Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll144. Sitzung / Seite 21

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Drittens zur Marktstellung des ORF: Der ORF ist evidenterweise eines der erfolgreichs­ten europäischen Medienunternehmen. Die Marktanteile in TV und Radio liegen im eu­ropäischen Vergleich im Spitzenfeld, auch online ist der ORF Nummer eins. Der ORF erreicht mit seinen Medienangeboten täglich 92 Prozent aller Österreicherinnen und Ös­terreicher, die Marktanteile liegen im Fernsehen bei rund 32,5 Prozent. Damit liegt der ORF an fünfter Stelle der öffentlich-rechtlichen Sender und um fast 10 Prozent über dem europaweiten Median vergleichbarer Sender.

Beim Radio ist das Bild noch eindrucksvoller. Beim Radio liegt der ORF mit 71 Prozent an dritter Stelle der Öffentlich-Rechtlichen und somit um mehr als das Doppelte über dem europaweiten Median.

Der ORF beschäftigt 3 370 Mitarbeiter, fast 1 900 Journalisten. Ich habe mich in den letzten Wochen, wie Kollege Alm schon berichtet hat, im Rahmen der Medienenquete gründlich vorbereitet. Der gesamte Printmediensektor in Österreich umfasst rund 2 000 Jour­nalisten. Das heißt, der ORF hat in dem Umfang der beschäftigten Journalistinnen und Journalisten die Dimension, die der gesamte Printsektor gemeinsam hat.

Ein vierter Aspekt ist mir wichtig, auf den ich noch eingehen möchte, und dieser ist mir wichtig, weil ich ja auch für Kunst und Kultur zuständig bin und ich das für einen ent­scheidenden Teil des Public Value halte. Hervorzuheben ist das wirklich sehr gute An­gebot, das der ORF auf Ö1, ORF III, 3sat, FM4 hat. Abgerundet wird das Ganze durch die Aktivitäten des Radio-Symphonieorchesters. Insgesamt bietet der ORF wichtige Kul­turplattformen.

Allein die Investitionen in die Filmwirtschaft betragen rund 100 Millionen €, und ich könn­te Ihnen jetzt eine lange Liste von Preisen vorlesen, die Emmys, Oscars, Goldenen Pal­men, die aus Koproduktionen entstanden sind.

Jedenfalls ist, weil Sie, Kollege Alm, die Public-Value-Aspekte angesprochen haben, Fak­tum, dass die Public-Value-Programmleistung des ORF nur im Rahmen einer zielgrup­penadäquaten Programmierung ein breites Publikum erreichen kann. Das ist, glaube ich, evident. Und dass neben Information und Kultur auch Sport- und Unterhaltungsangebote zu einem stimmigen öffentlich-rechtlichen Programmangebot zählen, ist auch evident.

Einen fünften Aspekt möchte ich herausstreichen, und das ist der internationale As­pekt. Ich habe am Montag bei der Enquete festgehalten und möchte es hier nochmals in diesem Kreis wiederholen: Wenn die Haie einen Fischschwarm umkreisen, macht es evolutionär keinen Sinn, wenn sich die Beutefische zunächst einmal selbst kannibali­sieren. Was ich damit meine: Es geht nicht um ORF gegen Private, um Fernsehen ge­gen Zeitungen, es geht um die Frage, wie sich die österreichische Medienlandschaft im globalen, europäischen und digitalen Wettbewerb positioniert und so den Fortbestand si­chert.

Die größten Bedrohungen der eigenständigen österreichischen Medienlandschaft ge­hen nicht von den einzelnen inländischen Anbietern aus, sondern von jenen Plattfor­men, die weder inhaltlich noch kaufmännisch eine Unterscheidung zwischen eigenem und nicht eigenem Content vornehmen, also nicht mit eigener Leistung Traffic herbei­führen und Umsätze und damit letztlich Gewinne erzielen. Sie kommen von jenen, die Inhalte ohne faire Gegenleistung absaugen oder im schlimmsten Fall gratis zur Verfü­gung gestellt bekommen.

Ich möchte daher wirklich nochmals eindringlich an alle Player der Medienbranche ap­pellieren, zusammenzustehen, wenn es um die notwendigen Änderungen der Spielre­geln auf europäischer und internationaler Ebene geht.

Sechstens und abschließend: Das Bekenntnis zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Rahmen des dualen Systems darf natürlich kein Freibrief zur Strukturkonservierung sein.


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