Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll197. Sitzung / Seite 88

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so weiter und so fort einhergeht, wurde alles in diesen neuen Bildungsdirektionen fest­gehalten. Das heißt, wir haben da einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Wenn ich allein entscheiden hätte können, wäre ich viel weiter gegangen, das ist auch keine Frage; aber wir leben zum Glück in einer Demokratie und sollen sie auch nützen, wir haben Koalitionen und es braucht Kompromisse. Diese Bildungsdirektion ist der ab­solut richtige Schritt in die richtige Richtung gewesen und ein großer, weil wir damit Transparenz und Effizienz hineinbekommen.

Noch eine Studie? – Ich weiß nicht. Ich glaube, die Fakten liegen auf dem Tisch, wir müs­sen sie nur beherzt und gemeinsam umsetzen, das ist das Gebot der Stunde.

Ich darf ein zweites Beispiel bringen, die ganztägige Schule. Auch das war eine Emp­fehlung der OECD, denn die OECD-Mitgliedstaaten oder viele der OECD-Mitgliedstaa­ten haben gar keinen Begriff für das, was wir in Österreich noch viel zu oft haben, nämlich für die Halbtagsschule. Die kennen das gar nicht. Eine halbtägige Schule gibt es eigentlich nur mehr in Deutschland und Österreich (Abg. Mölzer: Die ärmsten Län­der der Welt!), dann ist es schon relativ aus. Die meisten und vor allem leistungsfähi­gen Bildungssysteme Europas und auch der OECD-Mitgliedstaaten haben längst ganz­tägige Schulen.

Eine Dreiviertelmilliarde zu reservieren, um die ganztägige Schule (Abg. Mölzer: Die keiner will!) entsprechend ausbauen zu können, ist ein wichtiger Schritt, vor allem ein Schritt, der die Chancen unserer Kinder in den Mittelpunkt stellt. Denn was passiert da? – Wir haben endlich Zeit – und das ist heute auch schon Thema gewesen –, in den ganztägigen Schulen mit den Kindern zu arbeiten, sie zu fördern, Talente besonders zu fördern, aber auch jene, die sich mit manchen Dingen schwerer tun, besonders zu un­terstützen. Wir haben auch Zeit, dahin gehend gut zu gestalten, dass wir Musikvereine, Sportvereine einbinden können und wahrlich ein kreatives, innovatives Angebot für un­sere Kinder schaffen können. Dieses Gesetz ist seit 1. September in Kraft und wird jetzt ausgerollt, und es ist eine Ausbauoffensive, sowohl was Infrastrukturen anlangt, als auch was Pädagoginnen und Pädagogen und auch pädagogische Konzepte anlangt.

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten mit sehr, sehr vielen Eltern gesprochen, viele Eltern getroffen, die sagen, Frau Hammerschmid, dieses ganztägige Schulange­bot interessiert uns sehr, aber wir können es uns nicht leisten, dieses Angebot in An­spruch zu nehmen. Es sind je nach Bundesland unterschiedliche Beiträge für Betreu­ungsmaßnahmen und vor allem auch für das Mittagessen zu bezahlen, das geht in Hunderte von Euro, das ist für eine junge Familie schwer zu stemmen. Und deshalb fordern wir von der SPÖ ganz klar, dass die ganztägige Schule – das Mittagessen ge­nauso wie die Betreuungsabschnitte und -angebote, die wir an den ganztägigen Schu­len haben – kostenfrei für die Eltern sein muss. (Beifall bei der SPÖ.)

Andernfalls schaffen wir es wieder nicht, jene Kinder an die Schulen zu bringen, die es ganz besonders brauchen, die keine Eltern haben, die ihnen beim Lernen helfen kön­nen oder ihnen Nachhilfe zahlen. Kinder aus bildungsferneren Schichten sind uns da wirklich ein besonderes Anliegen, und darum diese Forderung, um da treffsicher zu blei­ben, denn sonst bleibt ganztägige Schule das, was sie heute schon allzu oft ist, näm­lich ein Elitenprogramm, das in Privatschulen stattfindet, und das soll es nicht sein. (Bei­fall bei der SPÖ.)

Ich möchte noch einen Fakt aus den OECD-Diagnosen herausgreifen, nämlich einmal mehr PISA. Sie wissen, was jetzt kommt. Wir kennen die Ergebnisse: Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler kann nicht ausreichend lesen, schreiben, rechnen. (Abg. Neu­bauer: Das habt ihr mitverursacht! – Abg. Schimanek: Warum nicht? – Zwischenruf des Abg. Peter Wurm.) Das ist inakzeptabel für Österreich, für ein Land wie unseres, und da müssen wir sofort und gleich handeln. Das haben wir auch getan. Wir haben in


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