Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll186. Sitzung / Seite 46

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Sie tut es unter Einbeziehung der Betroffenen, diese dürfen mitstimmen. Das war am Schluss ein schwieriger Verhandlungsgegenstand. Das passt aber sehr gut zum Auto­nomiegedanken, der ja generell dieses Bildungspaket trägt. Dass sich da die Lehrerge­werkschaft massiv einbringt, ist nicht nur ihrem eigenen Interesse geschuldet, sondern auch dem Interesse der Schüler. Zum Beispiel hat sich die Gewerkschaft massiv dafür eingesetzt, dass die 25-Schüler-Höchstzahl bleibt oder nur sehr schwer aufgeweicht werden kann. Das finde ich einen wertvollen und wichtigen Beitrag, den man nicht ein­fach schlechtreden sollte. (Beifall bei der ÖVP.)

So, wie man den massiven gesellschaftlichen Änderungen, die es gegeben hat, im Schul­bereich Rechnung tragen muss, so gilt das auch für die Universität, und da spreche ich wirklich aus erster Hand. Ich erlebe die Entwicklung der Universität schon ein halbes Jahrhundert lang. Ich habe 1969 zu studieren begonnen und alle Positionen bis hin zum Professor, Rektor und dann auch Wissenschaftsminister in diesem Bereich selbst be­setzt, ich kenne mich da wirklich aus. (Präsident Kopf übernimmt den Vorsitz.)

Ich erwähne nur die wichtigsten Änderungen an Universitäten, es gäbe viel mehr zu er­wähnen. Die wichtigsten Änderungen sind eine rasante, explosionsartige Zunahme der Studierendenzahl, eine hohe Internationalität der Universität, die sich in Österreich be­sonders dadurch verschärft, dass wir jetzt extrem viele deutsche Studierende haben, die bei uns studieren wollen. Früher waren es in Innsbruck ein paar Leute im Winterse­mester, die vor allem Ski fahren wollten. Inzwischen flüchten extrem viele Deutsche vor dem Numerus Clausus in Deutschland, wo die Zugänge stark begrenzt sind, und wir ha­ben zum Beispiel in der Psychologie in Salzburg und in Innsbruck unter den Anfängern bis zu 80 Prozent deutsche Studierende. Es gibt also eine hohe Internationalität, vor al­lem einen starken Zustrom deutscher Studierender.

Das Dritte, was oft wenig beachtet wird, aber ganz wichtig ist: Unsere Studien werden immer stärker reguliert, verschult. Das kann man beklagen, es ist aber eine unaus­weichliche internationale Entwicklung. Diese Verschulung bringt es mit sich, dass es nicht mehr vernachlässigbar ist, wie viele Leute in irgendein Fach drängen, sondern dass es extrem wichtig ist, dass dort nur so viele Leute studieren, wie man eben auch be­treuen, und durch die einzelnen Lehrveranstaltungen tragen kann. Früher ging man ein­fach in eine Massenvorlesung oder ging auch nicht hin, und am Schluss stand eine gro­ße Prüfung, die man dann eben bewältigen musste. Inzwischen ist das Studium in vie­le, viele Einzelveranstaltungen zergliedert, in denen ich als Studierender jedes Mal ei­nen Platz brauche und als Lehrender mich jedes Mal bemühen muss, die Studierenden adäquat zu betreuen.

Das sind die wichtigsten Änderungen, und diesen wichtigen Änderungen haben wir bis­her nur ungenügend Rechnung getragen. Wir haben den Unis zwar immer mehr Perso­nal und immer mehr Geld gegeben, und sie haben auf die Massen reagiert, dennoch haben wir in vielen Fächern ganz unzumutbare Betreuungsverhältnisse, was dazu führt, dass wir dort gewaltige Qualitätsmängel haben. Klarerweise ist das so, das brauche ich nicht auszuführen. Wir haben aber vor allem auch eine ganz hohe Zahl an Studien­abbrechern, was in vielerlei Hinsicht ungünstig ist. Es ist eine Verschwendung von Res­sourcen, es ist aber auch ein Bruch im Leben eines jungen Menschen.

Eine Folge, die ich jetzt nicht sehr wichtig nehme, ist zum Beispiel auch unsere Posi­tion in den internationalen Rankings. Da der Herr Bundeskanzler aber fordert, wir soll­ten in den internationalen Rankings besser werden, sage ich: Ja. Die Betreuungsver­hältnisse haben in den internationalen Rankings häufig ein sehr hohes Gewicht, im kürz­lich veröffentlichten QS-Ranking etwa 20 Prozent.

All das führt dazu, dass wir unbedingt Zugangsregelungen, ein Zugangsmanagement brauchen. Ich war hocherfreut, als ich im Plan A des Herrn Bundeskanzlers lesen konn­te, dass das jetzt kommen soll. Es steht drin, dass wir Zugangsregelungen brauchen,


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