Sehr geehrter Herr Vizekanzler, Sie haben damit dramatische Schäden bei unserer Jugend verursacht. In dieser Situation müsste vielmehr alles getan werden, die Kinder und Jugendlichen weg von den Bildschirmen, weg von den Computern zu bekommen, und nicht, dieses Verhalten noch zu fördern. Aus diesem Grund halte ich es auch weiterhin für sehr wichtig, dass es eine klare Abgrenzung zwischen dem herkömmlichen Sport und dem E-Sport gibt.
Ja, wie gesagt, es ist ein großer gesellschaftlicher Trend, der auf junge Menschen einwirkt, ja, es sollen rechtliche Rahmenbedingungen geklärt werden. Da erwarte ich mir auch einmal konkrete Gesetzesvorschläge von Ihnen, über die wir dann im Detail auch diskutieren können – diese liegen leider Gottes bis heute gleichfalls nicht vor.
Für mich gibt es jedenfalls eine klare
Abgrenzung, wann eine Aktivität aus sportpolitischer Sicht
förderungswürdig ist: Sie ist dann förderungswürdig, wenn
ihre vermehrte Ausübung einen gesellschaftlichen, zum Beispiel einen
gesundheitlichen Mehrwert, einen Nutzen hat. Die Frage ist also:
Trägt eine Aktivität, die im weitesten Sinn als sportlich bezeichnet
werden kann, zur Erhöhung dieses Nutzens bei? – Das sehe ich
beim
E-Sport nicht.
Sehr geehrte Damen und Herren! Noch einmal zum Abschluss: Sorgen Sie, anstatt sich in dieser Zeit – gerade in dieser Coronazeit, in der wir uns noch immer befinden – mit der Anerkennung von E-Sport zu beschäftigen, endlich dafür, dass wieder echte Bewegung gefördert wird, dass unsere Kinder und Jugendlichen wieder einen gesunden Lebensstil haben, dass sie hinaus in die Vereine gehen, dass sie Sport machen, und hören Sie endlich damit auf, mit vielleicht weiteren Maßnahmen, die im Herbst kommen, noch mehr Schäden anzurichten, als Sie das ohnehin schon getan haben! (Beifall bei der FPÖ.)
16.49
Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Zorba. – Bitte.
Abgeordneter Süleyman Zorba (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Auf den ersten Blick mögen Gaming und Sport wie unüberwindbare Gegensätze wirken, E-Sport zeigt uns jedoch, dass diese beiden Welten im professionellen Bereich mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen haben. Wie auch im traditionellen Sport sind die Gemeinschaft und das Vereinsleben ein sehr wichtiger Bestandteil des Gesamten, natürlich neben der körperlichen und mentalen Fitness.
Erfolgreiche E-SportlerInnen verfügen nicht selten über Reflexe wie eine Tennisspielerin, die Geschicklichkeit eines Bogenschützen oder den Kampfgeist einer Fußballspielerin oder eines Fußballspielers. Neben den Preisgeldern, die sich mittlerweile im Millionenbereich bewegen, gibt es auch aus kultureller Sicht starke Ähnlichkeiten zum traditionellen Sport. Durch die wachsende Beliebtheit sind E-Sport-Turniere mittlerweile zu Großereignissen geworden. So haben dieses Jahr in Katowice Zehntausende ZuschauerInnen vor Ort mitgefiebert und weitere Millionen über die verschiedenen Streamingplattformen zugesehen. Wir sehen also, dass auch E-Sport Massen bewegt und begeistert, und die Tendenz ist steigend.
Allerdings verfügt der traditionelle Sport über etwas, das dem E-Sport bis heute verwehrt bleibt: die Anerkennung. Um diesen Missstand zu beheben und auch die Fragen rund um die Thematik zu bearbeiten, haben wir letztes Jahr hier gemeinsam eine Arbeitsgruppe eingefordert und beschlossen. Seitdem haben StakeholderInnen in mehr als 300 Sitzungsstunden und verteilt über sieben Untergruppen einen Bericht mit konkreten Handlungsoptionen und Möglichkeiten, diese Problemfelder aufzulösen, ausgearbeitet.
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