Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll186. Sitzung / Seite 37

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Ich möchte einen weiteren wichtigen Punkt erwähnen, den auch Kollege Strolz ange­sprochen hat: die Ausbildungspflicht und die Ausbildungsgarantie bis 25. Die Ausbildungs­pflicht bis 18 haben Sie hier im Hohen Haus beschlossen. Das AMS arbeitet ganz kon­sequent an der Umsetzung, da gibt es auch Fortschritte. Das ist ein absolut wichtiges Thema, denn wir verlieren – wie richtig zitiert wurde – 5 000 bis 7 000 junge Menschen, die in unserem Land nie wieder eine Chance auf ein geglücktes Leben bekommen. Vor diesem Hintergrund halte ich auch das für eine wichtige Initiative, die ich an dieser Stelle erwähnen möchte.

Wenn wir uns einmal mit den Herausforderungen beschäftigen – und, wie gesagt, eine Stunde, zwei Stunden in einer Schule führen einem diese überdeutlich vor Augen –, dann, glaube ich, sind es mehrere Punkte, mit denen wir es zu tun haben. Ich bin völlig d’ac­cord, was den Kindergarten betrifft. Dieser ist entscheidend, weil dort der Grundstein für die Bildungskarriere gelegt wird. Ich bin davon überzeugt, dass wir die diesbezügli­chen Maßnahmen, die wir vorgeschlagen haben, so rasch als möglich umsetzen soll­ten. Das bedeutet für mich: Wir brauchen ein zweites Gratiskindergartenjahr, und wir brau­chen flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen, und zwar nicht als Kinderaufbe­wahrungsstellen, sondern in dem Verständnis, dass das Bildungseinrichtungen sind, die unsere Kinder auf die Schule vorzubereiten haben. Die Integrationsproblematik ist uns allen nur zu gut bewusst; im Besonderen geht es da natürlich auch um den Schwerpunkt der Sprachaneignung. (Abg. Belakowitsch-Jenewein: Meinen Sie die muslimischen Kin­dergärten in Wien?!)

Die zweite große Herausforderung, der wir uns widmen müssen, ist die Frage: Mit wel­chem Aufwand betreiben wir eigentlich unser Schulsystem? – Wir wissen, wir haben In­effizienzen in der Verwaltung, und die muss man beseitigen. Es muss uns aber bewusst sein, angesichts der Dimension der Herausforderung, vor der wir stehen: Auch im Zu­sammenhang mit der Integrationsfrage werden wir nicht umhinkommen, deutlich mehr in unsere Schulen zu investieren und deutlich mehr Lehrer, deutlich mehr Begleitperso­nal, Sozialarbeiter und Psychologen aufzunehmen.

Um ein Beispiel zu bringen: In der Schule, in der ich heute Vormittag war, sind 270 Kin­der; über 70 Kinder dort haben Deutsch nicht als Muttersprache, können Deutsch nur sehr leidlich. Wenn wir die Lehrer dort zurücklassen, wenn wir sie mit der Herausforde­rung allein lassen, können diese dann logischerweise keine optimalen Ergebnisse er­zielen! Das ist sonnenklar. Wir überfordern die Lehrer. Da verlangt man von ihnen fast Unmenschliches. Wir haben die politischen Voraussetzungen zu schaffen, damit sie mit ausreichenden Ressourcen arbeiten können und das erfüllen können, was wir von ih­nen erwarten: unser Bildungssystem an die europäische Spitze zu bringen.

Der dritte Punkt ist eine ganz große Herausforderung: die Aufgabe der Digitalisierung. Aus meiner Sicht geht es darum, dass wir hier eine breite Initiative aufsetzen müssen. Wir haben vorgeschlagen, alle Schulklassen mit Tablets beziehungsweise Laptops aus­zurüsten und alle Schulen mit WLAN (Abg. Belakowitsch-Jenewein: Na dann lieber noch mehr Leseschwäche produzieren!), und zwar nicht, weil es darum geht, dass man da ir­gendwie Geschenke an unsere Kinder verteilt, sondern dahinter steckt natürlich der Er­werb technischer Fähigkeiten.

Aber das, was noch viel, viel wichtiger ist: Ich bin davon überzeugt, dass sich die Fra­gen von individueller Förderung, der Unterstützung von Fähigkeiten, dem Ausmerzen von Schwächen in Zukunft ganz anders darstellen werden, weil uns die Digitalisierung die Individualisierung des Unterrichts in einer Art und Weise erlaubt, wie wir sie noch nie vorher gekannt haben (Abg. Belakowitsch-Jenewein: Haben Sie die Studien dazu gelesen?), und uns letztendlich nicht einmal getraut haben, daran zu denken. (Beifall bei der SPÖ.)

 


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