Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll28. Sitzung, 13. Juni 2018 / Seite 132

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kommen und abgeprüft werden sollen – ist, wenn Sie so wollen, eine teilstandardisierte Reifeprüfung, denn die Fragestellungen im mündlichen Teil liegen in der Verant­wor­tung der Pädagoginnen und Pädagogen an den Schulen und bilden genau diese Schwerpunkte der Schulen entsprechend ab. (Beifall bei der SPÖ.)

Ich möchte auch mit einem Mythos aufräumen, der jetzt immer wieder im Raum stand, nämlich dass diese Fragen irgendjemand im stillen Kämmerlein erstellt und so das Schul­system besonders herausfordern beziehungsweise Lehrer oder Schülerinnen und Schüler quälen will. Das stimmt nicht. Es sind 180 Pädagoginnen und Pädagogen, die eigens dafür geschult sind, die tagtäglich in den Schulen unterrichten, in allen Bundes­ländern, in allen Schultypen. Diese Fragen werden von Praktikerinnen und Praktikern erarbeitet. Es gibt ein Qualitätssicherungssystem, in das zahlreiche ExpertInnen einge­bunden sind – aus den Fächern, aus den wissenschaftlichen Fächern, aus der Didaktik, aus der Testtheorie und aus allen Ebenen des Schulsystems. (Ruf bei der ÖVP: So schaut’s auch aus!)

Erstellte Fragen werden in Feldtestungen mit Tausenden Schülerinnen und Schülern genau darauf überprüft, ob sie machbar und verständlich sind. Das ist, wie ich meine, ein recht gut abgesichertes Kriterienset, um diese Fragen zu testen (Ruf: Nein, ist es nicht!), und nur jene Fragen, die all diese Kriterien erfüllen, kommen in den Fragenpool für die Matura. So weit, so gut.

Lieber Matthias! (Abg. Strolz: Ja?) Der Prozess der Einführung der standardisierten Reife- und Diplomprüfung ist politisch seit zehn Jahren auf dem Weg, da gebe ich dir schon recht, aber im Vollausbau, mit der Teilnahme aller Schulen, haben wir jetzt genau drei Jahrgänge. Es gab eine Pilotphase, es wurde 2015 evaluiert. Auf Basis dieser Evaluierung hat man gelernt und hat dann erstmals 2015/16 alle Schülerinnen und Schüler der AHS und BHS in diese Reifeprüfung übernommen. Das heißt, das Projekt ist jung, und es ist ein großes Projekt, das da gestartet wurde.

Klar ist, dass man aufgrund dieser fehlenden langjährigen Erfahrung bezüglich der zentralen standardisierten Reife- und Diplomprüfung jedes Jahr aufs Neue hinschauen muss, dass man schauen muss, ob das passt, ob die Kriterien wirklich erfüllt sind, und dass man natürlich Verbesserungsmöglichkeiten immer wieder aufnehmen muss, und das ist in den letzten Jahren geschehen.

Im Übrigen lohnt auch ein Blick über die Grenzen. Es ist ganz, ganz klar, dass die Einführung eines so großen Themas wie der Zentralmatura Kinderkrankheiten hat und dass da immer wieder nachjustiert werden muss, selbst bei bester Vorbereitung. Das soll keine Ausrede sein, aber ich finde, dass gerade in den drei Jahren des Voll­ausbaus, in denen wir jetzt alle drinnen hatten, recht viel geglückt ist. Von organi­satorischen Pannen war da gar nichts mehr zu sehen. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Zadić.)

Anstatt jetzt herzugehen und an den Grundfesten zu rütteln, zu sagen, wir hauen jetzt alles wieder über den Haufen und fangen an, neu nachzudenken, finde ich, dass wir bei diesem Thema zentrale Reifeprüfung dranbleiben, hinschauen, nachevaluieren, nachjustieren und es besser machen sollten. Ich denke, das ist der richtige Schritt in die richtige Richtung. Wenn wir international schauen – das wurde heute immer wieder erwähnt –, dann sehen wir, dass ganz Europa zentrale Reifeprüfungen abführt, in unterschiedlichen Ausformungen.

Ich nehme zwei Beispiele heraus. In Frankreich gibt es bei der Reifeprüfung nur zentral erarbeitete Fragen, auch mündlich. Geprüft wird über Externe, das stimmt. In Finnland läuft bei der Reifeprüfung alles nur schriftlich, da gibt es überhaupt keinen mündlichen Teil mehr. Die Fragen werden zentral gestellt, von den eigenen Lehrern korrigiert, aber


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