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Rede von Nationalratspräsidentin Doris Bures anlässlich des GPA-djp Bundesforum 2015 im Austria Center Vienna

Dienstag, 10. November 2015

Ich freue mich wirklich sehr, an dieser Stelle Grußworte an Sie, an so viele Gewerkschaftsfunktionärinnen und -funktionäre richten zu dürfen.

Und das hat auch zwei ganz konkrete Gründe: Erstens bin ich der "GPA – Druck-Journalismus-Papier" seit geraumer Zeit persönlich eng verbunden. Ich bin seit meiner Lehrzeit, also seit bald 40 Jahren, ihr Mitglied und habe vor, das auch in Zukunft zu bleiben Und zweitens halte ich Gewerkschaftsarbeit, also die Vertretung der Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für einen unentbehrlichen Bestandteil einer entwickelten und demokratischen Gesellschaft.

Eure Gewerkschaftsarbeit trägt ganz entscheidend zum sozialen Ausgleich und damit zum sozialen Frieden in Österreich bei.

Heuer sind es 70 Jahre, dass der Österreichische Gewerkschaftsbund und auch die Gewerkschaft der Privatangestellten nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet wurden. Die Liste der Erfolge der Gewerkschaften in diesen letzten sieben Jahrzehnten ist sehr, sehr lange: geregelte Arbeitszeiten, jährlich steigende Löhne, Gehälter und Lehrlingsentschädigungen, Mitbestimmungsrechte am Arbeitsplatz, Mindesturlaub und nicht zuletzt der Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Die Rahmenbedingungen aber, unter denen die Gewerkschaften ihre Tätigkeit erfüllen müssen, haben sich in diesen 70 Jahren drastisch verändert und sie sind durch die Globalisierung der Wirtschaft keineswegs einfacher geworden.

Wir erleben es täglich: Im langen Schatten der größten Finanzkrise seit den 1920er-Jahren ist der Kampf um Arbeitsplätze, um gerechte Einkommen und Verteilungsgerechtigkeit härter denn je!

Sie, die GewerkschafterInnen stellen sich dieser Heraus-forderung und Sie führen diesen Kampf täglich. Damit haben Sie großen Anteil daran, dass Österreich ein soziales, ein demokratisches Land ist, das die Folgen der Krise weit besser als andere Länder bewerkstelligt hat.

Seit eurem letzten Bundesforum habt ihr vor allem die Forderung nach Einkommensgerechtigkeit, nach einer deutlichen finanziellen Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, eben nach einer spürbaren Lohnsteuersenkung, beharrlich verfolgt. Und das mit Erfolg. Nach einer gemeinsamen Anstrengung des Bundeskanzlers und der Gewerkschaften konnte heuer im August tatsächlich eine Steuerreform beschlossen werden, die 6,4 Millionen Menschen in Österreich ab Jänner spürbar entlasten wird.

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich weiß, Ihr werdet Euch auch im Rahmen dieses Bundesforums wieder ehrgeizige Ziele setzen. Herausforderungen gibt es zuhauf: sei es das Schaffen neuer Arbeitsplätze, die gerechte Verteilung der bestehenden Arbeit, die Integration neuer Bürger in den Arbeitsmarkt oder die adäquate Qualifizierung, die Ausbildung der Beschäftigten. Die faire Verteilung der Arbeit, die faire Verteilung von Einkommen und damit die faire Verteilung von Lebenschancen ist ein Ziel, das uns alle eint! Ich bin überzeugt: Ihr werdet weiter erfolgreich sein!

Erlaubt mir – kurz noch – einen Aspekt anzusprechen, der mir wichtig erscheint: Nicht nur die Erwerbsarbeit muss in Zukunft fairer, gerechter aufgeteilt werden – auch die gesellschaftliche Arbeit, also die bezahlte und die unbezahlte Arbeit zwischen Männern und Frauen. Wie hat es euer Vorsitzender Wolfgang Katzian im heurigen Sommer bei eurer BetriebsrätInnenkonferenz so treffend formuliert? "Dieser unseligen Arbeitsteilung, Männer leisten die bezahlte Arbeit in der Gesellschaft und Frauen machen die unbezahlte, dafür dürfen sie dann Teilzeit arbeiten gehen, müssen wir ein Ende bereiten, das ist ein Gesellschaftsbild von vorgestern." Das passiert selten, aber: dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich danke euch allen dafür, dass ihr mit großem Engagement den Menschen täglich zur Seite steht. Dieses Land braucht engagierte Leute wie Sie! Nicht umsonst steht auf der Homepage eurer Bildungsabteilung ein Zitat von Antonio Gramsci: "Bildet euch, denn wir brauchen all eure Klugheit. Bewegt euch, denn wir brauchen eure ganze Begeisterung. Organisiert euch, denn wir brauchen eure ganze Kraft."

In diesem Sinne viel Erfolg und ein herzliches Glück auf!