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Trauerrede von Nationalratspräsidentin Doris Bures anlässlich der Beerdigung von Ari Rath

Montag, 16. Jänner 2017

Geschätzte Trauergemeinde!

Vergangenen Frühling war mein letztes Gespräch mit Ari Rath, bei einem gemeinsamen Mittagessen im österreichischen Parlament. Ich schätzte die Begegnungen mit ihm sehr: Ich bewunderte seine Stärke, sein Charisma und seine klugen Erzählungen.

Ari fand immer deutliche und direkte Worte. Er erzählte von dem Erlebten: dem Alltags-Antisemitismus im Wien vor 1938, den Gewalt-Exzessen kurz nach dem sogenannten Anschluss, den Pogromen, seiner Flucht, dem Verlust seiner Heimat. Er berichtete über die Jahre nach 1945, über den schleppenden und beschämenden Umgang Österreichs mit den Überlebenden und den Tätern.

Wir wissen: Es war ein langer – ein viel zu langer Weg bis Österreich sich seiner Verantwortung gestellt hat.

Die Nationalsozialisten haben Ari Rath aus Österreich vertrieben. In Israel hat er als Jugendlicher eine neue Heimat gefunden und ist zu einem unermüdlichen humanistischen Kämpfer geworden: Als leidenschaftlicher Journalist, als kritischer politischer Beobachter. Als Brückenbauer zwischen Generationen, Staaten und Gruppen. Als jemand, der aus tiefer Überzeugung für den Frieden eingetreten ist. Als steter Mahner gegen Rassismus, Antisemitismus und Gewalt. Ari ist nie müde geworden, seine ganze Kraft für das Gute, das Bessere, das Versöhnende einzusetzen. Und so näherte er sich Österreich und seiner Geburtsstadt Wien mit offenem Herzen wieder an. Er selbst sagte einmal: "Ich bin ein Israeli mit Wiener Wurzeln, und das bin ich auch heute, und das werde ich auch immer bleiben."

Nun ist Ari zurückgekehrt. Von Wien, nach Israel, in einen Kibbutz. Er wird hier – neben seinem Bruder Max – seine letzte Ruhe finden. Als Präsidentin des österreichischen Nationalrates ist es mir ein tiefes persönliches Bedürfnis, dass seine alte Heimat ihm heute – hier an seinem Grab – die letzte Ehre erweist.

Geschätzte Trauergemeinde!

Wir haben einen großen Menschen verloren, einen Löwen. Einen Zeitzeugen, der tausende junge Menschen geprägt hat. Er war uns allen ein Vorbild mutig zu sein und unsere Stimme zu erheben, ganz besonders dann, wenn Unrecht geschieht.

Am 5. Mai 2015 war Ari Rath das letzte Mal als Zeitzeuge im österreichischen Parlament. Er sagte an diesem Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus: "Solange unsere Stimmen noch gehört werden können, werden wir gegen das Vergessen dieser Verbrechen mahnen."

Aris Stimme hat uns am Freitag verlassen. Aber seine Worte haben viele, sehr viele geprägt. Seine Worte werden bleiben. Dafür können wir nicht dankbar genug sein.

Danke Ari – toda raba.

– Es gilt das gesprochene Wort –