Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 254

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Sport ist nicht Hobby und auch nicht Freizeit – das auch –, Sport ist für unglaublich viele Menschen ihr Beruf, ihre Karriere und ihr Leben; sie leben vom Sport und für den Sport. 15 000 Sportvereine, fast 600 000 Ehrenamtliche, über zwei Millionen Mitglieder sind nicht nur ein volkswirtschaftlich bedeutender, sondern auch ein systemrelevanter Faktor. Trotzdem hat man seit Beginn der Krise von heute auf morgen ohne jegliche Differen­zierung einfach einmal alles verboten und zugesperrt. Man hat Spiele und Trainings untersagt, Saisonen beendet, ja man hat sogar Parks geschlossen und sogar das Laufen verboten. Da hat man sich an Absurditäten geradewegs überschlagen. Wenigstens haben Sie, sehr geehrter Herr Vizekanzler, jetzt, im zweiten Lockdown, zumindest schon verstanden, dass Spitzensport eine berufliche Tätigkeit ist und daher weiterlaufen muss. Ich gratuliere! Jetzt fehlt nur noch, dass Sie auch verstehen, dass Sport auch für die Gesundheit der Erwachsenen und vor allem der Kinder in diesem Land wichtig ist.

Dank Ihrer Maßnahmen stehen viele Vereine vor dem Nichts, sie haben keine Einnah­men, jedoch aber fortlaufende Kosten. Für Kunst und Kultur war sofort ein Hilfspaket vorhanden, für den Sport gibt es erst seit Mitte des Sommers einen Hilfstopf. Dennoch werden die Ver­eine immer wieder mit neuen Verordnungen und Zwangsmaßnahmen gequält; Stichwort Zuschauerbeschränkungen, wobei absolut niemand versteht, warum wir mittlerweile die fünfte anderslautende Zahl und Vorgabe haben und Sie nicht einmal einen Prozentsatz festlegen – orientiert am Fassungsvermögen der jeweiligen Sport­stätte, mit einem ge­schei­ten Hygienekonzept –, was den Vereinen viele Kosten und Schäden ersparen würde.

Aber nicht nur die Hilfsmittel sind notwendig – wobei ich wirklich hoffe, Herr Minister, dass Sie bei all dem Verordnungschaos Ihr Wort halten werden und wirklich alle Vereine auch die Mittel und die Hilfe bekommen, die sie brauchen. Ich hoffe, dass Sie zu dem Wort stehen, denn ansonsten sind Sie es, der für das größte Vereinssterben aller Zeiten verantwortlich ist.

Abgesehen von den Hilfsmitteln und Hilfsgeldern vermisse ich auch sonstige Initiativen, um dem Sport zu helfen. Wie sieht es zum Beispiel mit zusätzlichen Übertragungs­mög­lichkeiten sowohl im Fernsehen als auch via Onlinestreams aus? Gerade der Frauen­sport leidet unter den fehlenden Übertragungsmöglichkeiten. Der Frauensport ist Ihnen aber anscheinend nicht besonders viel wert, wie wir auch im Budgetausschuss gesehen haben, weil Sie nicht einmal sagen können, wie viel aus diesen Hilfsmitteln den Frauen tatsächlich zugutekommt.

Wie sieht es aus, Herr Minister, versuchen Sie, den Wegfall der vielen Sponsoren irgendwie zu kompensieren oder abzudämpfen, indem Sie zum Beispiel Sponsoring auch ohne Werbewert oder Spenden absetzbar machen?

Sehr geehrter Herr Minister, Sie verkennen seit Monaten vollkommen, wie wichtig der Sport für die Gesundheit der Bevölkerung und vor allem für unsere Kinder ist, und neh­men in Kauf, dass durch mangelnde Bewegung auf lange Sicht massive Kollateral­schäden entstehen. Aus dem ersten Lockdown wissen wir bereits, dass sich der Gesund­heitszustand der Bevölkerung durch Bewegungsmangel massiv verschlechtert hat. Jetzt schließen Sie – absolut unverständlicherweise – nicht nur die Schulen, son­dern verhin­dern auch wieder den Vereinssport und nehmen damit unseren Kindern jegliche Möglichkeit, sich ausreichend zu bewegen und Sport zu betreiben. (Beifall bei der FPÖ.)

Aus diesem Grund, sehr geehrter Herr Vizekanzler, sehr geehrte Damen und Herren, bringe ich auch folgenden Antrag ein:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Petra Steger, Kolleginnen und Kollegen betreffend „ausreichend Be­wegung sicherstellen und Sportstätten öffnen“

 


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