Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll84. Sitzung, 2. Juli 2019 / Seite 174

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Wir leben aber leider auch in einer Zeit und in einer Welt, in der leider immer mehr Menschen – obwohl es für viele klar ist und von vielen akzeptiert wird, dass es unterschiedliche sexuelle Neigungen gibt – das nicht nur irgendwie infrage stellen oder nicht nur Rechte von Homosexuellen einschränken wollen, sondern sehr bewusst dagegen agitieren und das auch sehr bewusst vorantreiben wollen. Diese meiner Meinung nach sehr reaktionäre Geisteshaltung sieht man in ganz anderen Bereichen auch, beispielsweise wenn es um die Frage der sexuellen Selbstbestimmung oder wenn es um reproduktive Rechte geht; es gibt eine Bürgerinitiative, die die Fristen­lösung infrage stellen will. Das sind alles Dinge, die mich sehr besorgt machen.

Es gibt noch etwas, was dem Fass in Wirklichkeit irgendwie den Boden ausschlägt, und das ist die angesprochene Konversionstherapie. Es ist schon angesprochen wor­den, aber man muss sich das noch einmal vergegenwärtigen: Da geht es wirklich darum, dass jemand das Ziel hat, jemandem seine homosexuellen Neigungen abzu­nehmen und ihn umzupolen. Irgendjemand, der diesen unwissenschaftlichen Schwach­sinn glaubt, glaubt, dass man jemandem eine andere sexuelle Neigung aufzwingen kann, also dass er dann entweder heterosexuell oder asexuell wird. Ich halte das für hanebüchen und absurd, dass es Menschen gibt, die glauben, dass so etwas in irgend­einer Art und Weise wissenschaftlich möglich sein soll. Das ist nicht nur – Kollege Engelberg hat es angesprochen – umstritten, sondern es ist vollkommener Schwach­sinn, dass man ernsthaft glaubt, dass man irgendeine sexuelle Orientierung umdrehen kann! Das ist etwas so Absurdes, dass es ärger nicht mehr geht. (Beifall bei Abgeord­neten von NEOS und SPÖ.)

Deswegen halte ich es für dringend notwendig, dass wir diesen Beschluss fassen. Ich bin sehr froh, dass wir das gemeinsam machen. Frau Kollegin Povysil hat gesagt, dass dadurch ja insbesondere Kinder und Jugendliche, die sich nicht wehren können, betroffen sind und dass es Menschen gibt, die sie in diese Therapie – man darf es ja gar nicht Therapie nennen, weil es ein solch unfassbarer Schwachsinn ist, dass allein der Begriff schon falsch ist – schicken. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir die­sem unwissenschaftlichen Irrsinn Einhalt gebieten müssen, und ich bin sehr froh, dass wir das heute so beschließen können. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeord­neten der SPÖ.)

16.03


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Frau Abgeordnete Schwarz ist zu Wort gemel­det. – Bitte.


16.03.10

Abgeordnete Gabriela Schwarz (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Frauen Ministerinnen! Meine Damen und Herren Kolleginnen und Kollegen! Vor allem liebe junge Menschen hier bei uns auf der Galerie und natürlich auch alle Zuseherinnen und Zuseher zu Hause! Ich bin normalerweise keine Freundin von Zitaten, aber ich glaube, dass einige Sätze, die mich zeit meines Lebens schon begleiten und von Goethe sind, da ganz gut passen – man muss nicht unbedingt gläubig sein, um dem zustimmen zu können –: „[...] wir können die Kinder nach unserm Sinne nicht formen; So wie Gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben, Sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren.“ – Damit ist eigentlich alles gesagt.

Jeder von uns kommt auf die Welt mit Anlagen, mit Talenten, mit Charakter, mit Haut-, mit Augenfarbe, mit was auch immer. Worauf es ankommt, ist, dass wir ein Leben lang gut begleitet und unterstützt werden, egal ob von der Familie oder von Freunden. Unterstützung ist die Konversionstherapie unter Garantie nicht, sondern ganz das Gegenteil. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ und NEOS.)

 


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