Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll1. Sitzung / Seite 48

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mussten oder im Gefängnis waren, weil sie den Traum von Freiheit und Demokratie träumten.

Gerade heute, am Jahrestag der Reichspogromnacht, sind wir all jenen verpflichtet, die ihr Leben für unsere Demokratie und für unsere Freiheit eingesetzt haben. Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, hier als frei gewählte Vertreter des Volkes die Richtungsentscheidungen für unser Land treffen zu dürfen. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ, FPÖ, NEOS und Liste Pilz.)

Es ist unsere Pflicht, einen fairen und vor allem lebendigen Parlamentarismus zu le­ben, bei dem alle Stimmen Gehör finden und vor allem auch alle Meinungen zählen. Wenn ich hier so ins Plenum schaue, dann weiß ich, dass wir in den nächsten Jahren viele Meinungen hören und viele lebendige Debatten führen werden. Ich sehe viele leidenschaftliche Politiker, Abgeordnete, die ihre ehrliche Überzeugung, egal, von wel­cher Partei sie kommen, vertreten. Ich sehe vor allem sehr viele junge Gesichter, die durch diese Wahl zu uns gestoßen sind, und, was mir persönlich ein besonderes An­liegen ist, mehr Frauen im Hohen Haus als jemals zuvor. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ, FPÖ, NEOS und Liste Pilz.)

Es sind aber nicht nur die Abgeordneten, sondern viele Mitarbeiterinnen und Mitar­beiter, die hier tagein, tagaus Großartiges schaffen. Ich habe tiefsten Respekt vor der Arbeit, die hier jeden Tag geleistet wird. Ein herzliches Dankeschön. (Beifall bei ÖVP, FPÖ, NEOS und Liste Pilz sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Als Abgeordnete ist es nicht nur unsere Aufgabe, die großen Richtungsentscheidungen in diesem Land zu treffen, sondern vor allem auch eng mit unseren Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu sein. Viele von Ihnen hier herinnen sind tief in den Regionen verwurzelt und haben eine sehr intensive Beziehung zu den Menschen, für die Sie hier im Nationalrat sitzen. Es ist ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit, unseren Wählerin­nen und Wählern gut zuzuhören, ihre Anliegen zu vertreten und ihnen gleichzeitig auch Rede und Antwort zu stehen für unsere Arbeit im Parlament. So wie Sie alle hier habe auch ich in den letzten Monaten in ganz Österreich sehr vielen Menschen zugehört, was ihnen wichtig ist. Immer wieder habe ich gehört – und ich glaube, da wird es eini­gen ähnlich gegangen sein –: Hört endlich auf zu streiten und arbeitet lieber für uns! Das ist auch der Auftrag, den wir hier in diesem Hohen Haus zu erfüllen haben. (Beifall bei ÖVP, FPÖ und NEOS.)

Wir haben in den kommenden Jahren die Chance, unser Parlament nicht nur von au­ßen zu verändern, sondern auch von innen zu erneuern. Ich möchte daher einen Ap­pell an Sie alle richten: einen Appell für eine gute Zusammenarbeit, einen Appell für ei­nen respektvollen Umgang miteinander und einen Appell für eine leidenschaftliche Auseinandersetzung, bei der es aber immer um die Sache geht. Es liegt an uns, eine neue politische Kultur zu leben. Wir haben es in der Hand, ob wir uns weiterhin ge­genseitig mit negativen Kommentaren und manchmal sogar beleidigenden Bemerkun­gen eindecken oder ob wir uns vielleicht manchmal auch dazu durchringen können, über den anderen etwas Positives zu sagen. Jeder Einzelne hat es in der Hand, an je­dem Tag, in jedem Gespräch und in jeder einzelnen Wortmeldung hier im Hohen Haus.

Neben dem respektvollen Miteinander ist mir die Transparenz der politischen Arbeit ein großes Anliegen. Meine Aufgabe als Nationalratspräsidentin wird es sein, sicherzustel­len, dass diese Transparenz für jeden auch möglich ist. Ich kann Ihnen versichern, mein Bestes dafür zu geben, dass jede und jeder Einzelne die Arbeit als Abgeordnete/r bestmöglich erfüllen kann. Es wird unser gemeinsamer Auftrag sein, die Bürgerinnen und Bürger bestmöglich einzubinden und eine politische Kultur zu leben, die die Men­schen wieder an die Politik glauben lässt. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie der Abge­ordneten Strolz und Bernhard.)

 


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