Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 220

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mehr vor, die werden nur zur Kasse gebeten, und deshalb: nach 45 Beitragsjahren eine abschlagsfreie Pension! – Danke. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Abg. Höfinger.)

16.46


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Niss. – Bitte.


16.46.30

Abgeordnete Mag. Dr. Maria Theresia Niss, MBA (ÖVP): Herr Präsident! Sehr ge­ehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Frau Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Gott sei Dank hat sich diese Diskussion wieder ein bisschen beruhigt, das ist nämlich nicht so gut für Ihren Blutdruck, muss ich sagen. In dieser Diskussion jetzt geht es um die Abschaffung der sogenannten Hacklerregelung. Wie wir heute schon öfter gehört haben, hat sie diesen Namen eigent­lich nicht verdient, aber es ist anscheinend eine Regelung, die die SPÖ für fair erachtet, sonst würden wir heute deshalb nicht dastehen.

Auf diese Fairness, auf diese sozialistische Fairness möchte ich ein bisschen näher eingehen. (Zwischenrufe der Abgeordneten Heinisch-Hosek und Drozda.) Gerade Sie, Herr Kollege Muchitsch, haben ja immer wieder argumentiert, dass 45 Jahre genug sind. Es ist richtig, 45 Jahre sind wirklich eine lange Zeit, aber ich weiß nicht, ob es ge­rechtfertigt ist, dass man ohne Abschläge vorzeitig in Pension geht, zumal das einen Nachteil für die nächsten Generationen bringt. Ist das die sozialistische Fairness? – Eure anscheinend schon, unsere ist es nicht. (Zwischenruf der Abg. Belakowitsch.)

Die abschlagsfreie Langzeitversichertenregelung wurde mit 1.1.2020 eingeführt. Davor konnte sie nicht in Anspruch genommen werden. Abschläge von 4,2 Prozent mussten in Kauf genommen werden. Jetzt frage ich mich: Ist es ein Glücksspiel, wann man geboren wurde, ob 1947 oder 1948? – Die SPÖ sieht das offensichtlich so, wir sehen das nicht so.

Die abschlagsfreie Langzeitversichertenregelung kann ab 62 Jahren in Anspruch ge­nommen werden, das heißt, quasi keine Frau kommt in den Genuss dieser abschlags­freien Langzeitversichertenregelung. Ich finde es ja ein bisschen komisch, dass die SPÖ, dass Sie, Frau Heinisch-Hosek, sich so echauffieren, dass dieser sogenannte Pen­siongap zwischen Frauen und Männern immer weiter aufgeht. Sie selbst tragen dazu bei! Letztes Jahr, im Jahr 2019, lag dieser Pensiongap bei 51 Prozent, und jetzt steigt er auf unglaubliche 67 Prozent. Ist das Ihre sozialistische Fairness, Frau Heinisch-Hosek? – Unsere ist es auf jeden Fall nicht. (Beifall bei der ÖVP.)

Ich komme zum letzten Punkt in Bezug auf Fairness: Die jetzigen Pensionen, sozusagen abschlagsfrei, sind um knapp 400 Euro im Monat höher, und das im Vergleich zu ohne­hin schon hohen Pensionen. (Ruf: Sauerei! Das ist eine Sauerei!) Komisch, dass die SPÖ das fair findet, wir finden auch das nicht fair.

Grundsätzlich, meine Damen und Herren, waren sich früher die Parteien eigentlich immer einig, dass zumindest das faktische an das gesetzliche Antrittsalter angepasst werden muss, und unter Ihrem Minister Hundstorfer – nennen Sie es, wie Sie wollen, ob er das abgeschafft hat oder ob er ein Bonus-Malus-System eingeführt hat – gab es jedenfalls diese abschlagsfreie Langzeitversichertenregelung nicht mehr; und es ist gut so. (Zwischenruf der Abg. Herr.) Ihr führt das ein – ich kann mir das, ehrlich gesagt, nicht erklären –, ihr schafft es wieder ab. Ich kann mir das nicht erklären und ich finde das eurem früheren Minister gegenüber auch nicht ganz fair. (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch.)

Meine Damen und Herren, die Abschaffung dieser abschlagsfreien Langzeitversicher­ten­regelung – ich gebe mir wirklich Mühe, das Wort Hacklerregelung nicht in den Mund


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