Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll160. Sitzung, 14. Juni 2022 / Seite 159

HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite

Sehr geehrter Herr Vizekanzler, Sie haben damit dramatische Schäden bei unserer Ju­gend verursacht. In dieser Situation müsste vielmehr alles getan werden, die Kinder und Jugendlichen weg von den Bildschirmen, weg von den Computern zu bekommen, und nicht, dieses Verhalten noch zu fördern. Aus diesem Grund halte ich es auch weiterhin für sehr wichtig, dass es eine klare Abgrenzung zwischen dem herkömmlichen Sport und dem E-Sport gibt.

Ja, wie gesagt, es ist ein großer gesellschaftlicher Trend, der auf junge Menschen ein­wirkt, ja, es sollen rechtliche Rahmenbedingungen geklärt werden. Da erwarte ich mir auch einmal konkrete Gesetzesvorschläge von Ihnen, über die wir dann im Detail auch diskutieren können – diese liegen leider Gottes bis heute gleichfalls nicht vor.

Für mich gibt es jedenfalls eine klare Abgrenzung, wann eine Aktivität aus sportpoliti­scher Sicht förderungswürdig ist: Sie ist dann förderungswürdig, wenn ihre vermehrte Ausübung einen gesellschaftlichen, zum Beispiel einen gesundheitlichen Mehrwert, ei­nen Nutzen hat. Die Frage ist also: Trägt eine Aktivität, die im weitesten Sinn als sport­lich bezeichnet werden kann, zur Erhöhung dieses Nutzens bei? – Das sehe ich beim
E-Sport nicht.

Sehr geehrte Damen und Herren! Noch einmal zum Abschluss: Sorgen Sie, anstatt sich in dieser Zeit – gerade in dieser Coronazeit, in der wir uns noch immer befinden – mit der Anerkennung von E-Sport zu beschäftigen, endlich dafür, dass wieder echte Bewe­gung gefördert wird, dass unsere Kinder und Jugendlichen wieder einen gesunden Le­bensstil haben, dass sie hinaus in die Vereine gehen, dass sie Sport machen, und hören Sie endlich damit auf, mit vielleicht weiteren Maßnahmen, die im Herbst kommen, noch mehr Schäden anzurichten, als Sie das ohnehin schon getan haben! (Beifall bei der FPÖ.)

16.49


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Zorba. – Bitte.


16.49.22

Abgeordneter Süleyman Zorba (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegin­nen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Auf den ersten Blick mögen Gaming und Sport wie unüberwindbare Gegensätze wirken, E-Sport zeigt uns jedoch, dass diese beiden Welten im professionellen Bereich mehr Gemeinsamkeiten als Diffe­renzen haben. Wie auch im traditionellen Sport sind die Gemeinschaft und das Vereins­leben ein sehr wichtiger Bestandteil des Gesamten, natürlich neben der körperlichen und mentalen Fitness.

Erfolgreiche E-SportlerInnen verfügen nicht selten über Reflexe wie eine Tennisspiele­rin, die Geschicklichkeit eines Bogenschützen oder den Kampfgeist einer Fußballspiele­rin oder eines Fußballspielers. Neben den Preisgeldern, die sich mittlerweile im Millio­nenbereich bewegen, gibt es auch aus kultureller Sicht starke Ähnlichkeiten zum traditio­nellen Sport. Durch die wachsende Beliebtheit sind E-Sport-Turniere mittlerweile zu Großereignissen geworden. So haben dieses Jahr in Katowice Zehntausende Zu­schauerInnen vor Ort mitgefiebert und weitere Millionen über die verschiedenen Strea­mingplattformen zugesehen. Wir sehen also, dass auch E-Sport Massen bewegt und begeistert, und die Tendenz ist steigend.

Allerdings verfügt der traditionelle Sport über etwas, das dem E-Sport bis heute verwehrt bleibt: die Anerkennung. Um diesen Missstand zu beheben und auch die Fragen rund um die Thematik zu bearbeiten, haben wir letztes Jahr hier gemeinsam eine Arbeitsgrup­pe eingefordert und beschlossen. Seitdem haben StakeholderInnen in mehr als 300 Sit­zungsstunden und verteilt über sieben Untergruppen einen Bericht mit konkreten Hand­lungsoptionen und Möglichkeiten, diese Problemfelder aufzulösen, ausgearbeitet.

 


HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite