Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll69. Sitzung, 10. und 11. Dezember 2020 / Seite 321

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Präsidentin Doris Bures: Als Nächster ist Herr Abgeordneter Clemens Stammler zu Wort gemeldet. – Bitte.


23.19.02

Abgeordneter Clemens Stammler (Grüne): Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Minister! Wir haben viele Zahlen gehört, und ich werde noch weitere Zahlen nennen: Es sind 521 000 Tonnen Lebensmittel, die die Haushalte wegwerfen. Es sind 175 000 Tonnen, die in der Gastronomie und in der Hotellerie weggeworfen werden. Einzelhandel und Großhandel werfen 89 000 Tonnen weg, in der Landwirtschaft sind es geschätzt 167 000 Tonnen. Gesamt sind das 952 000 Tonnen – oder wie Kollege Wurm aufgerun­det hat: 1 Million.

Rund 40 Prozent der zum Verzehr erzeugten Kalorien, die in Österreich produziert worden sind, treten wir in die Tonne. Das ist eine Verschwendung, die außerhalb des Lebensmittelsektors so kaum vorkommt. Das ist ungefähr so, als würde man sechs Stück Winterreifen kaufen, vier montieren und zwei einfach wegwerfen.

Das sind 40 Prozent an Ammoniak, die umsonst produziert werden. Da wir beim Thema Klimaschutz sind und über Klimaschutz reden: Wir diskutieren in unseren Ausschüssen eine Ammoniakreduktion, wir riskieren ein Vertragsverletzungsverfahren, wir probieren mühsamst, den Prozentsatz zu drücken, aber 40 Prozent werfen wir in die Tonne; wir diskutieren über Nitratreduktion – 40 Prozent des Nitrats treten wir in die Tonne; Pesti­zidreduktion: 40 Prozent treten wir in die Tonne; 40 Prozent der Transporte treten wir in die Tonne. Gleichzeitig diskutieren wir über das Bauernsterben. Wir könnten ohne Quali­tätsverlust 40 Prozent mehr für Lebensmittel bezahlen, es ginge sich aus!

Ich glaube, wir machen heute tatsächlich den ersten Schritt in die richtige Richtung, und zwar in Richtung Würde. Wir holen uns die Würde zurück und vor allen Dingen holen wir die Würde der Bäuerinnen und Bauern zurück. Diese steht nämlich in Form der von ihnen produzierten Produkte in den Regalen, und auch davon treten wir 40 Prozent in die Tonne.

Ich glaube, es ist an der Zeit, voranzuschreiten. In einer hoch entwickelten Gesellschaft kann es nicht so schwer sein, ein bisschen Logistik in den eigenen Kühlschrank zu bringen. Deshalb noch ein Appell von mir, gerade in der Weihnachtszeit, über die Weih­nachtsfeiertage: Kauft weniger, kauft bessere Qualität, kauft biologische Qualität und genießt diese bis zum letzten Bissen! (Beifall bei Grünen und ÖVP.)

23.22


Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Josef Hechenberger. – Bitte.


23.22.15

Abgeordneter Ing. Josef Hechenberger (ÖVP): Geschätzte Frau Präsidentin! Ge­schätzte Frau Ministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ganz besonders aber geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! An und für sich ist heute ein guter Tag, da wir im Hohen Haus das Thema Lebensmittelverschwendung breit debattieren und Wege finden wollen, damit zukünftig weniger Lebensmittel verschwendet oder weggeschmis­sen werden.

Einerseits leben wir schon in einer interessanten Zeit: Lebensmittel waren noch nie so billig wie jetzt, gleichzeitig sind noch nie so viele Lebensmittel weggeworfen worden. 1970 hat der durchschnittliche Haushalt noch 35 Prozent des Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgegeben, 2019 sind es unter 10 Prozent.

 


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