Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll160. Sitzung, 14. Juni 2022 / Seite 158

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schon auch Ihre Aufgabe gewesen, da vielleicht im Vorfeld einmal genauer hinzuschau­en, noch dazu, wenn es sich um einen so offensichtlichen und für jeden klar ersichtlichen Sachverhalt handelt. Diese Verantwortung können Sie nicht von sich weisen, sehr geehr­ter Herr Vizekanzler!

Bei diesem Tagesordnungspunkt geht es aber um den E-Sport. E-Sport hat ja in Öster­reich das große Ziel, als Sport anerkannt zu werden. Als Grundlage dafür hat das Sport­ministerium eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich eben mit den Anliegen aus dieser Szene, den rechtlichen und den politischen Rahmenbedingungen sowie auch der gesellschaftlichen Notwendigkeit auseinandersetzen sollte. Das Ergebnis aus dieser Ar­beitsgruppe ist der nun vorliegende Bericht.

Ehrlich gesagt, sehr geehrter Herr Vizekanzler, habe ich mir von diesem Bericht wirklich mehr erwartet! Teilweise liest er sich für mich so, als ob das gewünschte Ergebnis, näm­lich die Anerkennung des E-Sports als Sport, ein wenig herbeigeschrieben wurde. Mir fehlt dabei die kritische Auseinandersetzung. Das sieht man schon allein daran, dass es zum Beispiel ein eigenes Kapitel mit der Überschrift Mehrwert des E-Sports gibt, aber kein eigenes zu Gefahren und Risiken, und gerade in diesem Bereich gäbe es leider Gottes auch zahlreiche davon, die zu behandeln gewesen wären.

Mir fehlt eine sportwissenschaftliche Analyse, mir fehlt auch ein internationaler Vergleich. Ja, es gibt einige Länder, in denen der E-Sport bereits als Sport anerkannt wurde, aber gerade unsere Nachbarländer Deutschland und Schweiz haben sich erst vor Kurzem dagegen ausgesprochen. Der Deutsche Olympische Sportbund hat dazu sogar sehr klar Stellung bezogen und ist in einem 120 Seiten starken Gutachten zu dem Ergebnis ge­kommen, dass E-Sport eben gerade kein Sport ist.

Mir fehlt in diesem Bericht auch vollkommen die Einschätzung des organisierten Sports. Was sagt das Olympische Comité? Was sagt die BSO dazu? Ich frage mich: Interessie­ren Sie diese Meinungen von Vereinen und Verbänden überhaupt nicht? Davon finde ich in diesem Bericht nichts.

Was es dafür in diesem Bericht gibt, ist natürlich ein Kapitel zum gendergerechten Arbei­ten im E-Sport. Das ist klar! Das darf natürlich in einem grünen Ministerium nicht fehlen, aber insgesamt, sehr geehrter Herr Vizekanzler, ist das nicht die anständige, kritische Auseinandersetzung, die ich mir erwartet habe. Das ist wieder einmal eindeutig zu we­nig.

Insgesamt muss ich jedoch zugeben: Ja, E-Sport ist ein großes Thema, er wird immer populärer. Weltweit gibt es Millionen registrierte Spieler, auch in Österreich gibt es Tau­sende davon. Natürlich gibt es auch zahlreichen rechtlichen Klärungsbedarf, da bin ich mit den Grünen, die das im Ausschuss vorgebracht haben, ganz einer Meinung.

Ich verstehe auch den Wunsch nach der Anerkennung, es gibt aber nun einmal auch viele, viele Unterschiede zum herkömmlichen Sport. Es gibt viele Risiken im Bereich der Wetten und der Spielmanipulation, zahlreiche ungeklärte Fragen im Bereich des Do­pings und vor allem gibt es zahlreiche gesundheitliche Risiken, wenn Kinder und Jugend­liche, aber auch Erwachsene zu viel Zeit vor den Bildschirmen verbringen. Ehrlich gesagt tut es mir auch als ehemaliger Profisportlerin, muss ich sagen, fast richtiggehend weh, E-Sport als Sport zu bezeichnen.

Eines muss ich in diesem Zusammenhang auch noch sagen: Auch der Zeitpunkt ist ein­deutig der falsche. Ich halte es in einer Zeit, in der dank dieser Bundesregierung und ihren unverhältnismäßigen Coronamaßnahmen den Kindern die Bewegung wie gesagt richtiggehend abgewöhnt wurde, weil sie zu Hause im Lockdown gesessen sind oder weil ihr Verein zugesperrt wurde, für kontraproduktiv, diesen Trend ausgerechnet durch eine Anerkennung des E-Sports noch zu fördern.

 


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