LETZTES UPDATE: 14.11.2017; 16:03
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Rede von Nationalratspräsidentin Elisabeth Köstinger bei der Vollversammlung des Seniorenrates

Dienstag, 14. November 2017

Es gilt das gesprochene Wort.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf Ihnen einen schönen guten Morgen wünschen. Es freut mich Sie hier im Hohen Haus begrüßen zu dürfen.

Erlauben Sie mir, dass ich gleich vorweg unseren Herrn Bundespräsidenten, Dr. Alexander Van der Bellen, entschuldige, der leider kurzfristig krank geworden ist und daher heute nicht hier sein kann.

Besonders freue ich mich über die Anwesenheit der Bundesregierung, vertreten durch Vizekanzler Dr. Wolfgang Brandstetter sowie Sozialminister Alois Stöger und darf an dieser Stelle auch gleich die Vertreterinnen und Vertreter der Parlamentsklubs willkommen heißen.

Erlauben Sie mir, dass ich noch einige wichtige Partner des Seniorenrates im Block begrüße, namentlich: den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Ing. Hermann Schultes, den Vorsitzenden der Gewerkschaft Bau-Holz im Gewerkschaftsbund Abg.z.NR Josef Muchitsch, den Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer KommR DI Dr. Richard Schenz sowie die Vorsitzenden der Bundes­jugend­vertretung Christian Zoll.

Und last but not least darf ich selbstverständlich das hohe Präsidium des Seniorenrates willkommen heißen, vertreten durch die Präsidenten Karl Blecha und Ingrid Korosec sowie die Vizepräsidenten Rudolf Edlinger, Mag. Franz Karl, Werner Thum, Josef Pühringer, Heinz Hillinger und Johann Herzog.

Hohe Vollversammlung des Seniorenrates!

Es ist nun gerade einmal 100 Stunden her, dass ich hier in diesem wunderschönen Redoutensaal zur Präsidentin des Nationalrats gewählt wurde. Geprägt waren meine ersten 100 Stunden in erster Linie von zahlreichen Gesprächen und dem Kennenlernen der internen Abläufe. Die Eröffnung einer feierlichen Veranstaltung in unserem Redoutensaal ist für mich persönlich daher eine Premiere, und umso schöner ist es, diese Premiere im Rahmen der Vollversammlung des Seniorenrates mit Ihnen gemeinsam begehen zu dürfen.

Der Große Redoutensaal, in welchem wir uns zur Stunde befinden, ist für die kommenden Jahre sozusagen zur Wiege unserer Demokratie geworden – zu dem Platz, an dem wir uns damit befassen, nach welchen Leitlinien unser Zusammenleben funktioniert. Wir müssen Bedacht darauf nehmen, dass sich alle Bevölkerungsteile in unserer Republik entsprechend wiederfinden und vor allem auch wertgeschätzt fühlen: seien es Frauen oder Männer; seien es Selbständige oder Unselbständige; sei es die jüngere oder auch die ältere Generation. Warum sage ich das? Nun, gerade der Seniorenrat war immer ein starker Partner, wenn es darum ging, dieses natürliche Gefüge zu einem echten Interessensausgleich hinzuleiten und insofern denke ich, dass es wohl keinen passenderen Ort gibt als diesen hier für die nun anstehende Vollversammlung des Seniorenrates.

Ich darf Sie daher als Gastgeberin aufs Herzlichste willkommen heißen.

Der Seniorenrat als Dachverband der großen Pensionisten- und Seniorenorganisationen unseres Landes vertritt nicht weniger als 2,3 Millionen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Es geht hierbei um eine Bevölkerungsgruppe, die allerdings nicht nur zahlenmäßig von großer Relevanz ist, sondern es geht vor allem um Menschen, die enorm viel für unser Land geleistet haben und zweifelsohne noch immer leisten.

Wie Sie vielleicht wissen, war ich selbst bereits in recht jungem Alter politisch aktiv und habe mich daher auch oftmals mit der Frage des Interessensausgleichs der verschiedenen Generationen auseinandergesetzt. Ich denke, ein kritischer politischer Diskurs ist für ein funktionierendes Politikgefüge regelrecht unabkömmlich, denn auf diesem Weg wird Sorge dafür getragen, dass die unterschiedlichen Meinungen gehört werden und dementsprechend zur Geltung kommen. Es gibt dabei allerdings einen Aspekt, der wie ich meine von entscheidender Bedeutung ist und der mich in meinem ganzen politischen Wirken immer begleitet hat, nämlich: Auch wenn es unterschiedliche Standpunkte gibt und man diese mit aller Vehemenz vertritt, ist es notwendig, einen unabdingbaren Grundkonsens zu haben über die Würde und den Respekt, mit dem man einander begegnet.

Ich möchte Ihnen, meine Damen und Herren, daher meinen Dank dafür ausdrücken, dass Sie ebenso respektvoll wie auch bestimmt Ihre Meinung artikulieren im Sinne einer starken Vertretung für Österreichs Seniorinnen und Senioren und dadurch einen wesentlichen Beitrag zu einem ausgewogenen Interessensausgleich liefern.

Die Bedeutung der älteren Generation sollten wir vor allem im kommenden Gedenkjahr 2018 entsprechend würdigen, zumal wir nicht nur das 100-jährige Jubiläum der Ausrufung unserer Republik feiern, sondern auch dem 80. Jahrestag des "Anschlusses" an das Deutsche Reich mit all seinen grauenhaften Folgen gedenken werden. Es war ebenjene Generation, die Sie, meine Damen und Herren, vertreten, die es geschafft hat, nach zwei Weltkriegen unser schönes Land wieder zu dem Schmuckkästchen, das es nun ist, aufzubauen. Eine Generation, die gefordert wurde wie keine andere. Eine Generation, die anpacken musste wie keine andere. Kurzum: Eine Generation, auf die man sich verlassen konnte und die einen großen Beitrag dafür geleistet hat, dass es denen, die nach ihnen kommen, besser geht.

So sehr ich nun allerdings versuche, den Beitrag der älteren Generationen mit meinen Worten zu würdigen, so bewusst bin ich mir auch, dass Worte alleine keine Abgeltung für eine erbrachte Lebensleistung sein können. Was die ältere Generation daher verdient, sind deutlich mehr als bloße Worte: Was die ältere Generation verdient, ist Anerkennung. Anerkennung kann viele verschiedene Facetten haben: Die Frage, in welcher Form der Staat sein Pensionsmodell arrangiert. Die Frage, wie das Gesundheits- und Pflegesystem unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger berücksichtigt. Und nicht zuletzt natürlich auch die Frage, wie man die Interessensvertretung einbindet und ihr damit die Möglichkeit gibt, am gesetzlichen Willensbildungsprozess teilzunehmen.

Ich bin überzeugt, dass Sie, meine Damen und Herren, schon voller Tatendrang für die heutige Vollversammlung sind. Ich habe zuvor schon erwähnt, welch guten Verlauf die Geschicke der Republik genommen haben. Für die Vollversammlung möchte ich an dieser Stelle nur sagen: Möge es ebenso sein!

In diesem Sinne: Viel Erfolg bei der Tagung. Ich darf das Wort nun an die geschätzte Präsidentin Ingrid Korosec übergeben.

Vielen Dank und alles Gute!