Umso mehr möchte ich aber ein positives Beispiel an politischer Kultur nennen, nämlich dich, lieber Sepp Schellhorn. Es ist wahnsinnig schade, dass du nicht mehr hier bist. Du weißt, ich schätze dich sehr. Es war jedes Mal großartig, mit dir zu diskutieren. Wir haben hart diskutiert. Ich habe den verbalen Schlagabtausch mit dir im Kulturausschuss geliebt. Er war immer respektvoll, es ging immer um die Sache. Du bist ein leidenschaftlicher Kämpfer. Du wirst auf jeden Fall im Kulturausschuss und sicher auch im Hohen Haus fehlen. Liebe Grüße an den Sepp! (Beifall bei Abgeordneten von ÖVP, Grünen und NEOS.)
Ein Resümee ist aber auch, dass wir neben der Krisenbewältigung parallel sozusagen auch reguläre Dinge, auch Langzeitthemen angegangen sind. Die Staatssekretärin war sehr aktiv – Stichworte: Fair Pay oder die zukünftige Finanzierung des Künstler-Sozialversicherungsfonds. Minister Faßmann hat ein neues Gremium für musikalische Bildung im Bildungsministerium eingerichtet. Es sind also auch viele Dinge auf den Weg gebracht worden.
Ein Resümee ist auch, dass viel im Bereich Culture Tech passiert ist. Ich war letzte Woche bei einer Veranstaltung, bei der österreichische Start-ups ihre Kulturprojekte, Culture-Tech-Projekte vorgestellte haben. Es waren auch einige Leute aus dem Silicon Valley von Open Austria dabei, die mir drei sehr interessante Dinge berichtet haben.
Erstens ist Österreich im Silicon Valley im Bereich Culture Tech Vorreiter. Wir können also mehr, als wir oft glauben und uns zumuten. Zweitens haben sie mir erzählt, dass Konzerne wie Google massenweise Künstler anstellen und engagieren, weil sie diese nämlich brauchen, um ihre Produkte zu gestalten, zu kreieren und überhaupt die Digitalisierung zu gestalten. Damit sind wir schon bei meinem Lieblingsthema: Wir brauchen unbedingt eine starke kulturelle Bildung in der Schule.
Der dritte Punkt war der Begriff digitaler Humanismus. Wir brauchen in der Digitalisierung natürlich rechtliche Rahmen, Fragen, Normen, Standards, aber auch ethische Prinzipien für neue Technologien. Wir müssen auch ernst nehmen, dass es in der Bevölkerung teilweise Zukunftsängste vor dieser fortschreitenden Digitalisierung gibt.
Jetzt wünsche ich aber Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, und auch Ihnen, sehr geehrte Zuseher, im Sommer hoffentlich einen Ausnahmezustand des Glücks, gefüllt mit menschlichen Begegnungen, mit Umarmungen, vor allem mit Kunst und Kultur; und das möglichst analog. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)
18.13
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Henrike Brandstötter. – Bitte.
Abgeordnete Henrike Brandstötter (NEOS): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Kunst ist heutzutage ja Verhandlung. Es ist der Umgang mit einem Werk. Es ist die Beziehung, die man zu einem Werk aufbaut, die das Werk auch interessant macht. Es ist die Reibung mit der Welt, die dann auch Kreativität ausmacht. Diese Reibung ist relevant und wichtig. Sie wird aber leider von ÖVP und Grünen einfach ignoriert: Es werden Anträge abgelehnt.
Es bräuchte ja Reibung, es bräuchte Auseinandersetzung, es bräuchte ja auch eine Debatte, aber die will man nicht. Man will diesen Austausch nicht und deshalb schickt man diese Anträge der Opposition in einen ewigen Orbit, wo sie dann herumkreisen. Man behandelt sie einfach nicht, sie werden vertagt. Man stellt sich keiner Debatte, man will sich nicht austauschen, man will nicht die Argumente hören, man ist auch nicht an unterschiedlichen Zugängen interessiert.
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