Natürlich wird es bei solch einem Thema wie der Zentralmatura immer Beschwerden geben, das ist klar. Diese Art von Analyse, dass der allgemeine Glückszustand nicht ausbricht, werden sicherlich auch ehemalige Ministerinnen formulieren können. Man kann aber in andere europäische Länder schauen, die mit einer teilzentralen Matura schon länger Erfahrung haben. Man wird dann feststellen, dass diese in diesen Ländern als wichtiges Instrument umfassend gesellschaftlich anerkannt ist.
Es gibt zudem Länder, die dieses Instrument der Zentralmatura umfassend für Schulentwicklungsprozesse nutzen, was mir, Herr Minister Faßmann, ein ganz besonderes Anliegen ist. Die Zentralmatura wurde vor zehn Jahren als ein Instrument angestoßen, und de facto hängt sie irgendwie ungenutzt und ein Stück weit orientierungslos im bildungspolitischen Raum. Es handelt sich um die größte strukturierte Evaluierung der maturaführenden Schulen Österreichs, die jedes Jahr wiederkehrend mit großem Aufwand gemacht wird. Wir bekommen immens viele Daten. Was machen wir damit? – Eigentlich nicht viel, um nicht zu sagen, nichts.
Das kann natürlich nicht sein. Ich kann es als Zwischenschritt akzeptieren, dass man sagt: Wir führen das Ding einmal ein und dann schauen wir weiter! – Im zehnten Jahr aber muss uns doch mehr dazu einfallen, als dass wir einen Datenfriedhof haben, der nicht einmal besucht und auch in keiner Art und Weise gewürdigt wird. Wir müssen einen Schritt weiterdenken, und zwar zum Wohle der Schülerinnen und Schüler, der Eltern sowie der Lehrerinnen und Lehrer.
Unsere Marschrichtung ist klar. Wohin wollen wir mit einer Zentralmatura Neu? – Wir wollen zu einer teilzentralen Matura. Diese soll erstens abgeschlankt sein, also schlanker als bisher sein. Zweitens soll sie wirklich einheitlich sein, denn das ist sie heute nicht. Drittens soll sie extern ausgewertet werden und nicht vom eigenen Lehrer oder von der eigenen Lehrerin. Viertens soll sie auch ein Sprungbrett für planvolle Schulentwicklung sein.
Wir haben in Österreich wenig Tradition im Bereich der Schulentwicklung. Wir haben keine Tradition, das Schulsystem und die Schule selbst – jede einzelne – als lernende Organisationen zu begreifen. Ich sehe ein gewaltiges Weiterentwicklungspotenzial darin, wenn wir uns ein neues Mindset, eine neue Bewusstseinshaltung geben und sagen: Ja, eine Schule ist eine Organisation, und eine Organisation ist ein soziales Lebewesen! Ein soziales Lebewesen ist immer unterwegs, denn jedes Leben wandelt sich, und zwar hoffentlich zum Besseren! Man muss aber auch dranbleiben, denn wer stillhält, fällt zurück.
Machen wir einen Schritt zurück und fragen, was die Intention des Gesetzgebers war, was das Ziel der Reifeprüfung ist und wie dieses auf der Website des Bildungsministeriums ausgeschildert wird: „Höchstmögliche Objektivität, Transparenz und Vergleichbarkeit von Schüler/innenleistungen – Erhöhung der Aussagekraft von abschließenden Prüfungen im Sinne einer Ergebnisverantwortlichkeit“. – So steht es auf der Website. Das macht Sinn. Nun müssen wir das Instrument halt nachschärfen.
Ich gehe nun zu unseren Zielsetzungen. Abschlanken: Warum ist es uns derzeit zu breit? – Die Zentralmatura wird derzeit in zu vielen Fächern abgehalten. Sie wird in Mathematik, Deutsch und Englisch abgehalten – so weit sind wir einverstanden. Ich glaube, was wir nicht brauchen – lassen Sie uns gemeinsam darüber diskutieren, würde ich sagen –, sind die Fächer Französisch, Italienisch, Spanisch, Griechisch und Latein sowie die Minderheitensprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch – wir sind große Fans der Minderheitensprachen und haben ganz andere Vorschläge gemacht, um diese auch im Schulsystem entsprechend zu würdigen.
Ich glaube, wir sollten und können uns in einer teilzentralen Matura auf jene Fächer konzentrieren, die im Kern auch die allgemeine Hochschulreife darstellen. Man kann
HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite