Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll186. Sitzung / Seite 28

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großes Potenzial. Um dieses besser als bisher in die Entfaltung zu bringen, haben wir dringenden Handlungsbedarf. Die Volksschule personell und finanziell zu stärken be­deutet, die Kinder zu stärken und ihnen durch positive Schulerfahrungen in den ersten Jahren das Handwerkszeug für lebenslanges Lernen mit auf den Weg zu geben. Was wir in der Elementarpädagogik und in der Volksschule nicht schaffen, können wir nur mehr schwer bzw. mit hohem Aufwand nachholen.

– Bildungsinnovation „von unten“ durch Freiheit und Verantwortung. Eine umfassende Bildungsreform, die für echte Vollautonomie im System Schule sorgt, brächte jene Er­neuerungs- und Effektivitätsimpulse, die wir so dringend brauchen. Autonomie gibt Ge­staltungsfreiheit und Verantwortung. Sie dynamisiert die konstruktiven Kräfte im Sys­tem und schafft damit Innovation. Und natürlich braucht Schulautonomie auch einen klaren, gesetzlich festgelegten Gestaltungs- und Qualitätsrahmen. Wir sind als Gesell­schaft und Gesetzgeber in der Pflicht, die Wege gemeinsam zu finden; und gemeinsam zu gehen. Das Ziel lohnt sich. Es ist eine Reise hin zu einer besseren Schule. Die Ziele der Autonomie wurden im vorliegenden Reformpaket leider völlig verwässert. Für mün­dige Schulen braucht es echte Autonomie: pädagogisch, personell und finanziell.

– Pädagogische Autonomie bedeutet, dass es entlang der Losung „Gemeinsames Ziel, vielfältige Wege“ einen einheitlichen (Qualitäts-)Rahmen für alle Schulen gibt, etwa in Form einer „Mittleren Reife“ am Ende der Schulpflicht. Sie definiert, was Jugendliche mit 15 können sollen. Innerhalb dieses Rahmens haben Schulen die Möglichkeit, eige­ne pädagogische und didaktische Wege zu gehen und praxistaugliche Antworten für die jeweiligen Herausforderungen zu finden.

– Die personelle Autonomie legt die Auswahl und Führung des Personals in die Ver­antwortung der Schulleitung. Das Lehrerdienstrecht wird durch einen Rahmen-Kollek­tivvertrag ersetzt und die Anstellung erfolgt an der Schule bzw. bei den Trägerorgani­sationen. Dabei sollen Trägerorganisationen – auch Gebietskörperschaften sollen als solche agieren können – in Clusterlösungen gemeinsam größere Einheiten betreiben und damit auch Synergien heben können. Das Qualitätsmonitoring erfolgt durch eine weisungsfreie, unabhängige Organisation im Auftrag des Bildungsministeriums. Die Schul­verwaltung wird zu einem Schulservice weiterentwickelt, das – in Bildungsregionen or­ganisiert – die Schulen bei der Organisations- und Qualitätsentwicklung unterstützt.

– Echte finanzielle Autonomie bringt die „freie Schulwahl ohne Schulgeld“. Die Umset­zung erfolgt über eine Pro-Kopf-Finanzierung. Mit einer kriterienbezogenen Standortfi­nanzierung können wir zudem das Ziel der guten sozialen Durchmischung ermögli­chen. Wer mehr Kinder von Eltern mit niedrigeren Bildungsabschlüssen an seiner Schule hat, bekommt mehr Ressourcen (s. Folgeabsatz). Ebenso ist eine kriterienbezogene Finanzierung für Schulstandorte zu etablieren, die es Schulstandorten in geographisch peripheren Lagen ermöglicht, mit attraktiven Rahmenbedingungen pädagogisches Per­sonal anzuziehen.

– Einführung eines „Chancen-Bonus“ mit einem Sozialindex. Vor dem Hintergrund ak­tueller Entwicklungen in unseren Schulen ist es dringend notwendig, den Schulstandor­ten direkt zusätzliche finanzielle Ressourcen – als autonom verfügbares Budget – ent­lang eines bedarfsorientierten Indexmodells zur Verfügung zu stellen. Dieser Chancen­bonus berücksichtigt den Bildungshintergrund der Eltern. In den Niederlanden funktio­niert das beispielsweise sehr gut. Das Geld hat den Schüler_innen zu folgen. Damit be­kommen Schulstandorte die Möglichkeit, nach den jeweiligen individuellen Bedürfnis­sen, Fachpersonal (wie zum Beispiel Sprachlehrer_innen, Sozialarbeiter_innen, Lern­coaches) einzusetzen. Die Schulen können so individuelle Herausforderungen am Schulstandort unbürokratisch, autonom und damit treffsicher angehen.

– Privatschulen sollen als Innovationsmotor für unser Schulsystem fungieren. Um die Innovationskraft freier Schulen optimal zu nutzen und für Schüler_innen und Eltern die


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