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Rede von Nationalratspräsidentin Doris Bures anlässlich des "Alfred Fried Photography Award" 2014 im Parlament

Montag, 15. September 2014

Sehr geehrte Herr Vize-Generaldirektor der UNESCO, Herr Eric Falt!
Sehr geehrte Generaldirektorin des International Press Institute, Frau Alison Bethel-McKenzie!
Sehr geehrter Herr Lois Lammerhuber!
Sehr geehrter Präsident der Photographischen Gesellschaft, Herr Werner Sobotka!
Liebe Jurymitglieder, liebe Preisträgerinnen und Preisträger!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich begrüße Sie sehr herzlich zu einem Premierenabend: Zum ersten Mal wird hier im Parlament der „Alfred Fried Photography Award“ überreicht. Und zugleich ist es auch für mich die erste offizielle Veranstaltung, zu der ich Sie hier im Haus als Präsidentin begrüßen darf.

Es war meine Vorgängerin Barbara Prammer, die entschieden hat, diesen internationalen Fotowettbewerb in die Räumlichkeiten des Parlaments zu holen und es war eine gute und richtige Entscheidung, für die ich dankbar bin. Denn Friede, Demokratie und Parlamentarismus bedingen einander und sind untrennbar miteinander verbunden.

Nur in einer demokratisch organisierten, gleichberechtigten und solidarischen Gesellschaft kann es anhaltenden Frieden geben. Deshalb ist ein Award, der sich mit Frieden auseinandersetzt, im Parlament, im Zentrum der Demokratie, sehr gut platziert.

Das Parlament ist bei aller Widersprüchlichkeit der Weltanschauungen und Meinungen, die hier aufeinanderprallen, ein Ort der Verständigung, der Kompromisssuche, des Ausgleichs – letztlich ein Friedensort. Es ist somit nur logisch, dass das Siegerbild im Parlament hängen wird. Die Menschen, die hier Politik machen, die Menschen die hier arbeiten oder die, die zu Besuch kommen, werden durch das Siegerbild auf das hohe Gut des Friedens hingewiesen.

Sehr geehrte Damen und Herren!

"Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts" – so hat es Willy Brandt zu Zeiten des Kalten Kriegs formuliert, als Ost und West keine andere Antwort auf politische Spannungen fanden als die massive nukleare Aufrüstung. Die damals drohende atomare Eskalation war es auch, die mich über die österreichische Friedensbewegung in die Politik geführt hat. Am Beginn meines politischen Engagements stand die Organisation der großen Friedensdemonstration im Jahr 1981.

Kalter Krieg und Eiserner Vorhang – sie sind mittlerweile so lange Geschichte, dass sie die ganz jungen Erwachsene nur mehr aus Erzählungen oder aus den Geschichtsbüchern und nicht mehr aus eigenem Erleben kennen. Das 20. Jahrhundert war durch extreme Verwerfungen gekennzeichnet. Das Jahr 2014 nehmen wir zum Anlass um uns diese kriegerischen Auseinandersetzungen, seine Ursachen und seine Folgen in Erinnerung zu rufen und bewusst zu machen.

Aber auch heute herrscht Krieg. Egal ob wir nach Syrien, nach Gaza, in den Irak oder die Ukraine blicken – für sehr viele Menschen ist Krieg auch heute eine tägliche Bedrohung. Für sehr viele Menschen ist Frieden auch heute nur ein brennender Wunsch.

Auszeichnungen wie die heutige sind eine wichtige Stimme für den Frieden. Und damit eine Stimme gegen Fanatismus, gegen übersteigerten Nationalismus, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, gegen die Eskalation von Konflikten und die Missachtung der Freiheit! Einen besseren Namenspatron als Alfred Fried hätte es für diesen Award nicht geben können. Dieser bedeutende österreichische Pazifist, Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger wird durch diesen Preis verdienterweise neuerlich in unser Gedächtnis gerufen.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich danke den Partnern, die diesen Bewerb gemeinsam mit dem Österreichischen Parlament ausrichten: der UNESCO, dem International Press Institute, der Photographischen Gesellschaft, der Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und –redakteure sowie der Edition Lammerhuber. Sie alle tragen gemeinsam dazu bei, dass 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges von Österreich aus eine klare, unmissverständliche Friedensbotschaft in die Welt hinaus getragen wird.

Persönlich danken möchte ich Herrn Lois Lammerhuber. Von ihm stammt nicht nur die großartige Idee zu diesem Wettbewerb. Er hat diese Idee mit viel Engagement und mit hohem Fachwissen und mit Sinn für die gesellschaftspolitische Bedeutung der Fotografie in die Tat umgesetzt.

Mein Respekt gilt nicht zuletzt den Mitgliedern der Jury. Sie hat die von 1.549 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingereichten 5.271 Fotografien gesichtet und bewertet – eine wahre Herkulesaufgabe, die nicht nur ein hohes Maß an Expertise, sondern auch viel Zeit und Energie erfordert. Ich denke, es ist gelungen, aus der Vielzahl an Einreichungen eine Shortlist zu erstellen, die der Intention dieses Wettbewerbs und dem hohen Niveau, das die Organisatoren selbst definiert haben, gerecht wird.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich wage zu mutmaßen: Uns alle, die heute gekommen sind um dem Friedenbild des Jahres zu applaudieren, eint eine große Friedenssehsucht. Aber: Die generelle, von allen Menschen dieser Welt gleichermaßen geteilte Friedenssehnsucht ist nach wie vor Utopie. Wir wissen es aus der Geschichte zur Genüge – und wie bereits erwähnt – erleben wir es derzeit eindringlich und in nächster Nähe: Es gibt auch jene, die nicht auf ein friedliches Zusammenleben aus sind, die den Konflikt suchen und von ihm profitieren. Umso mehr kommt es darauf an, der großen friedliebenden Mehrheit immer und immer wieder eine Stimme zu geben.

Der „Alfred Fried Photography Award“ ist eine solche Stimme, zudem eine überaus starke. Denn auch wenn es ein wenig überstrapaziert klingt: Bilder sagen mehr, als noch so viele Worte. Ich wünsche dem „Alfred Fried Photography Award“ eine gute Entwicklung, freue mich auf eine lang anhaltende Kooperation und gratuliere schon jetzt den Gewinnerinnen und Gewinnern 2014.