Weg über private Bildungseinrichtungen oder nehmen hohe Ausgaben für Nachhilfe in Kauf. Diese Privatisierung der Bildung und der Umstand, dass Schulerfolg stark vom Elternhaus abhängig ist, führt dazu, dass viele Kinder und Jugendliche in Österreich ihre Potentiale nicht ausschöpfen und Österreich sich in internationalen Bildungsrankings im Mittelfeld wiederfindet. Nachzulesen ist das in einer mittlerweile großen Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen, die diese Erfahrungen aus dem schulischen Alltag bestätigen.
Die OECD hat mit ihrer diesjährigen Publikation „Bildung auf einen Blick 2017“ wieder einmal deutlich gemacht, wie schlecht es um Chancengerechtigkeit im österreichischen Bildungssystem bestellt ist. Die Bildungserfolge hängen noch immer stark vom Elternhaus ab, dem Bildungswesen gelingt es nur unzureichend, SchülerInnen aus bildungsfernen, armutsgefährdeten oder anderweitig benachteiligten Familien so zu fördern, dass sie sich entsprechend ihren Möglichkeiten entwickeln.
Der Nationale Bildungsbericht 2015 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: „Die familiäre und soziale Herkunft von Kindern ist ein wesentlicher Kontextfaktor der Schule. In Österreich besteht ein starker Zusammenhang zwischen Herkunft und Schulerfolg. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, niedrigem sozioökonomischem Status oder Bildungsniveau haben häufig eine schlechtere Ausgangslage, um in der Schule erfolgreich zu sein. Ihre Familien sind oft weniger mit dem schulischen System und dessen Inhalten vertraut und weniger in der Lage Schulwegsentscheidungen zu unterstützen. Insbesondere sind Schwächen in der Unterrichtssprache ein Risiko für den Schulerfolg.“ (https://www.bifie.at/wp-content/uploads/2017/05/NBB_2015_Band1_Indikator_A.pdf)
Die Fehlentwicklung beginnt im Kindergarten. Zwar hat der verpflichtende Kindergartenbesuch im letzten Jahr vor der Schulpflicht dazu geführt, dass zumindest bei den 5- bis 6-Jährigen nahezu alle Kinder eine vorschulische Bildungseinrichtung besuchen, dennoch bekommen immer noch jene Kinder, die besondere Aufmerksamkeit und zusätzliche Förderung benötigen, nicht die ausreichende Bildung vor Schuleintritt. So sind Kinder mit Behinderungen von der Kindergartenpflicht ausgenommen, und haben daher gar keinen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Mehrere Studien weisen darauf hin, dass ein Kindergartenjahr vor Schuleintritt nicht ausreicht, um die Kinder ausreichend auf die Schule vorzubereiten. Dennoch konnte sich die Regierung, trotz gegenteiliger Versprechen im Regierungsprogramm 2013, bisher nicht auf eine Verlängerung der Kindergartenpflicht auf zwei Jahre verständigen. Sehr zum Nachteil von Kindern, die in sozial benachteiligten Familien heranwachsen. Denn Kindergartenplätze werden nach Bedarf vergeben. Wenn beide Eltern berufstätig sind haben die Kinder daher mehr Chancen auf einen Kindergartenplatz, als wenn ein oder gar beide Elternteile keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Der Anteil der Kinder in Kindertagesheimen mit berufstätiger Mutter ist nach vorherigen Rückgängen in den letzten Jahren wieder im Steigen begriffen – in Krippen und Kleinkindbetreuungseinrichtungen beträgt er aktuell 72,7 Prozent (2006: 70,7%), in Horten 76,5 Prozent (2006: 78,7%) und in Kindergärten (inkl. altersgemischter Betreuungseinrichtungen) 63,4 Prozent (2006: 57,8%).
Dazu kommt, dass die Qualität der Kinderbetreuungseinrichtungen stark schwankt, angefangen bei den Öffnungszeiten und Schließtagen. Kindergärten kommen im Durchschnitt auf 27,8 geschlossene Tage, Horte auf 26,3. Im Bundesländervergleich verzeichnet das Burgenland die meisten geschlossenen Betriebstage pro Jahr (37,5), Wien die wenigsten (4,4). Bei den Kindergärten sperrt mehr als ein Fünftel vor 14.00 Uhr zu, während nur jeder dritte bis mindestens 17.00 Uhr geöffnet hat.
Obwohl im Regierungsprogramm 2013 die Einführung eines nationalen Qualitätsrahmens für Kindergärten beschlossen wurde, gab es bislang nicht einmal ernsthafte Verhandlungen darüber. Gruppengrößen, Betreuungsschlüssel und Ausstattung der Kinderkrippen, Kindergärten und Horte bleiben daher weiter stark unterschiedlich je nach Bundesland.
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