Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll117. Sitzung, 8. Juli 2021 / Seite 190

HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite

Ja, das ist gut, wir stocken den Überbrückungsfonds, der heute zur Diskussion steht, jetzt um 10 Millionen Euro auf. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, das für die enorme kulturelle Vielfalt, in der Menschen tätig sind, zu beschließen. Man darf nicht vergessen, dass der Kunst- und Kulturbereich nach dem Flugverkehr und nach dem Tourismus europaweit die am drittstärksten betroffene Branche ist. Die Menschen, die in diesem Bereich gearbeitet haben und arbeiten, waren finanziell und auch existenziell sehr bedroht und betroffen. Daher glaube ich, dass es wichtig ist, diese 10 Millionen Euro jetzt zu beschließen und alle anderen Überbrückungsmaßnahmen und alle anderen Förder­fonds wahrscheinlich noch zu verlängern, aber vor allem eine langzeitig nachhaltige, ökologische, nicht nur den ökonomischen Regeln unterworfene Kunst- und Kulturstra­tegie zu diskutieren. (Beifall bei der SPÖ.)

18.08


Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Maria Großbauer. – Bitte.


18.08.13

Abgeordnete Maria Großbauer (ÖVP): Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher! Eineinhalb Jahre Ausnahmezustand liegen hinter uns: Ausnahmezustand für alle Lebensbereiche, Ausnahmezustand für die Gesellschaft, für uns als soziale Wesen, Ausnahmezustand natürlich auch für Kunst und Kultur, mit Aufgaben, die uns an und über die Grenzen gebracht haben, uns selbst auch.

Ich erinnere mich an viele Videokonferenzen, an eine ganz besonders, in einem Lock­down im Winter, mit vielen Künstlerlinnen und Künstlern, die mir sehr lange, sehr ein­dringlich, dramatisch ihre Situation erzählt haben. Wenn man dann irgendwann um 23 Uhr die Kamera ausschaltet und allein im Büro sitzt, dann sind das auch persönlich sehr, sehr emotionelle Momente in diesem letzten Jahr gewesen. Meine Oma hat immer gesagt: Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut ist. Irgendwie hat sie recht, ich habe zumindest zwei Dinge im Ausnahmezustand gefunden, die auch gut sind, es sind in Wirklichkeit aber beinharte Erkenntnisse.

In einem Ausnahmezustand erkennt man langfristige Probleme noch besser und in einem Ausnahmezustand erkennt man das Wesen seiner Mitmenschen, auch seiner politischen Mitbewerber, am allerallerbesten. Deshalb ist es auch für mich Zeit, am letzten Sitzungstag ein bisschen Resümee zu ziehen. Ich möchte mich zuerst bei allen in der Kunst und Kultur für die vielen konstruktiven Diskussionen, Gespräche per Mail, per Video, per Telefon bedanken.

Wir haben gemeinsam gearbeitet, diskutiert und auch gekämpft und verhandelt, damit es genügend Instrumente zur Unterstützung gibt, dass die Kultur auch bei den Öff­nungsschritten immer dabei war, dass die Budgets laufend aufgestockt worden sind. Das tun wir ja auch heute mit der Überbrückungsfinanzierung für die selbständigen Künst­lerinnen und Künstler.

Ein Resümee ist auch der Kunst- und Kulturbericht, den die Staatssekretärin gestern im Ministerrat vorgestellt hat. Es ist jedes Mal ein beeindruckender sehr detailreicher Be­richt. Insgesamt hat die Regierung im letzten Jahr über 1 Milliarde Euro in Kunst und Kultur investiert.

Ein Resümee ist aber auch, dass der Ausnahmezustand den Klimawandel beschleunigt hat, nämlich den politischen Klimawandel, die politische Kultur beeinflusst und verändert hat. Es war ein Jahr der Extreme, aber die Verrohung der politischen Sprache und die Mittel, mit denen in letzter Zeit Politik gemacht wird, schockieren nicht nur mich, sondern in Wirklichkeit die Menschen im ganzen Land. Das ist leider Gottes eine Unkultur geworden. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)

 


HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite