Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll68. Sitzung, 28. März 2019 / Seite 158

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Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Biß­mann. – Bitte.


17.11.55

Abgeordnete Dipl.-Ing. (FH) Martha Bißmann (ohne Klubzugehörigkeit): Herr Präsi­dent! Geschätzte Damen und Herren! Bürgerinnen und Bürger! Geschätzte Frau Minis­terin! Ich bin hier am Pult Volksvertreterin und als private Person nicht wirklich relevant, erlauben Sie mir aber ausnahmsweise doch ein paar wenige persönliche Worte.

In meiner relativ kurzen Zeit als Abgeordnete hier im österreichischen Nationalrat habe ich schon so einige Höhen und Tiefen erlebt. In der Politik kann es richtig emotional werden, wenn man es ernst meint. Kein Thema hat mich jemals so stark berührt und aktiviert wie die Fridays-for-Future-Bewegung. Ich bin sehr oft auf den Demos, meist in Wien. Jedes Mal überwältigt mich das, was ich dort sehe, aufs Neue: junge Menschen, die die Sorge um ihre Zukunft scharenweise auf die Straße treibt und die dort einen echten, kräftigen Geist des Miteinanders leben. Diese Fridays for Future sind eine echte Bewegung, ein echter Game Changer.

In meiner Zeit vor der Politik habe ich als Energiewendeexpertin meinen Kopf mit an­deren begabten Menschen aus Europa zusammengesteckt und wir haben uns über­legt, wie wir den jungen Menschen das Thema Klimawandel vermitteln können, wie wir die nächste Generation für den Klimaschutz emotionalisieren, begeistern können. Es ist uns damals gelungen, an manchen Orten, in vielen Herzen und Köpfen so einiges zu bewegen. Nun aber ist sie endlich da, die erste globale Klimaschutzbewegung – eine lang ersehnte und bitter nötige Jugendbewegung, ein gemeinsamer Traum, ein wahr gewordener Traum über die Jugendbeteiligung am Klimaschutz.

In einem bin ich mir sicher: Fridays for Future wird größer als die 68er-Bewegung. 1,5 Millionen Jugendliche in über 2 000 Städten am 15. März waren erst der Beginn. Diese Bewegung, die anfangs als kleiner Streik begann, hat sich im Laufe der Zeit zu einer globalen Gemeinschaft entwickelt. Sie ist der Orkan, das Morgenrot und das Wasser, das die Mühlen der Politik endlich in Bewegung bringt. Wenn die gefährliche Erderhitzung in einen kontrollierbaren Klimawandel gedreht wird, dann wird die Weltge­meinschaft auch dank Fridays for Future dauerhaft eine andere sein – eine solidari­schere, eine friedlichere, eine weisere und eine umweltfreundlichere. Wir werden alle noch Zeugen dieses Wunders werden.

Geehrte Damen und Herren, eines muss uns bewusst sein: Beim Pariser Klimaschutz­abkommen geht es nicht um irgendein unverbindliches Ziel, ein Goodwill-Ziel. Öster­reich hat sich 2015 in Paris ganz klar für die Einhaltung des 1,5-Grad-Mittelwerts der Erderwärmung ausgesprochen und der internationalen Staatengemeinschaft sein Wort gegeben. Bei Nichteinhaltung drohen hohe Strafzahlungen.

Die heute stattfindende Debatte zu dem von meiner geschätzten Kollegin Stephanie Cox eingebrachten Dringlichen Antrag unterstreicht die Notwendigkeit und die Brisanz dieser aufstrebenden Bewegung. Vielen Dank, liebe Steffi, vielen Dank, Liste JETZT, für diese Einbringung.

Mit den Parents for Future, Scientists for Future und Teachers for Future schließen sich nun immer weitere Teile der Zivilbevölkerung dieser Bewegung an. Sie alle eint das Ziel, die EntscheidungsträgerInnen beim Wort zu nehmen, das sie gegeben haben: Die Zukunft der jüngsten und der kommenden Generationen zu sichern und das Pa­riser Ziel einzuhalten.

Zeigen wir Größe und Stärke und nehmen wir die Herausforderung an, die sich vor uns auftürmt. Die Vogel-Strauß-Taktik hat sich selten bewährt. Je länger wir zuwarten, des­to unaufhaltsamer wird das Unausweichliche. Lasst uns PolitikerInnen für die Zukunft


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