Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll47. Sitzung, 16. November 2018 / Seite 80

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stimmung bei der Festlegung flexibler Arbeitszeitmodelle so gestärkt wird, dass auf betrieblicher Ebene möglichst vielfältige und ausgewogene Lösungsmodelle für Be­triebe und Belegschaft offen stehen.“

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Präsidentin Doris Bures: Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher mit in Verhandlung.

Als Nächster zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Alois Stöger. – Bitte.


14.39.30

Abgeordneter Alois Stöger, diplômé (SPÖ): Frau Präsidentin! Sehr geehrte Minis­terin­nen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es gibt einen Unterschied. Ich habe den Herrn Bundeskanzler beim Festakt anlässlich 100 Jahre Republik in der Staats­oper reden gehört. Und was ist der Unterschied?

Der Unterschied ist der: Wir haben uns die Demokratie erkämpft, und das Erste, was eine sozialdemokratische Regierung gemacht hat, war, die Menschen zu entlasten, nämlich in einer Zeit, in der man bis zu 60 Stunden in der Woche gearbeitet hat, den 8-Stunden-Tag einzuführen (Beifall bei der SPÖ) – 8 Stunden arbeiten, damals 48 Stun­den. Das war ein Zeitpunkt, zu dem man auch die Demokratie gestärkt hat – und ihr, liebe Regierungsparteien, redet von Flexibilisierung und wollt eigentlich den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche wieder einführen!

Reden wir über Flexibilisierung, reden wir darüber, wie wir die 4-Tage-Woche um­setzen! Reden wir darüber, wie die Beschäftigten in der Industrie, die Tag und Nacht arbeiten, eine 4-Tage-Woche mit 8 Stunden haben können! Reden wir darüber, wie die Menschen, die täglich in den Krankenhäusern arbeiten, eine Arbeitszeitverkürzung haben können! (Abg. Gudenus: Krankenhaus Nord zum Beispiel!)

Ich habe eine Studie der Arbeiterkammer gelesen, in der steht, 58 Prozent aller Be­schäftigten in Österreich können ihre Arbeitszeit nicht gestalten, haben keine Form der Autonomie – fast zwei Drittel. Nur 13 Prozent der Menschen, die in Österreich arbeiten, können ihre Arbeitszeit autonom bestimmen; das sind eher AkademikerInnen, die entsprechende Berufe haben. Es geht uns auch um diese, aber es geht uns um die 58 Prozent, um jene Menschen, die ihre Arbeitszeit nicht gestalten können. Wir brauchen mehr Autonomie. Reden wir darüber! Reden wir darüber, wie es einer Mutter geht, die ihre Kinder aus dem Kindergarten abholen will, die sie in die Schule bringen will. (Abg. Rosenkranz: Es gibt auch Väter, die ihre Kinder abholen! Gendern Sie richtig!) Da brauchen wir mehr Autonomie für die Arbeitnehmerinnen und Arbeit­nehmer. (Beifall bei der SPÖ.)

Noch einen Satz zum Herrn Bundeskanzler: Die Merkel ist in Berlin. (Abg. Leichtfried: Sie ist in Chemnitz!) – Sie ist in Chemnitz, okay. Der Macron ist in Paris. Die May ist in London. Und wo ist der Herr Kurz? – Der Herr Kurz fährt spazieren, weil er sich aus der Verantwortung stiehlt. (Zwischenruf des Abg. Rädler.) Er haut sich aus der Verant­wortung heraus – er ist nicht da! –, denn seine Aufgabe ist es, im Parlament zu sein, hier Verantwortung zu übernehmen. (Beifall bei der SPÖ)

Übrigens, meine Mutter hat mir erklärt, wenn man Mist baut, muss man dazu stehen. Der Herr Bundeskanzler könnte auch dazu stehen und hier im Parlament Rede und Antwort stehen. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenrufe bei der ÖVP.)

14.42


 


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