Ich habe dann Sie, Frau Bundesministerin, im Ausschuss gefragt, ob Sie sich zuständig fühlen. Sie haben sinngemäß gesagt, Sie seien bei dem Thema nicht 100 Prozent sattelfest. Ich sage es Ihnen ehrlich, ich auch nicht, denn technisch kenne ich mich zu wenig aus; aber ich sehe die Probleme und die Gefahren, die damit einhergehen. Sie haben dann ein wenig über den Hackerangriff im Deutschen Bundestag geredet. Das ist nicht das Problem, um das es der Europäischen Union geht. Der wesentliche Grund, warum wir diese Frühwarnsysteme brauchen, warum wir massiv etwas gegen Desinformation machen müssen, sind eben ausländische Trollfabriken wie jene, die die US-Wahlen beeinflusst und bei vielen anderen Wahlen auch etwas gemacht haben.
Jetzt sage ich Ihnen ehrlich: Wenn ich die Antworten von Bundesminister Blümel und von Ihnen höre, dann habe ich irgendwie das Gefühl, es fühlt sich niemand zuständig. Mir persönlich ist auch egal, wer sich zuständig fühlt. Ich glaube nur, es muss sich jemand zuständig fühlen, weil wir jetzt 60 Tage vor der Europawahl stehen – und die österreichische Bundesregierung sagt uns de facto: Wir haben da eine Person im Büro des Regierungssprechers, und die wird das alles regeln. Das ist fahrlässig, das ist gefährlich. Das ist ein Riesenproblem für unsere Demokratie und kann auch ein riesiges Problem für die anstehenden Europawahlen werden. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Jarolim: So kann man ja nicht Republik machen!) – Ja, man kann so wirklich nicht Republik machen.
Das Problem ist, glaube ich, dass einfach viele hier nicht wirklich wissen, was die Probleme in diesem Zusammenhang sind. Es gibt mittlerweile die Möglichkeit, über künstliche Intelligenz Fakebilder zu produzieren, den Fakebundeskanzler zu produzieren und ihm alle möglichen Worte in den Mund zu legen. Vielleicht kommen Sie dann drauf, wenn irgendwann einmal Bundeskanzler Kurz in einem Facebook-Video auf Sie zukommt und sagt: Na ja, die Balkanroute, die habe eigentlich gar nicht ich geschlossen, sondern das war jemand anderer!
Also das ist wirklich ein massives Problem. Wir müssen alles tun, dass dieses Problem im Zusammenhang mit den Europawahlen nicht zu einer Riesengefahr wird. Da geht es einerseits darum, dass wir Awareness schaffen, dass den Leuten überhaupt bewusst ist, was das bedeutet. Da geht es ganz stark darum, dass Medienkompetenz vermittelt wird. Es geht ganz stark darum, in die Erwachsenenbildung zu investieren.
Wenn man sich dann die Homepage erwachsenenbildung.at anschaut, findet man dort in etwa Folgendes: Ja, Medienkompetenz ist wichtig, wir haben das aber irgendwie vernachlässigt, es gibt kaum Angebote; aber das ist alles nicht so schlimm, denn in den anderen europäischen Staaten gibt es das auch nicht. – Das ist genauso fahrlässig.
Im Vorhabensbericht steht 23 Mal das Wort Cyber und sieben Mal das Wort Desinformation. Sie haben da offensichtlich Dinge hineingeschrieben, mit denen sich niemand intensiv beschäftigt, von denen wenige Leute wirklich eine Ahnung haben. Und ich wiederhole es noch einmal: Wir stehen 60 Tage vor der Europawahl, und ich halte das für eine massive Gefahr.
Wir haben als NEOS probiert, hier eine konstruktive Rolle zu spielen, wir haben im Innenausschuss einen Antrag zur Bekämpfung von Desinformation eingebracht. (Abg. Stefan: Nicht gelungen, oder?) – Selbstverständlich gelungen, Herr Kollege Stefan! Sie müssen die Anträge lesen, sie inhaltlich bewerten. (Abg. Stefan: Sie haben gesagt, Sie haben es probiert!) – Na ja, wir haben es probiert: Sie als Regierungsparteien sind immer die, die die Anträge der Opposition vertagen; das ist das Problem an diesem Parlament, wenn konstruktive Vorschläge der Opposition kommen. (Abg. Stefan: Also Sie haben es probiert!)
Wir haben einen Antrag im Zusammenhang mit Desinformation und dem Umgang mit Deepfakes eingebracht. Wir haben diese Woche einen Antrag im Zusammenhang mit
HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite