Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll68. Sitzung, 28. März 2019 / Seite 126

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Das Spannende war, dass Jugendliche dann zu mir gekommen sind und gefragt ha­ben: Warum nimmt uns die Politik nicht ernst? Was verstehen die Politiker und Politi­kerinnen nicht am Ernst der Lage?

Sie können sich das so vorstellen: Ich bin unterwegs mit meinem zehn Jahre jüngeren Bruder, und es war sehr emotional für mich, dazustehen und keine Antwort auf die Fra­ge zu haben, warum die Politik nicht so agiert, wie sie agieren sollte – es ist ihre Zu­kunft, es ist auch meine Zukunft –, nicht die nötigen Antworten zu haben, vor allem nicht die umgesetzten Maßnahmen. Wir hätten schon vor 30 Jahren – ich bin dieses Jahr 30 geworden – damit anfangen müssen, dann müssten wir nicht im Moment sol­che drastischen Maßnahmen setzen. (Beifall bei JETZT sowie der Abg. Duzdar.)

Eines kann ich Ihnen versichern: Diese Jugendlichen, diese Schülerinnen und Schüler meinen es ernst. Es ist eine unglaubliche Ernsthaftigkeit da gewesen, und diese Ernst­haftigkeit bleibt, denn sie veranstalten diesen Streik schon seit etlichen Wochen und Monaten wöchentlich und fordern sehr vehement eine mutige und radikale Klimapolitik.

Was bedeutet mutige und radikale Klimapolitik? – Das bedeutet, schnelle und weitrei­chende und beispiellose Maßnahmen der Umweltschutzpolitik im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel und globaler Klimagerechtigkeit zu setzen. Das ist eine klare Forderung, die von denen kommt, die vielleicht 20 Prozent unserer Gesellschaft sind, aber 100 Pro­zent unserer Zukunft. (Beifall bei JETZT.)

Ich spreche hier von Jugendlichen, die fordern, dass es seitens der Regierung eine kla­re und angemessene Kommunikation mit der Bevölkerung zur Dringlichkeit der Lage der Klimakrise gibt. Vielen Menschen da draußen ist die Vehemenz und die Wichtigkeit gar nicht bewusst, und wir müssen hier mit Fakten und Daten kommunizieren, die der Realität entsprechen, denn es geht hier um unsere Zukunft, es geht hier um eine Ernst­haftigkeit der Lage.

Die Jugendlichen fordern als dritten Punkt einen ambitionierten Plan zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und ein Ende der Finanzierung derselben. Dazu gehören auch eine ökosoziale Steuerreform und das Aussetzen von Subventionen und Steuerbe­günstigungen für alle fossilen Brennstoffe. – Das ist eine sehr klare Forderung, und nein, das sind keine Kinderträume, und es dürfen auch keine Kinderträume bleiben. Es sind keine Kinderträume und wir dürfen sie auch nicht so behandeln, zumal die vielen jungen Menschen, wir, die wir auf die Straße gegangen sind, von 23 000 Wissenschaft­lern und Wissenschaftlerinnen aus Österreich, aus der Schweiz und aus Deutschland unterstützt werden, die eine Stellungnahme zu den Forderungen von Fridays for Future abgegeben haben.

Diese besagt: „Nur wenn wir rasch und konsequent handeln, können wir die Erderwär­mung begrenzen, das Massenaussterben von Tier- und Pflanzenarten aufhalten, die natürlichen Lebensgrundlagen bewahren und eine lebenswerte Zukunft für [...] kom­mende Generationen gewinnen. Genau das möchten die jungen Menschen von ‚Fridays for Future/Klimastreik‘ erreichen.“

Meine Damen und Herren, hier geht es um die Zukunft! Ich wiederhole: Sie wollen eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen. Ist das zu viel verlangt? Die Ju­gendlichen meinen es ernst. Diejenigen, die dort waren, haben es nicht nur spüren, se­hen und erleben dürfen. Das Tragische ist, dass die Dringlichkeit von ihnen kommen muss, dass sie aufzeigen müssen. Ein Plakat beim Streik hat das sehr gut dargestellt. Die Aufschrift war: „Ihr habt verschlafen, wir sind der Wecker“. – Wir sind der Wecker, der euch aufwecken muss.

Das Spannende ist, wir drücken schon sehr lange auf den Snooze-Button, und das können wir nicht weiter verantworten. Wenn uns Jugendliche sagen, dass wir verschla­fen haben und sie uns hier aufwecken müssen, dann ist das ein trauriges Zeugnis. Das


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