Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll69. Sitzung, 10. und 11. Dezember 2020 / Seite 309

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ist natürlich wichtig, die Biodiversität zu schützen, Artenschutz zu betreiben, aber auch, den Wald zu pflegen und zu nutzen.

Mein eindringlicher Appell an das Hohe Haus ist: Windkraft ja, Fotovoltaik ja, Geothermie ja, aber vergessen Sie nicht die Biomasse! Vergessen Sie sie nicht; sei es, dass sie aus Reststoffen gewonnen wird, sei es, dass sie aus der Abfallwirtschaft lukriert wird, sehr wohl aber auch aus Substanzen der Land- und Forstwirtschaft. Wie sollen wir schwaches Holz, geschädigtes Holz anders verwerten als für Wärme, Verstromung oder andere erneuerbare Energien?

Greening the Gas im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz zu implementieren wäre ein großes Anliegen  Sie wissen das , aber auch, Holzgas und Holzdiesel zu produzieren. Letztere setzen bei der Verbrennung ungleich weniger CO2 frei als das fossile Erdgas.

Auch Biotreibstoffe sind ein Thema. Wir haben viel über den Verkehr diskutiert. Mein Fazit: Natürlich sind Radfahren und Zufußgehen gut, auch der Verzicht auf das Auto ist gut – wir haben das jahrelang propagiert, und Elektromobilität ist sicher eine Perspektive –,viele Menschen werden aber nach wie vor mit dem Auto fahren, und daher ist es sinnvoll, die Treibstoffe ökologischer zu machen und auch biogene Treibstoffe beizu­mischen.

Der Biokraftstoffbericht besagt ja, dass wir in etwa 1,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen, indem wir den fossilen Treibstoffen biogene Treibstoffe beimischen. Stellen wir also E10 oder auch B10 her und nutzen wir dafür Schadstoffe! Es geht nicht darum, hochwertige Lebensmittel zu verspritten, wir haben aber oft Mais, der verpilzt ist, der nicht einmal als Futtermittel verwendet werden kann, und diesen kann man dafür verwenden, oder Altfette, Altspeiseöle. Österreich ist da Technologieführer. Nutzen wir das bitte, das ist mein Appell an alle Parlamentsparteien! – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)

22.36


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Michael Bernhard. – Bitte.


22.36.21

Abgeordneter Michael Bernhard (NEOS): Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Wenn wir hören, dass es in Europa Hunderttausende Tote durch Lungenerkrankungen gibt, wenn wir hören, dass es volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von Milliarden Euro gibt, und wenn wir das im Jahr 2020 hören, dann denken wir an die Covid-19-Pandemie. In Wahrheit ist es aber so, dass wir das, was diese Hunderttausenden von Toten und diese volkswirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe jedes Jahr aufs Neue verursacht, schon viel länger akzeptieren: Luftverunreinigungen.

Das war in der Vergangenheit, in früheren Dekaden, noch viel schlimmer, es ist aber in Wirklichkeit so, dass die Luftqualität in Europa noch nicht überall gut ist, und je nach Wetterlage oder anderen Umständen ist sie unterschiedlich. Wir können noch nicht behaupten, dass wir ein System geschaffen haben – ein wirtschaftliches System, ein Mobi­litätssystem, ein Energiesystem –, das unsere Bevölkerung gesund hält. Es gibt Bundes­länder in Österreich, die stärker von Luftverschmutzung betroffen sind – wie zum Beispiel Tirol oder der Großraum Graz –, und es gibt andere, die weniger stark betroffen sind.

Internationale Abkommen sollen bewirken, dass jene persistenten organischen Schad­stoffe, die wirklich toxisch sind, reduziert, eingeschränkt, verhindert werden. Sie beschäf­tigen sich damit, wie wir auf verschiedene Schadstoffe in Zukunft ganz verzichten können, und sind enorm wichtig, weil sie die Weltgemeinschaft mitnehmen. Sie sind aber natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Wenn wir über die Frage reden, wie es um unsere Luftqualität steht, dann reden wir über klassische Umweltpolitik, über industrielle Land­wirtschaft, über industrielle Prozesse, über Reifenabrieb – egal ob von einem E-Auto oder


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