Herr Faßmann, ich versuche es einfach so: In meiner schulischen Laufbahn habe ich gelernt, dass das Sandwich-Feedback eine gute Art des Feedbacks sein soll. Ich sage gleich vorneweg, das Sandwich ist gut gefüllt, aber ich fange einmal mit dem Positiven an.
Ich muss wirklich sagen, ich schätze Ihre konstruktive Art der Arbeit in den Ausschüssen, auch Ihre nicht mit Rhetoriktricks geschönten Antworten; Sie sagen Dinge einfach. Wenn Sie etwas nicht wissen oder noch mehr Wissen haben wollen, sagen Sie es straightforward. Das schätze ich sehr an Ihnen. Darüber hinaus muss ich echt sagen: Hut ab, Sie haben ein riesiges Ressort, und man sieht gerade, dass Sie ein sehr leidenschaftlicher Forscher und Wissenschaftler sind und da auch sehr gute Arbeit leisten.
Vor allem betreffend die Bildung ist es aber doch so, dass diese ein ideologisch und emotional sehr besetzter Bereich ist. Das kann man aber auch niemandem verübeln, denn da geht es ja um die Zukunft der Kinder. Da geht es um das Wohlergehen unserer Kinder, da geht es auch um die Zukunft unseres Landes, das heißt, das beinhaltet natürlich viel Emotion. (Zwischenruf des Abg. Lugar.)
So, jetzt komme ich zum mittleren Teil des Sandwiches: Sie haben letzte Woche im Budgetausschuss auf meine Frage nach der Innovationsstiftung und danach, was mit den 2 Millionen Euro statt der 50 Millionen Euro im Jahr passiert, aufgezählt, worauf dabei der Fokus gelegt wird. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Lugar. – Abg. Noll: Jetzt haltet einmal den ...! – Abg. Rosenkranz: Aber, Kollege Noll, Gleichbehandlung ist für Sie schon ein Thema, oder?)
Es war dann so, dass die progressive Weiterentwicklung der Pädagogik eine Forderung oder eine Sache ist, die die Innovationsstiftung vorantreiben möchte. Ihre Antwort diesbezüglich war, dass Sie das ein bisschen belächelt und gefragt haben, was, bitte, progressive Weiterentwicklung ist, und Sie mir dann im Ausschuss auch gesagt haben: Okay, progressive Bildung, progressive Weiterentwicklung, ich könnte das an diesem Punkt nicht einmal selbst beantworten. – Das kam von Ihnen.
Ich würde Ihnen da jetzt gerne meine Seite erklären und sagen, was ich unter Progressivität und unter progressiver Bildung verstehe: „Progressiv“ kommt ja vom lateinischen Wort „progressio“, also Fortschritt. Progressive Bildungspolitik ist unserer Meinung nach eine Politik, die nicht auf Gleichmacherei setzt, die individuelle Förderung bei Kindern vorantreibt, aber auch die Fähigkeiten der Zukunft vermittelt. Da geht es um soziale und digitale Fähigkeiten, da geht es darum, dass wir Kinder auf einen Arbeitsmarkt vorbereiten, dessen Jobs es jetzt oft noch gar nicht gibt, da geht es um Chancengleichheit, die die Schule bieten muss – das hat auch sehr viel mit Fortschritt zu tun. Das heißt aber auch Austausch mit anderen Kindern in der Klasse, das bedeutet auch Progressivität im Klassenraum, wobei Kinder lernen und akzeptieren, dass jeder andere Fähigkeiten hat.
Das kann ich im Budget leider nicht sehen. Da wurden die Mittel für den Integrationstopf gekürzt, womit man verhindert, dass Kinder in einer gemeinsamen Klasse etwas gelehrt bekommen und auch voneinander lernen.
Ein weiterer Punkt einer fortschrittlichen Schule, den ich sehe, ist, dass man digitale Mittel verwendet, um Wissenstransfer zu ermöglichen, zu verbessern und zu vertiefen. Das geht über das Fach digitale Grundbildung hinaus.
Was verstehen wir noch unter fortschrittlicher Schule? – Die nötige Infrastruktur! Da geht es darum, dass über 50 Prozent der Pflichtschulen keinen WLAN-Zugang haben. Das kann es nicht sein, wenn wir von progressiver Bildungspolitik sprechen! Da muss man einen Zahn zulegen.
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