Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll36. Sitzung, 5. Juli 2018 / Seite 217

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schenruf des Abg. Zanger. – Abg. Povysil: Das war nicht Thema!) – All diese Argu­mente, die Sie gegenüber Cannabis vorgebracht haben, kann ich eins zu eins auf Ziga­retten und eins zu eins auf Alkohol umlegen. (Beifall bei der Liste Pilz.)

Anscheinend ist in der FPÖ aber vieles möglich: Wenn nur Bundesminister Kickl seine Pferde hat (Zwischenruf des Abg. Jarolim) und Vizekanzler Strache seine Tschick rau­chen darf (Zwischenruf des Abg. Riemer), und zwar überall, wo er will, dann ist der
12-Stunden-Arbeitstag möglich und dann ist auch die Zustimmung zu Ceta möglich (Abg. Stefan: Ist Cannabisrauchen gesund? Sollen wir es machen?), dann wird an­scheinend vieles, vieles relativ gesehen.

Ich möchte zur Liberalisierung von Cannabis in der Medizin kommen. Anfang Juli 2018 ist in Kanada der Konsum von Cannabis gänzlich legalisiert worden, das heißt in allen Bereichen. Ein Hauptargument für diese Entscheidung war unter anderem für beide Kammern des Parlaments die bewiesene gute Wirksamkeit seiner Inhaltsstoffe in der Medizin. Viele Länder haben Cannabis als Medizin längst wiederentdeckt. Ich spreche da von den meisten US-Bundesstaaten – das ist bereits erwähnt worden –, die Canna­bis in der Schmerztherapie erlauben. In Europa steht die Zulassung in Irland bevor, ebenfalls in der Türkei. Die Niederlande, Tschechien und Portugal strafen den Eigen­gebrauch nicht mehr.

2017 legalisierte auch die Bundesrepublik Deutschland die Hanfproduktion für medizi­nische Zwecke. Mit dem richtigen Rezept können aktuell betroffene Menschen, die un­ter chronischen Schmerzen leiden, Marihuana in der Apotheke kaufen und als Thera­pie für schmerzlindernde Maßnahmen einsetzen. Ein entsprechender Beschluss ist im deutschen Bundestag einstimmig gefasst worden. Das heißt, es gibt einen stabilen gesellschaftlichen Konsens bei unserem Nachbarn. Die Wirksamkeit und Durchführung wird aktuell gerade evaluiert – das ist ein Wort, das in der österreichischen Politik be­sonders beliebt ist.

Zwischenstand der Evaluierung in Deutschland: Die Nachfrage ist so hoch, dass Can­nabis aus Österreich nach Deutschland geliefert wird, jenes Cannabis, das in Öster­reich von der Agentur für Ernährungssicherheit, der Ages, unter staatlicher Aufsicht pro­duziert wird.

Und in Österreich? – Seit Jahren fordern Schmerz- und Krebspatienten einen kosten­günstigen und einfachen Zugang zu Cannabis als Schmerztherapie. Mein ehemaliger Kollege Peter Kolba wurde nicht müde, seine persönliche Leidensgeschichte, seine ei­genen Erfahrungen und Empfindungen als Schmerzpatient ins Hohe Haus zu bringen und das hier zum Thema zu machen. Dafür möchte ich ihm ganz besonders danken. (Beifall bei Liste Pilz und SPÖ sowie des Abg. Riemer.)

Ich frage mich wirklich: Was spricht eigentlich dagegen, dass auch in Österreich nicht nur sauteure Medikamente wie unter anderem Dronabinol in Apotheken verkauft wer­den können, sondern auch Blüten und deren Inhaltsstoffe? Da brauchen wir nicht über den berühmt-berüchtigten Joint zu reden, wie Kollegin Povysil, sondern über Vaporisa­toren, bei denen dieser Inhaltsstoff zur Schmerztherapie einfach pur inhaliert werden kann.

Ich rede ja nicht von einer allgemeinen Legalisierung – bei dieser konservativen Grund­haltung würde ich mich davon gar nicht zu reden trauen, obwohl ich es grundsätzlich befürworten würde, wenn eine allgemeine Legalisierung stattfinden würde –, nein, ich spreche nur von der Legalisierung und Liberalisierung im medizinischen Bereich. Es geht wirklich nur darum, Cannabis so weit zu liberalisieren, dass es als Schmerzme­dikament zur Schmerztherapie eingesetzt werden kann, und zwar von einem Arzt ver­schrieben und kontrolliert, damit diese 1,8 Millionen Menschen, die in Österreich unter chronischen Schmerzen leiden, eine entsprechende Linderung erhalten und keine Opia-


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