Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll134. Sitzung / Seite 131

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wenden, dass sie irgendetwas auswendig lernen, was kein Mensch braucht. (Zwischen­ruf der Abg. Gusenbauer-Jäger.)

Was wir heute brauchen würden, wäre die Basis, nämlich Lesen, Schreiben und Rech­nen – das schaffen wir auch nicht in neun Jahren; zumindest ein Viertel schafft das nicht in neun Jahren –, und auf dieser Basis muss dann eine Problemlösungskompetenz auf­gesetzt werden, sodass man sich innerhalb kürzester Zeit flexibel in jedes Thema so ein­arbeiten kann, dass man sich einigermaßen gut auskennt. Das wären die Fähigkeiten, die man heutzutage bräuchte, und diese werden von Firmen und Betrieben auch nach­gefragt. Nur: Das lernen unsere Kinder nicht. Und genau das ist das Problem!

Aber kommen wir noch einmal zurück zum Bildungsbericht! Der Bildungsbericht sagt mehrere Dinge: Erstens sagt er, dass so, wie es im Moment läuft, eine Autonomie gar nicht möglich ist – also eine umfassende Autonomie ist unter diesen Rahmenbedingun­gen nicht möglich. Deshalb haben wir die Idee geboren – ich habe es Ihnen ohnehin schon im Ausschuss gesagt –, dass man die kostenlose Privatschule für alle einführt.

Im Moment ist es ja so, dass – speziell in Wien – sich viele Eltern das Schulgeld vom Mund absparen, um ihren Kindern eine gute Schule zu ermöglichen. Man gibt sein Kind in eine Privatschule und zahlt dafür bis zu 500 €, 600 € im Monat, nur damit das Kind eine möglichst passende Ausbildung bekommt. Und wenn jetzt der Staat hergeht und die­se Privatschulen mit freier Trägerschaft fördert, also jene, die sich auch die Lehrer selbst aussuchen können, ist das Problem gelöst – Privatschulen, aber nicht diese Pseudo-Privatschulen, von denen Sie immer sprechen, auch im Ausschuss. Sie haben nämlich im Ausschuss gesagt, Sie haben sich das angeschaut und die Privatschulen seien nicht besser als die öffentlichen Schulen.

Frau Minister, erstens gibt es eine Untersuchung darüber gar nicht, zweitens sagt schon der Hausverstand, dass sich niemand 500 €, 600 € vom Mund abspart, um sein Kind in eine Privatschule zu geben, wenn es daneben eine öffentliche Schule gibt, die das ge­nauso gut macht. Glauben Sie mir, die Eltern sind nicht Feind ihres eigenen Geldes. Niemand macht das! Das heißt, alleine daran sehen Sie schon, dass die Privatschulen besser sind.

Und wenn Sie sich die Gesamtkosten von Privatschulen ansehen, dann sehen Sie, dass diese sogar noch günstiger sind als die öffentlichen. Nur: Auf der einen Seite zahlt es der Bürger und auf der anderen Seite zahlt es auch der Bürger, aber über die Steuer­last – und das ist das Unfaire am System! Das heißt, wenn Sie im Schulsystem irgend­etwas Gutes machen wollen, dann vergessen Sie den öffentlichen Bereich, denn der ist nicht reformierbar! Die öffentliche Schule, so wie sie jetzt von den Landeshäuptlin­gen, von der Politik und von allem anderen durchdrungen ist, ist nicht reformierbar, auch wenn Sie heute ein bisschen daran herumdoktern. (Abg. Gisela Wurm: Mich wundert, dass …!)

Das ist nicht reformierbar! Wir haben aber einen Schultyp, der funktioniert, nämlich die Privatschule in freier Trägerschaft. Und wenn Sie diese Privatschulen finanziell so un­terstützen, wie Sie die öffentlichen unterstützen, dann haben die Eltern die Wahlmög­lichkeit. Dann werden Sie sehen, dass die meisten Eltern ihre Kinder selbstverständlich in Privatschulen schicken, wenn sie sich das eben auch leisten können, weil sie nichts dafür zahlen müssen.

Da könnte man ansetzen. Warum? – Weil sich die Privatschulen die Lehrer selbst aus­suchen können. Da haben wir genau jenen Effekt, den wir eben bei den öffentlichen Schule nicht haben, denn da sucht die Lehrergewerkschaft ganz stark mit aus. Und wenn dann irgendwelche Lehrer nachweislich zum Schaden der Kinder an einer Schu­le sind – die Gewerkschaft nennt das, glaube ich, Problemlehrer; laut Gewerkschafts­aussagen gibt es davon angeblich 5 000 –, dann werden diese nicht umgeschult und mög-


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