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Rede von Nationalratspräsidentin Doris Bures anlässlich des "Alfred Fried Photography Award 2015" im Parlament

Donnerstag, 17. September 2015

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich im österreichischen Parlament zur Verleihung des "Alfred Fried Photography Award 2015"!
Hoch verehrter Herr Kailash Satyarthi!

Es ist mir eine ganz besondere Freude und Ehre, dass Sie unsere Einladung nach Wien angenommen haben. Von Mahatma Gandhi, Ihrem großen und berühmten Landsmann, ist der Satz überliefert: "Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen." Und genau das ist es, was Sie tun: Sie haben es sich zu Ihrer Lebensaufgabe gemacht, Kindern eine Kindheit zu geben.

Für Ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und Jugendlichen und Ihren Kampf für das Recht aller Kinder auf Bildung wurde Ihnen im Vorjahr gemeinsam mit der Pakistani Malala Yousafzai der Friedensnobelpreis zuerkannt. Mahatma Gandhi selbst wurde zwar mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert. Es war ihm aber leider nicht vergönnt, ihn auch entgegen nehmen zu dürfen.

Umso schöner ist es, dass ihn nun ein Mann erhalten hat, der so sehr in Gandhis Geiste wirkt wie Sie, lieber Herr Kailash Satyarthi! Sie haben zehntausende Kinder aus der Zwangsarbeit befreit und geben jenen eine Stimme, die bisher nicht gehört wurden! Ich bin sehr froh, dass wir diese – Ihre – Stimme heute Abend hier im österreichischen Parlament hören werden und wir freuen uns auf Ihre Festrede.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Von Mahatma Gandhi stammt auch der berühmte Satz: "Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg." Frieden – dieser Wunsch, diese Sehnsucht, dieses Ziel allen menschlichen Fortschritts – hat sich noch zu keiner Zeit für alle Menschen dieser Welt erfüllt. Während Weltkriege historische Tatsachen sind, gilt der Weltfrieden nach wie vor als – oftmals belächelte – Utopie. Wir, die Nachkriegsgeborenen in Österreich, haben das große Privileg, dauerhaften Frieden zu kennen. Allzu leicht fällt es da, ihn als etwas Selbstverständliches zu betrachten.

Vor fast genau einem Jahr, bei der Verleihung des "Alfred Fried Photographie Award 2014", haben wir uns über die Krisenherde vor den Toren Europas ausgetauscht – über bewaffnete Konflikte im Irak etwa, in Afghanistan, Russland, der Ost-Ukraine und natürlich über den blutigen Bürgerkrieg in Syrien.

Heute, ein Jahr später, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Schauplätze von Krieg, Terror und bewaffneten Konflikten dieselben sind. Und dass sie näher, viel näher, an Europa gerückt sind. Der Krieg klopft an unsere Tür: Nicht mit Waffen und Kanonen. Sondern mit den nackten Händen derer, die vor Krieg, Terror und grausamster Verfolgung flüchten müssen. Die Opfer, die Zeugen dieser schrecklichen Kriege, suchen Schutz und Hilfe an den Toren Europas.

Die Europäische Union steht wahrscheinlich vor der größten Herausforderung ihres Bestehens. Vor der Herausforderung zu beweisen, dass sie nicht nur eine Wirtschaftsunion, sondern auch eine Solidar- und Wertegemeinschaft ist. Das ist eine sehr große, eine immense Aufgabe – für jedes einzelne Land der Union und für die Union als Ganzes. Es ist eine Herausforderung an der Europa wachsen – oder aber zerbrechen kann.

Möglicherweise ist die aktuelle Krise aber auch eine Chance für Europa: Möglicherweise kommt aus ihr der Impuls, um ängstliche, althergebrachte Rezepte aufzugeben und neue mutige Wege einzuschlagen. Europa braucht Wachstum, Europa braucht einen Investitionsschub, Europa braucht neue Arbeitsplätze – für die Menschen, die schon hier leben und für die, die noch kommen!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Für über sechs Jahrzehnte, die zur Entwicklung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten beitrugen, hat die Europäische Union 2012 den Friedensnobelpreis erhalten. Nun ist die Union, nun sind wir alle, gefordert, zu beweisen, dass wir diesen größten aller Friedenspreise auch verdient haben!

In den vergangenen Tagen war ich sehr oft stolz auf die gelebte Solidarität und die Hilfsbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher! Ich wünsche mir, ich wünsche uns allen, dass wir auch stolz auf unser Europa sein können. Auf ein Europa des Rechts, der Freiheit und der Sicherheit! Auf ein solidarisches Europa!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Der "Alfred Fried Photographie Award" ist eine Stimme für den Frieden aus dem Zentrum der österreichischen Demokratie – dem österreichischen Parlament. Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Partnerinnen und Partnern, die diesen Award gemeinsam mit dem Österreichischen Parlament ausrichten:

  • der UNESCO,
  • dem International Press Institute,
  • der Photographischen Gesellschaft,
  • der Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und -redakteure
  • und last but not least der Edition Lammerhuber.

Mein ganz besonderer Dank gilt Lois Lammerhuber – er ist nicht nur Ideengeber und Initiator dieses Wettbewerbs. Seinem Fachwissen, seinem großartigen Engagement und seiner Begeisterungsfähigkeit ist auch die fulminante Entwicklung des Awards zu verdanken: Über 14.000 Fotografien von über 3.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 121 Ländern. So großes internationales Interesse, bereits im dritten Jahr seines Bestehens, das kommt nicht von selbst, dahinter steckt enormer Einsatz und dafür möchte ich mich – auch namens des österreichischen Parlaments – bedanken!

Mit der internationalen Beachtung wächst auch die Aufgabe der Jury: Über 14.000 Fotografien zu sichten und zu bewerten, das ist eine Aufgabe, die nicht nur Expertise, sondern auch sehr viel Zeit und Energie erfordert. Meinen herzlichen Dank und mein Respekt gilt daher auch allen Mitgliedern der Jury!

Und nicht zuletzt gilt unser aller Dank Frau Silvia Lammerhuber: Einen Preis aus privaten Mitteln zu dotieren, zeugt von großem Idealismus.

Lieber Herr Satyarthi!

Ihre Anwesenheit ist eine große Ehre und Freude für uns alle! Danke, dass Sie da sind! Ich wünsche Ihnen allen einen schönen und interessanten Abend und gratuliere schon jetzt den Gewinnerinnen und Gewinnern des "Alfred Fried Photography Awards 2015" ganz herzlich!