Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll134. Sitzung / Seite 141

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In diesem Gesetz enthalten ist auch endlich die Abschaffung der Noten – da gab es Schulversuche –, was wir seit Beginn unserer Bürgerinnen- und Bürgerbewegung for­dern: dass wir eben die Noten in der Volksschule freigeben.

Da haben wir übrigens im Unterrichtsausschuss einen Vorschlag eingebracht, wonach wir das grundsätzlich abschaffen wollen; und wer will, kann sich dann eben als Opt-in Ziffernnoten abholen. Das war leider mit der ÖVP nicht möglich, sondern das ist jetzt umgekehrt geschnitzt, dass man sich nämlich per Beschluss davon befreien muss. Das sind alles Kleinigkeiten, an denen ich es nicht scheitern lassen will. Wir werden da zu­stimmen. Es ist auch wichtig, dass wir mehr auf die Sprachförderung schauen. Dennoch ist das alles viel zu wenig. Wo gilt es besonders hinzuschauen und nachzulegen? – Viel­leicht kann das eine oder andere in den noch ausstehenden fünf Paketen folgen.

Ich erkenne an, dass Sie sich im letzten Unterrichtsausschuss um einen neuen Stil be­müht haben. Zum ersten Mal wurde nicht zugemacht und alles gekübelt, was von uns gekommen ist, sondern es gab ein wildes Ringen der verkrusteten Strukturen im Vor­feld. Das fällt auch nicht leicht. Es ist wie nach 70 Jahren Ehe, da kannst du dich auch nicht neu erfinden; und laut System sind halt Rot und Schwarz verheiratet. Daher kann man die Idee, dass jemand anderer sich da beteiligen soll, offensichtlich nicht über Nacht umsetzen.

Was ich mir aber erwarte, ist, dass das nur ein erster zögerlicher Versuch war, denn wenn ihr das nicht besser könnt, dann war das gar nichts, dann bitte ich, das Etikett „neuer Stil“ dafür nicht zu reklamieren; aber ich erkenne an, dass zumindest etwas spür­bar war. Wir werden nachher einen Antrag verhandeln, den wir gemeinsam geschafft haben. – So viel zum Neuland.

Wo müssen wir nachlegen? – Sprachkompetenz bleibt ein Riesenthema, und da werde ich mein Mantra nach muttersprachlicher Förderung immer wieder singen. Das brau­chen wir. Die Muttersprache ist die Absprungbasis für die gelingende gemeinsame Spra­che Deutsch, und wenn wir wollen, dann kann jedes Kind in Österreich mit sechs Jah­ren so gut Deutsch, dass es dem Unterricht in der Klasse leicht folgen kann. Und dann, Herr Wurm, schaffen wir es leicht, auch noch einen Flüchtling aufzunehmen.

In der Klasse meiner mittleren Tochter ist auch ein Flüchtling; sie kommt mit einem neu­en Universum im Kopf nach Hause, wenn sie mir zwei Sätze auf Farsi erzählt. Wie groß­artig ist das?! – Das ist ein Geschenk für meine Tochter. (Beifall bei NEOS und Grünen.)

Wenn wir es nicht gut organisieren, dann ist das aber eine Zumutung – nicht nur für meine Tochter, sondern für alle Kinder in diesen Schulen. Wenn wir Integration nicht besser als bisher organisieren, dann ist es eine immense Zumutung, dann werden wir das nicht gut erledigen können, dann wird die Fluchtbewegung in die Privatschulen in den Ballungsräumen immens zunehmen, dann werden wir die Phänomene von Brenn­punktschulen flächendeckend (Abg. Pirklhuber: Das ist richtig! Absolut!), in vielen Be­reichen und nicht nur in einigen Bezirken und urbanen Gegenden haben – das wird dann ganz rasant zunehmen. Die Förderung der Muttersprache, Sprachförderung und Sprach­kompetenz sind ganz wichtig.

Talente der Schüler gehören in den Mittelpunkt. Frau Ministerin, holen Sie die mittlere Reife noch einmal hervor und setzen Sie sie bitte um! Wir haben Konzepte auf den Tisch gelegt, die noch nicht so ausgereift sind, dass sie gleich Gesetz werden können, aber wir können damit gut und gerne jederzeit in detaillierte Diskussionen gehen. Ich erinnere nur daran, dass sich 2011 die rot-schwarze Regierung schon einmal auf die mittlere Reife geeinigt hat. Sie finden es, wenn Sie mittlere Reife und „Wiener Zeitung“ googeln. Nun sind fünf Jahre vergangen, und es ist nicht umgesetzt – deswegen: Er­lauben Sie mir die Skepsis gegenüber Überschriften, das ist einfach ein Erfahrungswert!

 


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