Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll28. Sitzung, 13. Juni 2018 / Seite 120

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vor sehr viel Verunsicherung vorhanden ist. Wir merken, dass auch sehr viel man­gelnde Akzeptanz im Raum ist.

Wenn wir das aufrechnen und sagen, dass das Ding nun seit knapp zehn Jahren unter­wegs ist und der nächste Jahrgang auch schon zittert, dann summiert sich das auf fast zwei Millionen Menschen in diesen zehn Jahren, die mit einem bildungspolitisch ausgerollten Instrument zu tun hatten, das nie so richtig in die Klarheit und in die Kraft gefunden hat.

Das möchte ich ein Stück weit mitbewegen, Herr Minister, liebe Kolleginnen und Kolle­gen, dass wir diesbezüglich – das halte ich für dringlich, das müssen wir unmittelbar nach einer Matura anstoßen, sonst kommt der nächste Jahrgang in die Verun­siche­rung – in größere Klarheit kommen, dass wir bei diesem Instrument nachschärfen.

Das ist, wenn man so will, ein Abschlusspaket, das ich schnüre, denn es ist ja bekannt, dass ich mich in einer geordneten Übergabe befinde. Ich spüre an manchen Ecken und Enden die Notwendigkeit, Dinge als Übergabepaket zusammenzubinden, die mir wich­tig sind und bei denen es mir zudem realistisch erscheint, etwas bewegen zu können. Und dann möchte ich es auch ordentlich sortiert übergeben. In diesem Fall übergebe ich dieses Paket diesem Haus und dem Bildungsminister.

Ich glaube, dass wir Mehrheiten für die Nachschärfung der Zentralmatura finden können. Ich glaube, dass wir es zügig angehen müssen, damit nicht der nächste Jahr­gang mit in die Verunsicherung hineinwächst – das wären wiederum mit den engsten Angehörigen 150 000 Menschen. Und ich glaube, dass wir einfach auch aus den Pannen der Vergangenheit lernen können, sollen und müssen, denn das ist unser Job.

Was ist heuer die mediale Zuschreibung? – Man liest vom „Fünfer-Debakel“ bei der Zentralmatura. Man liest: „Hinter vorgehaltener Hand wird [...] von einem ‚gewaltigen Chaos‘ [...] gesprochen“. Man liest: „Der Wurm ist drin“. – Solche Zitate werden auch medial ausgeschildert.

Wir hatten im letzten Jahr das Gefühl, dass sich die Aufregung vielleicht beruhigt und alles in geordnete Bahnen kommt. Heuer jedoch kam es wieder zu einem Punkt, an dem viele Beteiligte den Eindruck hatten, dass die Zentralmatura noch nicht dort ist, wo sie sein sollte.

Im Rückblick ist die Zentralmatura eine Geschichte vieler Pannen. Ich glaube zwar, dass die allermeisten nicht mutwillig passiert sind, aber sie sind halt passiert und es gab Betroffene. Schlussendlich ist ja auch die Geschäftsführung des Bifie, das früher mit der Abwicklung der Zentralmatura betraut war, über diese Pannen gestolpert und wurde abgelöst. Zuletzt wurde die Abwicklung wieder ins Bildungsministerium zurück­geholt.

Ich will die Pannenserie nun nicht im Einzelnen ausschildern, denn ich glaube, Sie haben es alle noch im Ohr, dass es die letzten Jahre einfach nicht rund gelaufen ist. Meines Erachtens ist das Fazit: Es reicht nicht, an kleinen Stellschrauben zu justieren, denn wir brauchen eine Generalüberholung, die Zentralmatura muss zum Service. Wir müssen grundsätzlich daran schrauben, sonst sollte sie für das nächste Jahr nicht mehr das Pickerl bekommen. – Das ist der Eindruck, den sehr viele teilen, weswegen ich der Meinung bin, dass wir es auch gemeinsam anpacken sollten.

Zuletzt sind auch die Lehrerinnen und Lehrer aufgestanden, die vor allem betreffend Mathematik ihre Beschwerden formuliert haben. Sie sprechen davon, dass sie das Instrument „in der gegenwärtigen Form für ungerecht [halten], ungeeignet, die mathe­matischen Kompetenzen angemessen abzubilden, ungeeignet, um die Studierfähigkeit in den MINT-Fächern [...] sicherzustellen, problematisch, was den Einfluss auf den Mathematikunterricht der Oberstufe insgesamt betrifft.“

 


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