Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll150. Sitzung / Seite 177

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sein Budget um 91,5 Prozent. Mit dieser Überschreitung hat sich der Aufsichtsrat aber erst 2013 beschäftigt.

Ich war selbst die letzten 15 Jahre in mehreren Geschäftsführungen tätig. Ich habe zuletzt auch mein Unternehmen verkauft. (Abg. Rädler: Erfolgreich?) – Bitte? (Abg. Rädler: Erfolgreich?) – Ich habe es erfolgreich geführt und erfolgreich verkauft. Danke der Nachfrage, Herr Kollege Rädler! (Zwischenruf des Abg. Loacker.) Das Unter­nehmen gibt es noch, es hat 140 Mitarbeiter, denen geht es gut, wir zahlen alle brav Steuern und Sozialversicherung. Wenn ich aber das gemacht hätte, was die Ge­schäfts­führung des Burgtheaters gemacht hat, hätten mich die neuen Eigentümer sofort gefeuert.

Weiter geht es: Der Aufsichtsrat prüfte auffällige Abweichungen nicht nur nicht zeitge­recht, er hat sich auch mit unvollständigen Revisionsberichten zufrieden gegeben, in denen zum Beispiel nur zwischen 10 und 20 Prozent der Investitionen dargestellt wurden.

Zu unterjährig aufgetretenen Planabweichungen der Liquidität von bis zu 1,3 Millio­nen € gab es keine Nachfragen. Ich bin mittlerweile selbst auch im Aufsichtsrat einer kleinen AG. Wir treffen uns jedes Quartal. Wir besprechen detailliert mit dem Vorstand durch, welche Zahlen jedes Quartal auf dem Tisch liegen. Im echten Leben ist undenkbar, was da im Burgtheater geschehen ist.

Insgesamt hat das Burgtheater über 21 Millionen € in Form von Akontos an Beschäf­tigte ausgezahlt. Für 80 Prozent dieser Buchungen gab es keine Belege. Können Sie sich das vorstellen? Keine Belege! Honorare wurden ohne Vorlage einer Honorarnote ausgezahlt. Insgesamt wurden in den Geschäftsjahren 2008/2009 bis 2013/2014 insgesamt circa 13 Millionen € ohne nachvollziehbare Belege bar ausgezahlt – das führte auch dazu, dass keine Abgrenzungen am Jahresende gemacht wurden –, auf Basis mündlicher Verträge.

Haben Sie – diejenigen, die ein Unternehmen führen – schon jemals eine GPLA gehabt? Es wird immer etwas gefunden, Sie müssen um jede Honorarnote von jedem Freelancer streiten. Sie haben definitiv eine Nachzahlung. Das Burgtheater wurde in dieser Zeit einmal geprüft – das war, glaube ich, keine GPLA, sondern eine Steuer­prüfung – und hatte ein paar Tausend Euro Nachzahlung. Es hatte bei diesen Millio­nenbeträgen ein paar Tausend Euro Nachzahlung!

Der künstlerische Leiter hat sich seine Autorentätigkeit und seine Regiearbeiten als selbständige Tätigkeit mit über 110 000 € zusätzlich zur Gage bezahlen lassen, obwohl er für die gleichen Tätigkeiten auch ein Gehalt bekommen hat. Zusätzlich ist diese Gage, glaube ich, über 30 Prozent erhöht worden, während der Verbraucherpreisindex in dieser Zeit nur um 6 Prozent gestiegen ist.

Die Vergabe von Dienstkarten an Betriebsräte war exzessiv. Im Prüfungszeitraum wurden von der Burgtheater GmbH insgesamt 41 000 Karten mit einem Wert von 1,5 Millionen € an den Betriebsrat abgegeben, und das ist nur der Face Value dieser Karten. Wenn man nämlich einrechnet, dass das Burgtheater zu 85 Prozent gefördert ist, heißt das, dass diese Karten eigentlich einen Wert von 10 Millionen € hatten. Dieser Bezug geldwerter Leistungen beziehungsweise von Vorteilen aus Dienstver­hältnissen ist, glaube ich, auch nicht versteuert worden – abgesehen davon, dass natürlich diese Bezuschussung über die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler erfolgt ist.

Die frühere kaufmännische Geschäftsführerin hat sich auch unter Missachtung des Vieraugenprinzips im August 2008 zusätzlich 9 000 € oder ein bisschen mehr für nicht konsumierte Freizeit, wie es heißt, ausgezahlt, ohne dass es dafür eine rechtliche Berechtigung gäbe.

 


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