Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 504

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sprechen ja eine deutliche Sprache. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der NEOS.)

Den Schulen und den PädagogInnen heute noch auszurichten, dass unterbeschäftigte Lehrer – das ist jetzt nicht meine Wortwahl, die kommt aus dem Ministerium – für Betreuung und andere Dinge an der Schule eingesetzt werden sollen, finde ich schon wirklich zynisch; dazu nachher noch mehr.

Die LehrerInnen berichten noch immer von fehlenden Tablets, andere davon, dass Kinder zwar ein Endgerät haben, aber nicht genug Datenvolumen zu Hause, um über­haupt arbeiten zu könnten. Andere sagen, Schoolfox ist zwar angeschafft, aber noch nicht installiert. Die einen haben wenige Kinder an der Schule, die anderen haben 70, 80 Prozent der Kinder an der Schule. Man findet also ganz, ganz unterschiedliche Verhältnisse vor.

An dieser Stelle mein herzlichster Dank an die Pädagoginnen und Pädagogen in unseren Schulen, die mit ihrer Kreativität, mit ihrem Engagement und mit ihrer Leidenschaft Schule in dieser schweren Zeit gelingen lassen. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeord­neten der NEOS.)

Das Traurige an der ganzen Geschichte ist: Das alles wäre mit einer cleveren Test­strategie, die wir seit dem Sommer einfordern, nicht notwendig gewesen. Seit dem Sommer fordern wir diese ein und sagen: Pädagoginnen und Pädagogen bitte in ein Screeningprogramm aufnehmen, ähnlich wie es das in der Pflege, ähnlich wie es das im Krankenhaus gibt, sodass man Infizierte sehr rasch erkennen kann. Weiters ist die Verwendung von Schutzmasken, FFP2-Masken, die jetzt bestellt wurden – ein wenig spät, wie ich meine –, essenziell sowie eine wirklich frühzeitige Ausstattung von Schüle­rinnen und Schülern und Pädagoginnen und Pädagogen nicht nur mit Endgeräten, sondern auch mit erprobten Lernplattformen. Dann könnten nämlich die Schülerinnen und Schüler im regulären Schulunterricht, in regulären Klassenverbänden und nicht täglich neu zusammengewürfelt in Kleingruppen in der Schule sitzen, und am Nach­mittag in der Nachmittagsbetreuung werden sie noch einmal neu gemischt – und das in Zeiten von Corona.

Die Auswirkung auf unsere Kinder ist immens, das wissen wir. Nicht nur die kurzfristigen Bildungsverluste, sondern auch die mittel- und langfristigen Verluste reichen von 100 bis 200 Euro Einkommensverlust für jeden einzelnen Monat im Schullockdown, und die wirtschaftlichen Verluste und Kosten liegen bei 2 Milliarden Euro pro Monat mit geschlossenen Schulen.

Der Herr Bildungsminister wird mir jetzt an dieser Stelle wieder einmal erklären, dass er ja eh auch im Budget vorgesorgt hätte, weil nämlich für 2021 235 Millionen Euro für die Anschaffung von Computern im Budget vorhanden sind und bereits im Frühjahr 10 000 Endgeräte gekauft wurden. Diese mit 235 Millionen Euro budgetierten Computer landen im Schuljahr 2021/2022 in unseren Klassenzimmern, und da nur in der 5. und in der 6. Schulstufe, und drei Lehrer pro Klasse bekommen dann gnädigerweise auch noch einen. Wir wissen aber schon aus der ersten Phase des Lockdowns, dass es 140 000 Kinder gibt, die kein eigenes Endgerät zu Hause haben.

Was findet sich noch im Budget? – Ein Schmalspurchancenindex, einmalig für nächstes Jahr mit 15 Millionen Euro budgetiert – und das war es; als gäbe es Corona nicht, als hätten wir kein Problem. Wir brauchen aber dringend mehr Geld für Förderungen, für Förderstunden, für Pädagoginnen und Pädagogen, für Unterstützungspersonal et cetera, et cetera. Sibylle Hamann hat im „Falter“ noch ausgeführt, Sie würden unglaub­lich viel Geld in die Hand nehmen – ja, aber im Budget ist davon gar nichts zu finden.

 


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