Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll197. Sitzung / Seite 82

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Es geht darum, dass in der Tat österreichische Bildungsgesetze, österreichische Schul­gesetze seit mindestens hundert Jahren vor allem von Rot und Schwarz sehr, sehr stark blockiert werden – in gegenseitiger Blockade –, weshalb diese Gesetze immer wie­der erst zustande kommen, wenn es davor eine intensive und sehr ideologiebeladene Debatte gibt, die meist wenig faktenbasiert ist. Deshalb schlagen wir heute vor – und da hoffe ich auf Zustimmung –, dass wir unser Bildungssystem, dass wir unser Schul­system evaluieren lassen, und zwar von einer Einrichtung, die dazu in der Lage ist, von einer Einrichtung, die das schon mehrfach gemacht hat, und das ist die OECD.

Die OECD wird verschiedentlich angefragt. Dort sitzen jene Menschen, die beispiels­weise den PISA-Test sowie andere internationale Testungen machen, dort sitzen Fach­leute, internationale Fachleute, und Staaten, die glauben, ihr Bildungssystem müsse un­tersucht und evaluiert werden, wenden sich dorthin. Zuletzt haben das die Schweden gemacht. Das (den entsprechenden Bericht in die Höhe haltend), was Sie hier sehen, ist der Evaluationsbericht der OECD über die Situation in Schweden. Dieser ist beauf­tragt und erstellt worden, weil die Schweden größere Probleme hatten. In Schweden hat es lange Zeit ein sehr, sehr gutes Bildungssystem gegeben, dann kamen sehr, sehr viele neoliberale Reformen, es gab Privatisierung, und das Resultat war schluss­endlich ernüchternd: Die Schweden sind weit zurückgefallen. Das hat in Schweden im­merhin dazu geführt, dass parteiübergreifend gesagt worden ist: Ja, wir müssen etwas tun, wir bitten die OECD, unser System zu untersuchen! Und genau das ist geschehen.

Das wäre unser Vorschlag. Ich glaube, das müssen wir machen, und wir sollten uns dabei auch an bestimmte Prinzipien halten. Das erste Prinzip ist: Wir müssen dort an­setzen, wo die Debatte am heftigsten geführt wird, nämlich bei der Schule der 10- bis 14-Jährigen, wir müssen uns mit den Übergängen von der Volksschule in die Schule der 10- bis 14-Jährigen und danach auseinandersetzen. Diese Kernbereiche hätten wir gerne untersucht, diese Fakten brauchen wir. Es gibt zwar schon sehr, sehr gute Un­tersuchungen, es gibt den Nationalen Bildungsbericht, es gibt andere Studien, die wir zurate ziehen können, aber dadurch hätten wir einen Blick von außen. (Beifall bei den Grünen.)

Abgesehen von Fakten, meine Damen und Herren, braucht es auch Empathie. Der Herr Finanzminister hat heute Morgen sein Dasein als Großvater ins Treffen geführt, um das Parlament zur Selbstentmündigung aufzufordern. Ich würde meinen – auch ich bin Großvater –, wir sollten das hernehmen, um an unsere Enkel zu denken, um an un­sere Kinder zu denken, um an nachfolgende Generationen zu denken und ihnen ein Bil­dungssystem zu offerieren, das menschlich ist; ein Bildungssystem, in dem alle Kinder eine Chance haben, ein Bildungssystem, das keine Leistungsroboter heranzieht, son­dern Kinder, die selbstbewusst sind und selbständig denken können. (Beifall bei den Grü­nen.)

Wir dürfen nicht zulassen, dass Kinder in diesem System am Druck zerbrechen; das ist nicht selten der Fall. Wir dürfen nicht zulassen, dass Eltern verzweifeln, dass Großel­tern verzweifeln, wenn es beispielsweise um einen Platz im Gymnasium für ihre Kinder geht. Wir wollen eine Schule für alle Kinder haben. Das ist eine Schule, die keine Angst erzeugt, gleichzeitig aber bitte auch eine leistungsfähige Schule, eine Schule, in der neugierige Kinder lernen, und zwar mit Engagement lernen, denn wir alle wissen aus der Hirnforschung: Kinder, die Angst haben, sind blockiert, die können nicht lernen. Angst ist der pädagogisch schlechteste Ratgeber, den es gibt. Darüber hinaus müssen wir Kindern auch Zeit geben. Lassen wir den Kindern in der Volksschule Zeit, lassen wir sie Fehler machen, lassen wir sie miteinander lernen und lassen wir sie zu Ergeb­nissen kommen, die sie weiterbringen! Das tun wir nicht, indem wir Kinder im Alter von neuneinhalb Jahren aussortieren. (Beifall bei den Grünen.)

Wir brauchen aber auch Lehrerinnen und Lehrer, die engagiert in die Schule gehen und auch Freude daran haben, wenn sie unterrichten – Lehrerinnen und Lehrer, die das


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