Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll28. Sitzung, 13. Juni 2018 / Seite 126

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Das eine sind sicherlich die Texte. Die Texte sind schwierig formuliert, oft sehr lang und episch breit, bis man dann auf das eigentliche mathematische Problem drauf­kommt. Hier haben, glaube ich, die Autoren und Autorinnen dieser Beispiele vielleicht die Präzision zu ernst genommen oder sie wollten zeigen, dass Mathematik auch ein sehr praktisches Fach sein kann. Da werden die Geschichten vom Fallschirmjäger erzählt, der vergisst, seinen Fallschirm loszumachen und der dann irgendwann ab­stürzt, und man muss berechnen, glaube ich, nach wie vielen Sekunden er sein Amen sagen darf. Auf diese Dinge sollte es ja gar nicht so sehr ankommen, Text und Auf­gabenstellung sollen angeschaut werden.

Wir müssen uns sicherlich das Bewertungsschema anschauen, denn wenn jemand alles richtig macht, aber sich blöd bei einem Rechenfehler verhaspelt, sind das dann aber null Punkte, denn es muss alles richtig sein oder es ist nichts richtig. Diese dichotome Null-eins-Entscheidung ist also schon ein Problem.

Wir müssen sicherlich die Grundkompetenzen durchgehen. Herr Strolz, Sie haben sich für Ihren Antrag ja, denke ich, vorbereitet, und in Mathematik gibt es beispielsweise 50 Grundkompetenzen. Es ist eine Frage, ob jetzt Differentialquotient oder Differen­zenquotient eine Grundkompetenz sein muss – Herr Taschner, Sie werden mir viel­leicht in Ihrer Antwortrede dann auch Antwort geben können. Es ist eine normative Setzung einer Gruppe von Personen gewesen, die gesagt hat, dass das eine Grund­kompetenz ist. Da können wir ohne Weiteres einmal durchschauen, ob das alles so wichtig ist oder ob nicht andere Dinge wichtig sind.

Ich denke auch, dass wir überlegen müssen, ob wir die Sache an den jeweiligen Schul­typ besser anpassen, weil natürlich unterschiedliche Schultypen eine unterschiedliche Mathematik-, Deutsch- oder Englischintensität haben. (Abg. Rosenkranz: Sehr richtig!)

Ich habe eben daher eine Arbeitsgruppe eingesetzt, und die Arbeitsgruppe besteht aus anderen Personen als jenen, die die standardisierte Reifeprüfung gemacht haben, denn sonst kann ich das Ergebnis vorwegnehmen: Die werden sich selbst bestätigen. Man muss eine Sichtweise von außen bekommen, und da sitzen Praktiker drinnen, auch Elternvertreter werde ich hineinnehmen, also eine durchaus beachtliche Stake­holdergruppe, und die sollen sich diese wesentlichen vier Fragen, die ich ihnen stelle, durchsehen.

Herr Strolz, da bin ich auch ganz bei Ihnen: Was wir aus der standardisierten Reife­prüfung herausbekommen, ist ein wunderbares Material für eine Evaluierung der jewei­ligen Schulstandorte. Wir wissen dann sehr gut, wo was wie gut funktioniert, Lern- und Lehrkultur können wir nachvollziehen. Das ist ein Datenmaterial, welches ausgewertet wird. Ich sehe es auch so, dass man dies den Schulen zur Verfügung stellen soll, denn Schulen sind ein lernendes System, es wäre traurig, wenn sie es nicht wären. Es ist also auch ein Ansatz dazu, selbst besser zu werden.

Ich wäre beim Abschlanken der Fächer einer Matura ein bisschen vorsichtig, denn wir brauchen dazu auch das Gegenüber, nämlich die Hochschulen, die da sicherlich ein Wörtchen mitreden müssen. Latein ist in manchen Fächern – vielleicht auch nur tra­ditionell bedingt – durchaus etwas, was wesentlich ist. Ich würde auch beim Veröf­fentlichen schulspezifischer Ergebnisse im Boulevard oder in interessierten Zeitungen vorsichtig sein, denn Sie wissen genauso wie ich, dass wir dann einen umgekehrten Effekt haben: Eltern, die es immer gut mit ihren Kindern meinen, schicken ihre Kinder dann nicht mehr dorthin, und die Schulsegregation erhöht sich.

Mein Schlusssatz: Ich habe die Optimierung selbst angekündigt. Der Antrag überrascht mich inhaltlich nicht, ich muss aber auch bei allem Respekt sagen: Ich hätte ihn nicht gebraucht, denn die Prozesse laufen in meinem Ministerium sowieso. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

 


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