen be­suchen können. Ein Drittel wird in der Lage sein, eine Lehre zu machen. Aber das letz­te Drittel wird mangels Kenntnissen, Sprachkenntnissen, Ausbildung und so weiter nicht einmal in der Lage sein, eine Lehre zu beginnen. Diese werden wohl das ganze Leben beim AMS als Langzeitarbeitslose gemeldet sein.

Das ist die Situation, und das ist beängstigend – und das müssen wir ändern!

So, jetzt in der Kürze der Zeit noch zu diesen Änderungen, zum Gesetz, soweit es mir die Zeit gestattet.

Neugestaltung der Schuleingangsphase: Da sind wir absolut dafür. Natürlich soll das rund verlaufen. Das letzte Kindergartenjahr und die ersten beiden Volksschuljahre, das soll eine runde Geschichte sein. Sind wir dafür, ist in Ordnung, ist okay.

Aber es wird bei der Schuleinschreibung auch der Entwicklungs- und Sprachstand der Kinder erhoben. Wer macht das? Gibt es hier Standards, nach denen man diese Sprach­standserhebung durchführt? Wie macht man das tatsächlich? Was ist, wenn sich bei der Erhebung des Sprachstands herausstellt, dass dieser nicht ausreichend ist? Was macht man dann mit diesen Kindern? Das ist die entscheidende Frage.

Wir von der Freiheitlichen Partei haben immer auch Sprachstartklassen eingefordert, da­für sind wir immer geprügelt worden. Jetzt werden eigene Klassen dafür vorgesehen, die jetzt halt als Sprachstartgruppen tituliert werden. Aber bitte, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, denken Sie einmal daran, wie Sie uns diffamiert haben, als wir eigene Klas­sen für Schülerinnen und Schüler gefordert haben, die nicht über ausreichende Deutsch-Kenntnisse verfügen!

Das ist doch etwas vollkommen Normales! Das ist doch für jeden Otto Normalverbrau­cher nachvollziehbar: Wenn jemand nicht Deutsch versteht, kann er dem Unterricht nicht folgen. Aufgrund dessen ist er im Unterricht natürlich auch für die Mitschüler ein richti-


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